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Furtwangen Dem Rotmilan eng auf der Spur

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Der Ornithologe Kurz Belzer auf der 30 Meter hohen Plattform am Rappeneck. Mit Fernglas und Fernrohr beobachtet er die Flugbewegungen des Rotmilans. Foto: Liebau Foto: Schwarzwälder-Bote

Furtwangen (li). Mitten im Wald, auf dem Höhenrücken zwischen Rohrbach und Langenbach, steht ein Baugerüst, geschützt durch einen Zaun. 30 Meter ragt es in die Höhe. Nach mehreren Regentagen ist es heute aufgeklart, die Sonne lässt sich sogar hin und wieder blicken.

Kurt Belzer hat den Schlüssel für den Zaun. Er ist Ornithologe (Vogelkundler) und erstellt im Auftrag der Siventis GmbH das geforderte Gutachten. Nach einer mühsamen Aufstieg durch das enge Gewirr der Treppen stehen wir auf der etwas schwankenden Plattform. Zu Füßen liegen die Wipfel der Bäume. Von hier überblickt man weite Teile des Gebietes, auf denen die Windkraftanlagen geplant sind.

Belzer stellt sein Stativ auf, richtet das Fernrohr aus und nimmt mit zwei weiteren Kollegen über Funk Kontakt auf. Diese stehen an anderen Ecken des Beobachtungsgebietes, ebenfalls mit Fernrohren ausgestattet.

"Ich stehe mit den Kollegen ständig in Verbindung", erzählt Belzer. Je Untersuchungsgebiet wurden bis zu sechs Beobachtungspunkte festgelegt, je drei davon sind gleichzeitig belegt. "Das nennt man Raumnutzungsanalyse", erklärt Belzer, "damit können wir die Flugbewegungen der Vögel über dem Windparkgebiet feststellen". Verlässt ein Vogel das Blickfeld eines Beobachters, kann er das Tier über Funk an seinen Kollegen "übergeben".

18 Termine dieser Art zu je drei Stunden sind pro Beobachtungspunkt durch die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) vorgeschrieben. Dazu ist gutes Wetter nötig, denn der Rotmilan liebt warme Tage mit Aufwind zur Jagd.

"Ich bin am liebsten hier draußen in der Natur", erklärt der Mittvierziger Kurt Belzer. Er ist gelernter Forstwirt und studierte Umweltschutz an der Fachhochschule Bingen in Rheinland-Pfalz. Schon während des Studiums beschäftigte er sich mit der Vogelwelt. Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes war er ein Jahr für den Naturschutzbund Deutschland (NaBu) tätig. Er überwachte und erforschte für sein Studium im Naturschutzgebiet Haseldorf an der Elbe (Kreis Pinneberg) die dortige Tierwelt. Später war er an der Küste tätig und überwachte teils von Schiffen aus den Einfluss der Windparks auf die Seevögel. In seiner Freizeit engagiert er sich auch gerne bei den Helgoländer Vogeltagen oder bei der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Rhein-Neckar.

Auch andere Gutachter sind unterwegs

"Hören Sie das, dieses lang gezogene ›Wiiiiih‹?" fragt Belzer plötzlich. Der Laie hört außer dem üblichen Vogelgezwitscher hier in luftiger Höhe nichts, doch der Ornithologe identifiziert in der Ferne den charakteristischen Ruf des Rotmilans. Zu sehen bekommt er ihn aber noch nicht.

Dass Windkraftanlagen einen negativen Einfluss auf die Vogelwelt haben, steht für Belzer außer Zweifel. Gerade der Mäusebussard wird sehr oft Opfer der Windflügel. Der Rotmilan benötigt zum Jagen offenes Kulturland. Grasland und Viehweiden sind seine bevorzugten Reviere. "Unsere Aufgabe ist es unter anderem zu prüfen, ob die Rotmilane sich in diesen Höhen, wo die Windräder stehen sollen, aufhalten", so Belzer.

Gerüchte, dass die Städte Furtwangen und Vöhrenbach ebenfalls ein neues Gutachten erstellen lassen, weisen Furtwangens Hauptamtsleiter Marcel Schneider und Vöhrenbachs Bürgermeister Robert Strumberger auf Anfrage zurück. Allerdings bestätigt Strumberger im Telefonat, dass das von den beiden Städten beauftragte Gutachterbüro Nachmessungen durchführt.

"Wir hatten bislang unterschiedliche Sachstände und wir haben unsere Gutachter gebeten, noch weiter Beobachtungen anzustellen", so Strumberger. Wichtig sei es, so viele wie mögliche gesicherte Fakten zu bekommen, um später eine Entscheidung treffen zu können.

Ihre Redaktion vor Ort Furtwangen

Jürgen Liebau

Fax: 07723 4522

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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