Nicht in Geld aber in weniger wässrigem – und damit weniger problematischem Kot – profitieren Tauben, Stadt und Bürger in Burladingen von der häuslichen Installation.
In vielen Städten werden Stadttauben zunehmend zum Problem. Denn sie vermehren sich rapide und hinterlassen ihren Dreck überall: in Fußgängerzonen, auf Autos, auf den schicken Gartenmöbeln auf dem Balkon oder der Terrasse. Kleine und große Ärgernisse führen bei Manchem zu der unliebsamen Betitelung als „Ratten der Lüfte“.
Werden die Tiere aber zu unrecht verurteilt? „Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Stadttaube eigentlich ein Haustier ist“, sagt Sandra Topler von den Pfotenengeln Zollernalb. „Als entflogene oder ausgesetzte Rasse-, Brief- oder Hochzeitstaube beziehungsweise als deren Nachkommen sind Stadttauben als Fundtiere anzusehen und die Städte und Gemeinden eigentlich in der Pflicht.“
Im Gegensatz zu den heimischen Wildtauben wie beispielsweise der Ringeltaube, finde die sogenannte „Stadttaube“ kein artgerechtes Futter in freier Wildbahn. „Sie sind daher auf menschliche Hilfe angewiesen“, so Topler. Der Stadttaube sei ein Brutzwang angezüchtet worden. Das bedeutet: Sie haben das ganze Jahr über ständig Jungtiere. „Dadurch kommt es zu immer höheren Populationen von Stadttauben in den Städten und Gemeinden“, erklärt Topler.
Taubenhaus in Burladingen feiert zweijähriges Jubiläum
Die Stadt Burladingen habe bereits 2023 in Anbetracht der Umstände und der Hilflosigkeit dieser Tiere beschlossen einer drastische Vermehrung, was mehr Tierleid mit sich bringt, entgegenzuwirken. Auch wolle die Stadt Burladingen keine Tiere die auf Hilfe angewiesen sind im Stich lassen . Somit beschloss man in Zusammenarbeit mit den Pfotenengeln Zollernalb ein tierschutzkonforme Lösung zu finden. „Die einzig richtige tierschutzkonforme Lösung ist ein offener Taubenschlag nach dem Augsburger Model“, sagt Topler.
Eier austauschen
Das läuft so ab: Findet man Nester mit Eier in den Brutnischen vor, werden die Eier gegen Gipseier ausgetauscht. So findet eine Geburtenkontrolle statt und die unkontrollierte Vermehrung wird eingedämmt. „Eine einfache Wegnahme der Eier würde der Taube eher schaden, da sie aufgrund ihrer Zucht sofort wieder neue Eier produzieren würde“, erklärt die Tierschützerin. Beim Austausch der Eier bebrütet die Taube die Gipseier, bis sie dann von selbst das Nest als „erfolglose Brut „ aufgibt.
Tierschützerin lobt Zusammenarbeit mit der Stadt
Die Stadt Burladingen hat das Taubenhaus finanziert , zudem nach Absprache mit den Pfotenengeln Zollernalb Verbesserungen und Änderungen vorgenommen und stellt eine jährliche Pauschale für Futter zur Verfügung. Die Betreuung des Taubenhauses erfolgt durch die Pfotenengel Zollernalb. Dieses werde regelmäßig gereinigt und genügend Futter für die Tiere aufgestellt, damit sie artgerecht versorgt sind.
Funktioniert das? „Inzwischen nehmen immer mehr Tiere das Angebot des Taubenhauses an“, berichtet Topler. Aktuell würden dort zwischen 40 bis 50 Tieren betreut. Ein weiterer Vorteil: Krankheiten können schneller erkannt, verletzte Tiere gesichert, Eier ausgetauscht und für eine artgerechte Fütterung gesorgt werden. Das komme auch Stadt und Bürgern zugute. Denn: Eine artgerechte Fütterung führt dazu, dass der Kot der Tauben nicht mehr so wässrig und giftgrün ist und die Tiere somit keine riesigen Kotrückstände mehr hinterlassen. „Der gesunde Kot einer Taube ist nämlich eigentlich fest, klein, kugelförmig und dunkel“, weiß die Tierschützerin.