Um Unterlengenhardter 5G-Gegner zu besänftigen, fordert der Gemeinderat Änderungen an Größe und Ausrichtung des geplanten Funkmasts. Aus diesen Gründen dürfte das aber wenig bringen.
Das Telekommunikationsunternehmen Telefonica möchte in der Kurve der Landesstraße 343 bei Maisenbach-Zainen einen neuen Funkmasten errichten. Seit das bekannt wurde, formiert sich bei manchen Anwohnern – besonders aus Unterlengenhardt – Widerstand. Das wurde nun im Gemeinderat deutlich. Dort stand die Baugenehmigung für den Funkmasten auf der Tagesordnung. Und die Gegner machten bei den Bürgerfragen klar, dass sie sich vor der Strahlenbelastung fürchten. Sie glauben, dass ihnen dadurch gesundheitliche Nachteile entstehen.
Mobilfunkvorsorgekonzept
Deshalb wollen die Gegner den Bau des Funkmasts verhindern. Sie fordern, dass die Kommune ein Mobilfunkvorsorgekonzept verabschiedet. Dieses, so meinen sie, gebe der Stadt die Möglichkeit, auf Standorte solcher Funkmasten Einfluss zu nehmen. Dadurch könnte Unterlengenhardt von einer weiteren Strahlenbelastung verschont bleiben, so die Hoffnung. Die Gegner verweisen auf Ravensburg, das ein solches Konzept bereits verabschiedet hat. „Ein Vorsorgekonzept darf nicht nur unterbinden“, erklärte Bauamtsleiter Rainer Becht. In Ravensburg seien immer alternative Standorte vorgeschlagen worden.
„Fast nie erfolgreich“
Aber: „Das war fast nie erfolgreich“, so Becht. Zudem koste die Erstellung eines Konzepts viel Geld, so der interne Verwaltungsleiter Andreas Hölzlberger. Vor allem wenn man berücksichtige, dass es wenig bringe.
Strahlenbelastung zu hoch?
Der Widerstand aus Unterlengenhardt ist auch deshalb so vehement, weil dort Menschen wohnen, die sich als „elektrosensibel“ bezeichnen. Diese Menschen berichten von Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Müdigkeit.
Als Ursache für diese Beschwerden sehen sie elektromagnetische Felder wie WLAN- oder Mobilfunkstrahlung. Wissenschaftlich belegt ist das nicht. Studien zeigen, dass diese Menschen nicht zuverlässig sagen können, ob sie sich in der Nähe einer Strahlenquelle befinden.
Forscher gehen bei den Beschwerden von einem Nocebo-Effekt aus. Wer negative Auswirkungen erwartet, hat Symptome - unabhängig von der Strahlenbelastung.
Im November gab es in Maisenbach-Zainen einen Info-Abend. Die Gegner brachten Argumente vor, untermauert von Studien. Florian Kohn vom Bundesamt für Strahlenschutz, erklärte, dass die von den Gegnern angeführten Studien nicht wissenschaftlichen Standards entsprächen, zum Beispiel was Stichprobengröße oder intervenierende Variablen angehe.
Bisher gebe die Gesamtschau aller seriösen Studien keinen Hinweis darauf, dass Mobilfunkstrahlung schädlich sei, solange die Grenzwerte eingehalten würden, so Kohn. Er realisierte sogar selbst Messungen vor Ort. Die Strahlenbelastung in Unterlengenhardt liege unter einem Prozent dessen, was der Grenzwert erlaube. Haupstrahlungsquellen seien zudem TV und Radio - nicht der Mobilfunk.
Gemeinderat sieht es wie die Gegner
Der Wortführer der Gegner, Norbert Paydl, war trotzdem gegen den Funkmast. Er habe 360 Unterschriften gegen dessen Bau gesammelt. Ein Vorsorgekonzept sei sinnvoll, Strahlung gefährlich, behauptete er unbeirrt. Komme der Funkmast trotzdem, könne die Stadt klagen. Schließlich gehe es um die Gesundheit.
Viel Zuspruch
Paydl bekam im Gremium viel Zuspruch. Stadtrat Dietmar Fischer (CDU) forderte eine funkfreie Zone in Unterlengenhardt. Das entspreche dem besonderen Charakter des Ortes. Fischers Aussage ist vor dem Hintergrund interessant, dass einer der Masten, von dem sich die Unterlengenhardter schon jetzt bestrahlt fühlen, in Fischers Zeit als Bürgermeister in Betrieb ging. Auch Marco Hofmann (ZBL) stellte sich hinter Paydl. Sebastian Lustnauer sah in Unterlengenhardt einen Zufluchtsort für „Strahlensensible“. Norbert Maier (AfD) schlug sich ebenfalls auf die Seite der Gegner.
Baurechtliche Lage
Becht erklärte die rechtlichen Grundlagen. Der Gemeinderat entscheide über die Baugenehmigung. Und Telefonica halte sich an die Vorschriften. Der Mast sei ein „privilegiertes Vorhaben im Außenbereich“ und von öffentlichem Interesse. Lehne die Kommune die Genehmigung ab, werde das Landratsamt das Vorhaben eben trotzdem genehmigen, fügte Hölzlberger hinzu.
Und Becht konterte einen Vorwurf der Gegner. Die Stadt habe keine Frist versäumt. Und man habe mit Telefonica mehrere Standorte diskutiert. Auch das wurde schon am Info-Abend im November ausgiebig erklärt.
Dialogverfahren und kleine Lösung?
Stadtrat Fritz Steininger (UL), Maisenbach-Zainens Ortsvorsteher Matthias Stepan und Sebastian Lustnauer (Grüne) schlugen einen Kompromiss vor. Die Stadt tritt in den Dialog mit Telefonica, auch die Gegner kommen mit an den Tisch. So will man erreichen, dass der Turm niedriger und Unterlengenhardt vom Funkfeld ausgespart wird. Für dieses Vorgehen entschied sich der Gemeinderat bei einer Gegenstimme von Oliver Jäger (UL).
Telefonica muss darauf nicht eingehen. Die Firma hat die Gesetze auf ihrer Seite. Sie darf den Funkmasten bauen, über Zahl und Ausrichtung der Antennen entscheidet kein runder Tisch, sondern das Bundesamt für Strahlenschutz. Und dessen Messwerte zeigen, dass es keinen Grund für einen kleineren Turm mit weniger Antennen gibt. Das Ansinnen der Gegner und des Gemeinderats dürfte also ins Leere laufen.
Vorschrift
Die Bundesnetzagentur schreibt vor, dass auf 99,5 Prozent der Fläche Deutschlands Mobilfunk verfügbar sein muss. Das gilt vor allem entlang von Straßen. Das soll gewährleisten, dass bei Un- und Notfällen schnell Hilfe gerufen werden kann. Die Telekommunikationsunternehmen müssen deshalb weitere Funkmasten bauen. Entlang der Landesstraße 343 nach Schömberg gibt es mehrere Funklöcher. Die sollen durch den neuen Masten verschwinden.
Standort
Dafür wurde der Standort auf einem Flurstück von ForstBW ausgewählt. Dieses liegt südlich der Straße und östlich von Maisenbach, etwa 670 Meter vom Ortsrand entfernt. Nach Unterlengenhardt sind es von dort aus etwa 622 Meter. Der Gittermast soll knapp 51 Meter hoch werden und zwei Plattformen haben. Als Alternativstandorte waren eine Fläche beim Sportplatz in Maisenbach oder eine Aufstockung des bestehenden Mastes westlich des Ortes im Gespräch. Allerdings könne man von dieses Standorten aus nicht die durch das Tal verlaufende L 343 mit Mobilfunk abdecken, so Telefonica.