Exakt 80 Zentimeter ragen die Pflänzlinge zwischen Fahrbahn und Park in die Höhe. Schön in einer Reihe wie die Zinnsoldaten.
Ein Kleinbagger und zwei Männer an den Schaufeln. Maschinenkraft und Handarbeit. Mehr braucht es nicht, um ein langwieriges Hechinger Streitthema im Guten zu beenden. Ein Kleintrupp der Hechinger Gartenbaufirma Hubert Zanger ist damit zugange, eine neue Hainbuchenhecke entlang der Zollernstraße zu pflanzen. Ist das eine Nachricht? Aber sicher – wenn man die Vorgeschichte bedenkt.
Wegen des Umbaus der furchtbaren Holperstrecke zu einer regelrechten Chaussee hatte die alte, stattliche, dichte und hohe Hecke weichen müssen. An sich kein Problem. Aber! In Hechingen ist man aufmerksam, wenn es um Fällungen und Rodungen geht.
Die Stadt musste denn auch hoch und heilig versprechen, dass nachgepflanzt wird, sobald die Neugestaltung der Zollernstraße fertig ist. Nachpflanzen, aber bitte nicht mit kostengünstigen Bonsai-Exemplaren. Es sollten schon ordentliche Hainbuchen sein, die am Straßenrand wachsen. Das Stichwort lautete „brusthoch“. Nicht vorgegeben wurde, wie hoch die Person sein soll, von der die Brusthöhe genommen wird.
Irgendwann freilich, gesteuert oder nicht, entstand in offenbar gar nicht so wenigen Hechinger Köpfen die Idee, dass es auch ohne neue Hecke geht. Im Gegenteil sollte bewusst auf das schützende Grün verzichtet werden. Auch etliche direkt Betroffene, also Anlieger der Zollernstraße, hatten sich entsprechend geäußert. Zudem war Fürstengarten-Planer Albrecht Schaal plötzlich ebenfalls für einen gänzlichen Hecken-Verzicht. Auch der Landschaftsarchitekt hat damit eine Wandlung durchgemacht: vom Heckenfreund zum Heckenfeind.
Schön, wenn nicht sogar herrlich, man muss es einfach zugeben, ist der Blick von der Straße auf den Fürstengarten und vor allem die Villa Eugenia, wenn keine Hecke da ist. In der Tat konnte dieses Argument so leicht nicht vom Tisch gewischt werden. Da war allerdings weiterhin die einstige Zusage, eine Nachfolgerin zu pflanzen. Unter anderem die Freude des Fürstengartens und der Förderverein Villa Eugenia beharrten auf neuen Hainbuchen zur Straße hin.
Wie rettet man sich aus diesem Dilemma? Mit Themen rund um den Fürstengarten ist in der Zollernstadt schließlich nicht zu spaßen. Die Stadt hat Ende Januar einen Kompromiss präsentiert, der eine glückliche Wendung eingeleitet hat: Die Hecke kommt zwar wieder, sie soll aber nicht so hoch wachsen wie die alte. Die Höhe wurde in der Drucksache des Rathauses mit 80 bis 100 Zentimetern angegeben. Auf diese Weise soll die Sicht freibleiben und gleichzeitig wieder eine Barriere sein zwischen der Straße und dem Park mit parallel zur Hecke verlaufendem Fußweg.
Die Stadt hatte den richtigen Riecher. Die Freunde des Fürstengartens waren einverstanden: Besser eine kleine als gar keine Hecke. Im Gemeinderat waren Ende Januar die Meinungen trotzdem so geteilt wie im Rest der Bevölkerung. Der Kompromiss stieß keinesfalls auf ein lautes Hurra, denn die Heckengegner blieben standhaft. Am Ende votierten acht von 13 Stadträten für die Kleinhecke. Das reichte knapp. Ein Dauerstreitthema war damit vom Ratstisch.
Seit Freitag vergangener Woche wird der Beschluss umgesetzt. Und zwar auf eine sehr lange Distanz: Zwischen der Einfahrt zur Villa Eugenia und den Privathäusern und dem Ende des Fürstengartens viel weiter draußen, inklusive fürstlichem Besitzteil, stehen nach Abschluss der Pflanzarbeiten unzählige (auf der Rechnung wird es genau nachzulesen sein) Hainbuchenpflanzen. Wer es gern ordentlich hat, wird sich an dem Anblick erfreuen: Die Gartenbauexperten aus dem Hause Zanger haben dafür gesorgt, dass die Pflanzen kerzengerade hintereinanderstehen. Da tanzt niemand aus der Reihe.
Die vorgegebene Höhe ist strikt eingehalten: 80 Zentimeter. Am Torbogen zur Villa Eugenia hin dürfen die Hainbuchen allerdings beidseits in einem Bogen mehr wachsen. Und wieso sind die Pflänzlinge zunächst viel, viel höher, und man schneidet die ab? Hätte man nicht kleinere nehmen können? Auf diese Frage weiß der Zanger-Trupp eine gute Antwort: Wenn man die größeren Kleinbuchen abschneidet, dann sind die Stämmlein schon bedeutend stabiler, als wenn man jüngere und damit kleinere Exemplare nehmen würde.
Der Hechinger Heckenkompromiss hat freilich einen gewissen Nachteil. Die Natur will es so, dass die Hainbuchen beständig wachsen. Eben das muss aber verhindert werden, damit dem Gemeinderatsbeschluss Genüge getan wird. Also kommen einmal im Jahr die Heckensäger, um die 80 Zentimeter zu belassen. Sollte sich allerdings im Laufe der Jahre die öffentliche Meinung vielleicht erneut ändern, und man will plötzlich doch eine richtig große Grünbarriere, ist das kein Problem. Die Hainbuchen schaffen zwischen einem und zwei Zentimetern pro Jahr.
Die Marktplatz-Möblierung steht bereit
Auf dass es noch mehr grünt in der Oberstadt: Das Material für die Ausgestaltung des Hechinger Marktplatzes steht bereits bereit. Auf dem Firstparkplatz sind ziemlich große Pflanzkübel mit Bäumchen zwischengelagert. Die warten jetzt darauf, auf den zentralen Platz der Altstadt umzuziehen. Ab Mai wird dort den Sommer über die Fußgängerzone getestet. Und dazu muss selbstverständlich die Aufenthaltsqualität erhöht werden. Die Stadt spricht von Aufwertung. Dazu dienen unter anderem etliche Bäumchen in optisch ansprechenden Holzgefäßen, welche Hechingen erst einmal leihweise bezieht.