Fürst Christian zu Fürstenberg mit einem Gemälde von Nathanaëlle Herbelin in Donaueschingen, das sie während ihres Aufenthaltes in Heiligenberg geschaffen hat. Foto: Stefan Simon

Das Fürstenpaar drei Künstler zur Ausstellung gebeten. Zu sehen gibt es fast intime Situationen, minimalistische Fotografie und Kunst, die sich der eindeutigen Einordnung entzieht.

Situationen, in denen das Erklärliche und rational fassbare auf das Undeutbare trifft, repräsentieren einen der zentralen Interessenbereiche des Künstlerduos João Maria Gusmão und Pedro Paiva. Fürst Christian und Fürstin Jeannette zu Fürstenberg haben in ihrem 2011 gegründeten Projekt Fürstenberg Zeitgenössisch den Portugiesen im Museum einen großen Raum eingerichtet. Dort gibt es nun für alle Kunst-Interessierten wieder eine Stipendiatenausstellung zu begutachten.

 

Die Filme, Fotografien, Skulpturen und Installationen gebärden sich wie Annäherungen und Untersuchungen unserer Welt, wobei Altbekanntes nicht selten in einem gänzlich anderen Licht erscheint und sich so unzählige Fragen und Rätsel auftun. Wie auch bei dem ganz aktuell aufgestellten „Reiterstandbild ohne Reiter“, das die Museumsbesucher gebührend empfängt.

Die Wandarbeit „Club Hermes“ des ehemaligen Stipendiaten Victor Man bereichert nun die Sammlung. Foto: Stefan Simon

João Maria Gusmão und Pedro Paiva weilten 2012 als Stipendiaten auf Schloss Heiligenberg, und sie führen nun mit ihrer markanten Arbeit die Besucher zu den Resultaten des mittlerweile zwölften Stipendiatenprogramms. Die Stipendiaten erhalten in den Sommermonaten die reizvolle Gelegenheit, auf dem am Bodensee gelegenen Schloss Heiligenberg zu wohnen und in diesem außergewöhnlichen Rahmen mit großem geschichtlichem Hintergrund zu arbeiten.

„Das kalte Bett“ von Nathanaëlle Herbelin entstand im vergangenen Jahr auf Schloss Heiligenberg. Jetzt ist es in Donaueschingen zu sehen. Foto: Stefan Simon

Nach Absolute Beginner, Zweiter Streich, Dreierlei, Quattro Stagioni, Fünf Sterne, Sechs Richtige, das verflixte 7. Jahr, After Eight, Neun neue Räume, X und Elfen nun also die zwölfte Ausgabe „Zwölf“ mit drei unterschiedlichen künstlerischen Positionen.

Nathanaëlle Herbelin (geboren 1989 in Tel Aviv) geht in ihrer in Heiligenberg entstandenen Malerei von alltäglichen, fast intimen Situationen aus. Innenräume, kleine Details rund um das Schloss und Figuren überführen sie in Bildräume, in denen Erinnerung, Konstruktion und Reflexion ineinandergreifen.

Zum ganz genauen Hinschauen laden die minimalistischen Fotografien von Simon Lässig in den Fürstlichen Sammlungen in Donaueschingen ein. Foto: Stefan Simon

Das Vertraute wie in dem Gemälde „Lit froid“ (zu Deutsch: das kalte Bett) verliert seine Selbstverständlichkeit und wird Teil einer fragilen Bildlogik. Das Verhältnis von Nähe und Distanz prägt die Malerei Herbelins. Ihre Bilder verweigern klare Erzählungen und bergen somit immer ein Restgeheimnis.

Weiter geht es zu den Silbergelatineabzüge von Simon Lässig (geboren 1992). Seine minimalistischen Fotografien setzen bei den Bedingungen des genauen Sehens an. Sie untersuchen, wie Bilder Bedeutung erzeugen. Wiederholung und kaum wahrnehmbare Differenz erzeugen minimale Verschiebungen, die das Vertraute verunsichern und den Blick neu ausrichten lassen.

Einblicke in den neu konzipierten Raum mit Frauenakten von Thomas Schütte. Foto: Stefan Simon

In Lässigs reduzierter Formensprache wird auf jegliche Effekte verzichtet, gerade darin liegt ihre Konzentration. Wahrnehmung zeigt sich so als etwas, das sich stets neu zusammensetzt. Es kommt wie so oft auf die Perspektive an, die des Künstlers wie auch die des Betrachters.

Wie auch in den vielschichtigen Arbeiten von Caspar Heinemann (geboren 1994 in London). Das Werk des in Glasgow lebenden Künstlers und Schriftstellers entzieht sich einer eindeutigen medialen Zuordnung. Es bewegt sich zwischen Skulptur, Installation, Text und Performance. Ausgehend von der Ästhetik der Volkskunst untersucht Caspar Heinemann die Wechselbeziehungen zwischen spiritueller, politischer und sexueller Gegenkultur.

Zu einem fürstlichen Museum gehört auch standesgemäß ein Standbild. Das findet auch Hausherr Fürst Christian, hier mit einer neu erworbenen Arbeit des Künstlerduos João Maria Gusmão und Pedro Paiva. Foto: Stefan Simon

Fragmente und Verschiebungen eröffnen Projektionsräume, in denen das Persönliche präsent bleibt, aber für den Betrachter für viele Lesarten offen. Indem er diese Erzählungen in Skulptur, Performance, Schreiben und Zeichnung entwickelt, überlegt Heinemann, wie Erzählkunst als Mittel des Widerstands genutzt werden könnte. So entstehen weniger Aussagen als Erfahrungszustände.

Ein Besuch der Stipendiatenausstellung bedeutet auch immer einen obligatorischen Rundgang durch die stetig wachsende Sammlung des Fürstenpaares. So gibt es etwa in den vielen Kabinetten Gelegenheit für eine Auseinandersetzung mit den jüngst erworbenen Frauenakten von Thomas Schütte oder der wunderbaren neuen Wandarbeit „Club Hermes“ des ehemaligen Stipendiaten Victor Man.

Montags geschlossen

Die Stipendiatenausstellung „Zwölf“
in Donaueschingen ist noch bis zum 30. August für Besucher zu sehen. Die Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen, Karlsplatz 7, mit der permanenten Ausstellung von Fürstenberg Zeitgenössisch sind im Zeitraum von April bis November, jeweils zwischen Dienstag und Sonntag, von 11 bis 17 Uhr, geöffnet.