Vater Hakan Esetekin mit seiner Tocher Selina Esetekin aus Blumberg. Die Handhabung der vorgeworfenen Situation irritiert ihn. Der Vater sagt, dass sein Vertrauen in die Schule gebrochen sei. Foto: Kassandra Lippe

Ein Junge soll seine Tochter in der Nachmittagsbetreuung geschlagen haben. Hakan Esetekin fühlt sich schlecht informiert und ärgert sich, wie die Schule mit dem Vorfall umgeht.

Die Wange pocht, der Kopf dröhnt. Allein soll eine Viertklässlerin der Eichberg-Grundschule von ihrer Betreuerin im Eingangsbereich der Schule stehen gelassen worden sein, nachdem sie von einem Mitschüler ins Gesicht geschlagen und verletzt wurde. Das behauptet ihr Vater Hakan Esetekin. Die Situation soll seiner Tochter Selina während der Nachmittagsbetreuung im Blumberger Jugendhaus widerfahren sein.

 

Demnach seien seine Tochter und der betroffene Mitschüler beim Verlassen des Jugendhauses und gemeinsamen Rückweg zur Schule aneinandergeraten. Ein Schlag, daraufhin knallt Selina gegen die Wand und eine verbale Auseinandersetzung zwischen den Kindern folgt, behauptet Hakan Esetekin.

Ein Betreuer des Jugendhauses habe laut dem Vater versucht, die Situation zu deeskalieren. Die Betreuerin der Nachmittagsbetreuung der Schule hingegen soll gesagt haben, dass das Mädchen selbst schuld sei, da sie ihren Mitschüler provoziert habe, sagt Esetekin. Als die Betreuerin mit der Klasse zurück zur Schule gelaufen sei, habe der Betreuer des Jugendhauses das verletzte Kind begleiten müssen, so der Vater.

„Grundsätzlich haben Sicherheit und das Wohlergehen aller Kinder an unserer Schule oberste Priorität.“ Felix Taubenmann, Rektor der Eichbergschule in Blumberg Foto: Hans Herrmann

Auf Anfrage bestätigt Rektor Felix Taubenmann einen Vorfall in der Nachmittagsbetreuung der Eichbergschule. Der Sachverhalt des Vorfalls sei der Schule demnach bekannt und zeitnah in der Folge aufgearbeitet worden. Konkrete Angaben zu Abläufen und Aussagen könne Taubenmann jedoch aus Gründen des Persönlichkeits- und Datenschutzes nicht machen. Er sagt aber, dass bereits Gespräche mit allen beteiligten Personen geführt wurden und betont: „Grundsätzlich haben Sicherheit und das Wohlergehen aller Kinder an unserer Schule oberste Priorität.“

Kritik an Kommunikation

Dennoch ist die Kommunikation seitens der Schule einer der Punkte, die Vater Hakan Esetekin kritisiert. Kleinere Streitigkeiten zwischen seiner Tochter und dem betroffenen Mitschüler sollen Lehrern an der Schule schon vorher bekannt gewesen sein, sagt Esetekin. Vor diesem Vorfall hätten er und seine Frau davon jedoch nichts erfahren, obwohl es kurz zuvor ein Elterngespräch gegeben habe. Auch die Handhabe dieser vorgeworfenen Situation irritiert den Vater. „Warum werden wir als Geschädigte nicht kontaktiert?“, fragt Esetekin. Zurück in der Eichbergschule habe Tochter Selina zunächst kurz vor dem Sekretariat warten sollen, dann sei sie zum Warten an den Schuleingang geschickt worden, sagt Hakan Esetekin. Benachrichtigt wurden laut dem Vater zunächst nur die Eltern des Mitschülers. Er und seine Frau seien erst durch den aufgelösten Anruf ihrer Tochter informiert worden.

Eine Nacht im Krankenhaus

Auf einen Gesprächsversuch der Eltern sei die Betreuerin nicht eingegangen, hätte gar weitere Vorwürfe seiner Tochter gegenüber geäußert, unterstellt Esetekin. Er sei schließlich nach den gescheiterten Gesprächsversuchen mit seiner Tochter ins Krankenhaus gefahren. Dort sei das Mädchen mit Verdacht auf Gehirnerschütterung aufgenommen worden und habe eine Nacht zur Beobachtung verbracht.

Der Vater bestätigt, dass es am folgenden Morgen zu einem Gespräch mit dem Schulrektor, der Leitung der Ganztagsbetreuung und dem Betreuer kam. Dort kritisierte er nach eigenen Angaben fehlende Schutzmaßnahmen, mangelnde Informierung der Eltern und eine Verletzung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht.

Esetekin wirft zudem einzelnen Verantwortlichen mangelnde Empathie und Verantwortung im Umgang mit der Situation vor. „Der Schlag war nicht das Schlimmste, sondern das Wegschauen danach“, sagt er.

Vertrauen leidet

Hakan Esetekin fühlt sich nicht gehört. Sein Vertrauen in die Betreuung an der Schule beschreibt er nun als gebrochen. Der Mitschüler wird zunächst die Parallelklasse besuchen, doch das ist für den Vater nicht genug. Seiner Meinung nach sei die Schule überfordert. Dem Mitschüler seiner Tochter macht Hakan Esetekin keinen großen Vorwurf, sondern er fordert Verantwortung seitens der Schule.

Aus seiner Sicht handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Schon in der Vergangenheit habe es einen ähnlichen Vorfall gegeben, nach dem Esetekin jedoch mit der Aussprache zufrieden war. In diesem Fall überlege er allerdings, rechtliche Schritte einzuleiten. „Es geht hier nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. Ich gehe damit an die Öffentlichkeit, weil ich möchte, dass so etwas nie wieder passiert“, macht der Vater deutlich. Laut Rektor Felix Taubenmann hat die Schule den Vorfall so aufgearbeitet, wie es üblich ist. „In solchen Fällen werden grundsätzlich schulische Maßnahmen geprüft und ergriffen, um das Sicherheitsgefühl der betroffenen Kinder zu stärken und mögliche Wiederholungen zu vermeiden“, so Taubenmann.

Gespräch erwünscht

Mögliche schulische Maßnahmen reichen demnach von pädagogischen Gesprächen mit den beteiligten Kindern und Eltern, über die Einbindung der Schulsozialarbeit, bis hin zu präventiven Angeboten zur Förderung sozialer Kompetenzen oder der Androhung beziehungsweise Anordnung von Maßnahmen. Auf die Wirkung dieser Maßnahmen vertraut Hakan Esetekin nun allerdings nicht mehr vollständig. Dennoch würde der Vater sich ein weiteres Gespräch mit der Schule, der Betreuerin und den Eltern des Mitschülers wünschen. „Eine Entschuldigung würde ich natürlich annehmen, aber könnten sie mir auch garantieren, dass sich wirklich etwas ändert“, fragt sich Hakan Esetekin.

Das steht im Schulgesetz

Maßnahmen
Zu kurzfristigen schulischen Maßnahmen zählen etwa Nachsitzen, vorübergehende Trennung von Schülern, die Umsetzung in eine Parallelklasse, zeitweiliger Ausschluss vom Unterricht (bis zu fünf Tage) oder in schweren Fällen auch weitergehende Schritte bis hin zum Schulausschluss. Vor Entscheidungen werden Betroffene angehört. Bei schweren oder wiederholten Vorfällen kann auch das Jugendamt einbezogen werden. Felix Taubenmann, Rektor der Eichbergschule, erklärt, dass für die Entscheidungen multiprofessionelle Teams zuständig sind, die das Kindeswohl und die rechtlichen Vorgaben im Blick haben müssen.