Im Februar 1942 wurden die Kirchenglocken erneut abgeseilt, um im Anschluss eingeschmolzen zu werden. Foto: privat (Repro)

Um im Ersten und Zweiten Weltkrieg die Waffenproduktion unter Dampf zu halten, wurden in rohstoffarmen Zeiten sogar die Gotteshäuser „erleichtert“.

Im Rahmen der Bemühungen beim Schwarzwaldverein in einer bildhaften Dokumentarserie – mit Beginn schon in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts – kommen immer mal wieder interessante Geschichten ans Licht.

 

Schon im Ersten Weltkrieg hat man sich in der allgemeinen Not Gedanken gemacht, wie man zur Produktion von Waffen im rohstoffarmen Deutschland noch irgendwie an Metalle herankommen könnte, um die Waffen- und Munitionsproduktion am Laufen zu halten. In Phasen größter Not kam man schließlich im ganzen Land unter anderem auch darauf, Kirchenglocken von den Türmen zu holen, um sie einzuschmelzen.

1949 wurden wieder neue Glocken gebracht

Das Zusammenläuten für die Gottesdienste konnte statt des vielstimmigen Geläuts auch mit einer einzigen Glocke bewerkstelligt werden. Zeitzeugen dieser Ereignisse gibt es keine mehr.

Ein Bild vom Abhängen der Glocken zum Ende des Ersten Weltkriegs konnte noch durch Gebhard Echle, Nachkomme des damaligen Bürgermeisters Mathias Echle vom Diesemichelshof im Rankach (Bürgermeister von 1901 bis 1929), für das Erstellen des Bildchronik-Bands „Heimat im Wolftal“ zur Verfügung gestellt werden.

Auch bei „Murerchristes“ (beim heutigen Café Schacher) gab es ein solches Bild, denn Maurermeister Christian Haas Senior war es, der mit seinem Sohn gleichen Namens und einigen seiner Mitarbeiter per Seilwinde die Glocken vom Turm der Pfarrkirche abgeseilt hat. Auf dem Erinnerungsfoto vom Juli 1917 ist auch der Nachbar der Kirche, der damalige Lindenwirt Johann Heitzmann, im Hintergrund stehend erkennbar.

Ein Pferdegespann transportierte die Glocken

Das gleiche „Schauspiel“ wiederholte sich im Winter 1942. Chronist Hermann Brommer berichtet in der Kirchenführer-Broschüre: „Am 16. Februar 1942 mussten die drei Glocken heruntergeholt werden.“

Wiederum gibt es Foto-Dokumente, diesmal von Wilhelm Roth im Rankach, von der Ankunft neuer Glocken 1949. Die Glocken wurden von einem Pferdegespann des Sägewerks Roth talaufwärts zur Pfarrkirche transportiert. Dem großen Leiterwagen mit den Glocken schritt die Musikkapelle voraus. Geleit gaben junge Frauen in Tracht und mit Schäppel. Hinter ihnen folgten Stiftungsrat und Oberwolfacher Bürger.

Nochmals einen Glockeinzug gab es um 1955, als wiederum vier Glocken für die neuerbaute Marienkirche an der Walke eintrafen. Dort war bereits der Lastwagen des Rindenhändlers Uhlbauer Severin Dieterle vom Battengott im Einsatz.

Dokumentiert ist auch, dass damals auf dem Lindenplatz Zwischenstation gemacht wurde, bevor dann die feierliche Glockenweihe an der Walke durch Dekan Gottlieb Huber aus Wolfach vorgenommen wurde. Ihm assistierten die Pfarrer Anton Rapp (Oberwolfach) und Erich Schmidt (Schapbach).

Kleidung

Viele Schulkinder haben sich auf dem Foto von 1942 eingefunden. Beachtenswert ist ihre einfache Kleidung – von wegen wattierte Anoraks. Damals galt noch die Regel, dass die Kleidung der älteren Geschwister „ausgetragen“ werden musste.