Auf große Resonanz stößt die Bürgerversammlung. Besonders die geplante Sozialimmobilie interessiert viele. Foto: Claudius Eberl

Eine Sozialimmobilie mit Betreutem Wohnen und Tagespflege im Herzen der Gemeinde – das Projekt nimmt in Schonach immer mehr Gestalt an. Nun konnten sich Bürger informieren.

Eigentlich sollte die Bürgerversammlung der Gemeinde im Pfarrzentrum stattfinden, doch weil die Rückmeldungen zum Fragebogen zur Sozialimmobilie enorm hoch waren, wich man kurzfristig aus, und die Bürgerversammlung fand in in einer recht außergewöhnlichen – wie Bürgermeister Jörg Frey anmerkte, vielleicht auch einzigartigen – Atmosphäre statt: in der Schonacher Kirche.

 

Hauptthema des Abends war die Sozialraumimmobilie mit Tagespflege und betreutem Wohnen, die auf der Fläche der ehemaligen Strohhutfabrik Sauter entstehen soll. Frey begrüßte daher neben den rund 150 Besuchern auch den Gemeinderat, Matthias Günther, Adriane Gunzer und Hans Kübler vom Unternehmen FWD Hausbau und Grundstück aus Dossenheim sowie Markus Aydt von der Sozialstation.

Schon seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Verwaltung damit, etwas für ältere Bürgerinnen und Bürger zu schaffen. Ein Pflegeheim zu betreiben, erwies sich schnell als unmöglich, gibt es doch solche Einrichtungen in Triberg und Schönwald. So entstand die Idee einer Immobilie mit Betreuungsangebot. Das Gelände der ehemaligen Strohhutfabrik bot sich dafür an, den eine zentralere Lage mit Bäcker, Metzger, Ärztehaus, Bank, Rathaus, Gastronomie und Kurpark gibt es wohl kaum.

Mit dem Unternehmen FWD hatte man dann einen kompetenten Investor gefunden, mit der Sozialstation Triberg einen renommierten Betreiber für die Tagespflege. Die Pläne sind mittlerweile sehr weit fortgeschritten. Um auch die Meinung der Bevölkerung einzuholen, hatte man alle Schonacher über 50 Jahren mit einem Fragebogen angeschrieben. Die Resonanz war enorm.

Matthias Günther vom Unternehmen FWD stellte den Besuchern die Pläne vor – doch zuerst seinen Arbeitgeber. Das Unternehmen gibt es seit 1980, es hat 140 Mitarbeiter und neben anderen Objekten mittlerweile mehr als 100 Anlagen für Senioren geplant und verwirklicht, unter anderem in St. Georgen, Unterkirnach und Königsfeld.

Gebäude soll ab Mitte 2027 nutzbar sein

Aktuell sei man an den letzten Plan-Erstellungen. Baubeginn soll im Frühjahr 2026 sein. Man rechnet mit rund 18 Monaten Bauzeit, sodass das Gebäude Mitte 2027 nutzbar sein soll. Laut Günther wird der Verkauf der Wohnungen Ende 2025 starten, dazu soll es nochmals eine Info-Veranstaltung geben.

Zur Tagespflege sowie den Grund- und Wahlleistungen gab Markus Aydt von der Sozialstation St. Marien ein kurzes Statement ab. Bei Fragen, so bot er an, solle man sich gerne an die Sozialstation wenden.

Kritik an Gestaltung der Immobilie

Fragen und Anmerkungen gab es anschließend auch seitens der Besucher. So bemängelte Dieter Heinkelein, dass sich das moderne Gebäude mit einer großen Fassade Richtung Kurpark und vor allem den nicht vorhandenen Dachüberständen so gar nicht wie versprochen harmonisch in die Umgebung einfüge. Er bat darum, diese Faktoren doch noch mal zu überdenken. Bürgermeister Frey entgegnete, dass dies Geschmacksache sei. Natürlich könnte man größere Dachvorsprünge einbauen – das aber würde den Lichteinfall in die Wohnungen hemmen. Man habe auch überlegt, die große Fassade Richtung Kurpark zu entschärfen, allerdings hätte das Konsequenzen für Rettungswege und die Laufstrecken der Pflegekräfte.

Schonacher erhalten keinen Vorzug

Karin Binkert-Hörmann wollte wissen, ob es beim Verkauf ein Auswahlverfahren gebe, bei dem Schonacher bevorzugt würden. Das sei nicht der Fall, erklärte Günter. Zur Frage wie viele Stellplätze geplant seien, erklärte er, dass es drei für die Tagespflege und sieben für die Wohnungen seien – strikt nach den baulichen Vorgaben.

Bürgermeister Frey betonte, dass man sich bei Fragen, Anregungen oder Ideen gerne bei ihm und der Verwaltung melden könne. Mit entsprechendem Fortschritt der Planung werde es dann, kündigte Günther an, weitere Info-Veranstaltungen geben.

Betreutes Wohnen und Tagespflege – das soll die Sozialimmobilie bieten

Projekt
Nach langen Planungen soll auf dem Gelände der ehemaligen Strohhutfabrik Sauter, direkt am Kurpark gelegen, eine Anlage für Betreutes Wohnen entstehen. Die zentrale Lage soll es den Bewohnern gestatten, so eigenständig wie möglich und so betreut wie nötig in einer vertrauten Umgebung zu wohnen. Entwickelt werden soll das Projekt mit FWD Hausbau und Grundstück. Die Sozialstation St. Marien soll eine Tagespflegeeinrichtung beisteuern. Ein Gemeinschaftsraum soll Begegnung und Austausch dienen.

Wohnungen
Drei Wohnungstypen, insgesamt 13 Wohnungen mit zwei und drei Zimmern, sollen im Gebäude entstehen. Die Wohnungen haben zwischen 55 und 72 Quadratmetern. Beim Kauf soll der Preis bei rund 5000 Euro je Quadratmeter liegen. Die Miete beträgt etwa 11,50 Euro je Quadratmeter. Die Wohnungen sind barrierefrei. Vor dem Haus soll ein neuer Vorplatz entstehen, der direkt an die öffentliche Bushaltestelle übergeht. Ebenso soll es einen Zugang zum Kurpark geben.

Betreuung
Im Grundservice, der monatlich abgerechnet wird, stehen den Bewohnern etliche Leistungen zur Verfügung, so etwa Hilfe und Beratung bei alltäglichen Problemen, auch gegenüber Behörden und Ämtern sowie Organisation gesundheitsfördernder Maßnahmen. Zudem gibt es weitere Wahlleistungen, etwa hauswirtschaftliche Hilfe, Essen auf Rädern, Fahr- und Begleitdienste sowie medizinisch-pflegerische Hilfen. Diese Betreuungsleistungen bietet die Sozialstation St. Marien an.

Nutzerkreis
Festgeschrieben ist, dass nur Bürger und Bürgerinnen über 60 Jahre oder ab einem gewissen Behinderungsgrad die Wohnungen nutzen können. Der Kauf von Wohnungen steht jedem frei.

Tagespflege
In der geplanten Tagespflege soll Platz für bis zu 15 Gäste sein. Die Betreuung übernehmen in familiärer Atmosphäre Fachkräfte der Sozialstation St. Marien.