Der TV Lahr hat seit September ein neues Angebot: Im Rahmen des „Special Olympics“-Programms gibt es jede Woche ein Training für Menschen mit geistiger Behinderung.
Bunte Bälle fliegen durch den Raum, es riecht nach Mattenwagen, hin und wieder ertönt eine Trillerpfeife. Der Montagabend beim TV Lahr läuft ab wie in anderen Sportvereinen auch. Doch seit September gibt es hier eine besondere Sportgruppe: ein inklusives Training für Menschen mit geistiger Behinderung, im Rahmen des „Special Olympics“-Programm.
Ins Leben gerufen wurde das Ganze von Johanna Rosewich. Sie ist Lehrerin an der Georg-Wimmer-Schule und betreut dort auch Sportangebote für Menschen mit geistiger Behinderung ab der fünften Klasse. „Das Problem ist, dass das nach der Schule dann so abrupt endet“, erzählt sie unserer Redaktion. „Mir war es deshalb wichtig, auch noch ein Angebot in Lahr in Vereinsträgerschaft zu schaffen“.
Jede Sportart kommt mal dran
Mit dieser Idee ist Rosewich dann auf den TV Lahr zugekommen. Nach den Sommerferien startete das neue Angebot, gerade sei man noch dabei, die Gruppe Stück für Stück aufzubauen und zu etablieren. Rosewich berichtet, wie eine typische Sporteinheit mit der Gruppe in der Sporthalle des Max-Planck-Gymnasiums abläuft: „Es gibt immer eine Aufwärmphase mit Spielen, dann einen Hauptteil, der besteht aus einer von vielen Sportarten. Wir hatten nach den Sommerferien das Thema Leichtathletik, jetzt machen wir Ballsportarten“. Durch die wechselnden Sportarten wolle man die individuellen Talente fördern und im besten Fall für jeden etwas Passendes finden. „Es sind im Schnitt etwa zehn Kinder da, manchmal sind Geschwisterkinder ohne Behinderung dabei“, so Rosewich.
Das Angebot liegt ihr sehr am Herzen
Sie selbst hat Sonderpädagogik studiert und sagt, Menschen mit Behinderung seien nicht nur Thema in ihrem Berufsfeld, sondern liegen ihr auch persönlich sehr am Herzen. „Meine andere Leidenschaft ist der Sport“, erzählt sie. „Diese beiden Felder dann miteinander zu kombinieren, das gefällt mir einfach unheimlich gut“.Nicht nur sie hat Spaß an den Sportstunden, auch die Teilnehmer genießen die Aktivität sichtlich. An diesem Abend sind verschiedene Stationen aufgebaut, um sich an das Thema Basketball heranzutasten – kleine Bälle in eine Kiste werfen, große Bälle einander zuspielen, auf den Korb zielen.
Auf alle Bedürfnisse Rücksicht nehmen
Jeder macht das, was er kann, und probiert sich aus. „Man muss bei uns einfach sehr flexibel sein. Es gibt immer wieder Einzelne, die sich mal eine andere Aufgabe ausdenken als ich“, berichtet Rosewich. „Es ist wichtig, auf die Bedürfnisse zu achten“. Man habe Jugendliche, die sehr sportlich sind, einige der Kinder könnten allerdings nicht sprechen, da müsse man darauf achten, sie trotzdem mitzunehmen.
Rosewich hofft, dass die Gruppe sich als fester Bestandteil des Vereins etabliert und sie dadurch verschiedenste Sportarten anbieten kann. „Und wer weiß, vielleicht können einige unserer Athleten ja irgendwann auch in anderen Abteilungen mitmachen.“
Special Olympics
In jedem Bundesland bietet die Initiative „Special Olympics“ Angebote und Wettbewerbe an. Die Zuteilung der Athelten erfolgt dabei nicht über die Behinderung, sondern über sportliche Fähigkeiten. Insgesamt werden 24 Sommer- und Wintersportarten angeboten.