Die städtische Musikschule steigt immer mehr in Kooperationen mit den öffentlichen Schulen ein. Unser Foto entstand an der Lembergschule. Foto: Thomas Fritsch

Der Nagolder Gemeinderat gab 30 000 Euro für Kooperations-Projekte der Musikschule mit den Nagolder Schulen frei. Spenden und Gelder der Fördervereine können nicht mehr alle Kosten decken.

Eigentlich gilt ja für Nagolds städtischen Haushalt so etwas wie eine Haushaltssperre – was die Bereitschaft von Verwaltung und Gemeinderat angeht, neue freiwillige Verpflichtungen auf der Ausgabenseite einzugehen.

 

In der jüngsten Gemeinderatsitzung wurde aber eine ausdrückliche Ausnahme von dieser Regel definiert: Die städtische Musikschule bekommt 30 000 Euro Extra-Budget, um diverse Kooperationsprojekte mit den Schulen der Stadt zu stemmen.

Die Liste dieser bereits laufenden Kooperationsprojekte ist beeindruckend lang, betrifft etwa seit der Nach-Corona-Zeit die Bläserklasse der Zellerschule, die Streicherklasse der Lembergschule oder das Projekt „Musik (neu) erleben am OHG“ (Otto-Hahn-Gymnasium).

Band-Coaching und die Stimmbildung

Bereits seit einigen Jahren laufen zudem gemeinsame Angebote wie der Musik-Zirkus an der Lembergschule, die Musik-AG an der Burgschule, die Musik-Werkstatt an der Zellerschule oder das Band-Coaching und die Stimmbildung am OHG.

An manchen der Projekte sei, so der Wortlaut der entsprechenden Sitzungsvorlage, die ganze Klasse beteiligt „und diese sind in der Regel im Stundenplan der Schüler verankert“. Daher dürfen diese Angebote, die außerhalb des eigentlichen Lehrplans realisiert werden, allerdings die Eltern nichts kosten „und müssen deshalb anderweitig finanziert werden“. Beispiele sind „SiTaMu“ (Singen-Tanzen-Musizieren) im Klassenverband, die sogenannte Ward-Methode (siehe Info) und „Musik (neu) erleben“.

Im Ganztagesbereich finden Projekte wie der Musik-Zirkus an der Lembergschule und die Musik-Werkstatt an der Zellerschule statt. Diese Angebote müssen ebenfalls ohne Elternbeiträge finanziert werden. In der Regel werden die anfallenden Personalkosten auf Musikschule und die jeweilige Kooperations-Schule verteilt - die dafür Mittel etwa aus den sogenannten Schulleiteretats einsetzt. In vielen Fällen ist man aber auch auf Spenden und Gelder der Fördervereine angewiesen. Doch im Moment kann ein Teil der Kosten – im laufenden Jahr eben knapp über 30 000 Euro – auch so nicht mehr gedeckt werden.

Eigentlich habe man seitens der Stadt tatsächlich „keinen Spielraum für zusätzliche Aufgaben“, so Oberbürgermeister Jürgen Großmann in seinen Erläuterungen. Aber genau hier gebe es „eine Ausnahme – dafür trete ich ein!“ Wörtlich nannte Großmann die benötigten Mittel „eine Art Notfall-Budget“, wozu es offenbar in einer nichtöffentlichen Sitzung des Kultur-, Umwelt- und Sozialausschusses (Kusa) auch eine umfangreiche Vorberatung gegeben hat.

„Investition in junge Menschen“

Bereits dort habe man sich letztlich für die Budget-Ausnahme als „ausnahmsweise gerechtfertigt“ ausgesprochen, „weil wir alle überzeugt sind“, der Bildungsbereich erlaube immer diese „Investition in junge Menschen“. Allerdings hielt dies Stadträtin Rose Hauenstein (Grüne) nicht davon ab, solche „Ausnahmen“ nicht nur für die Musikschule zu definieren – die sie aber „immer fördern“ würde. Aber auch andere Themen seien in gleicher Weise wichtig, wie etwa zusätzliche Radwege. Dagegen bräuchte es aus ihrer Sicht sicher keine weitere „Parkhauserweiterung“ in Nagold, wie etwa für das Parkhaus Ost angedacht.

Letztlich sprach sich der Gemeinderat bei drei Enthaltungen für das Zusatzbudget von 30 000 Euro für die städtische Musikschule aus.

Info: Die Ward-Methode...

...an der Zellerschule Nagold: Die Ward-Methode ist eine Lehrmethode, die von der Musikpädagogin Justine Ward (1879 bis 1975) für amerikanische katholische Grundschulen entwickelt wurde. Die Kinder lernen dabei von Anfang an: ihre Singstimme zu einem vollwertigen Musikinstrument zu entwickeln; die Welt des Rhythmus zu erfassen; Beziehungen zwischen Tönen zu entdecken und Intervalle zu erkennen; Klänge mit geschriebenen Symbolen zu identifizieren und umgekehrt; Fertigkeiten zu entwickeln, die auf ein vielseitiges und fundiertes Musizieren vorbereiten; sich an guter Musik zu erfreuen – durch Üben, Zuhören, Ausführen. Justine Ward hatte dabei das Ziel vor Augen, allen Kindern eine grundlegende musikalische Bildung zu vermitteln. Seither ist die Ward-Methode immer wieder in der Praxis überprüft und verbessert worden, sodass sie heute einen durch jahrzehntelange schulische Erfahrung gesicherten Weg bietet, den Kindern eine solide, ausbaufähige musikalische Grundausbildung zu vermitteln.