Falls die Stadtwerke Stuttgart Windkraftanlagen in Grosselfingen und Rangendingen errichten, können sich die dort lebenden Bürger beteiligen. Der künftige Betreiber kündigt an: „Der Zins wird über dem Marktzins liegen.“
Die Planungen zum Bau von Windkraftanlagen auf den Gemarkungen Grosselfingen und Rangendingen wird einerseits kontrovers diskutiert. Andererseits könnte sich manch ein Bürger die Hände reiben, denn die Windkraftanlagen der Stadtwerke sollen auch Anwohnern Rendite bringen.
„Nehmen das Thema ernst“
Der Vertreter der Stadtwerke Stuttgart (SWS) hat die Beteiligung der Bürger während der Gemeinderatssitzung vom Montag, 17. März, in Rangendingen nur am Rande angesprochen, wir haben deshalb nachgefragt. Von den Stadtwerken heißt es dazu: „Bürgerinnen und Bürger sollen die Möglichkeit erhalten, sich auch finanziell am Projekt zu beteiligen.“ Auf diese Art bleibe die „Wertschöpfung in der Region“ und das Kapital fließe nicht an überregionale Investoren. Die SWS weiter: „Wir nehmen dieses Thema sehr ernst und versuchen, attraktive Modelle für die Menschen in der Region zu schaffen. Dazu werden gerade mehrere Vorgehensweisen intensiv geprüft.“
Zins für Nachrangdarlehen
Denkbar sei demnach insbesondere, dass Anwohner Anteile an den Windenergieanlagen in Form eines Nachrangdarlehens zeichnen können. Das bedeutet, dass die Bürger dem Betreiber der Windkraftanlage einen Kredit geben und dieser mit Zinsen zurückgezahlt wird; bei einer Insolvenz werden die Darlehensgeber nachrangig behandelt – allerdings ist die Zahlungsunfähigkeit einer öffentlichen Einrichtung – wie es die Stadtwerke Stuttgart sind – unwahrscheinlich. Die Details eines solchen Beteiligungsmodells könnten jedoch erst abschließend ausgearbeitet werden, wenn klar sei, welche Förderung für den Windpark genau zu erwarten ist. „Diese wird erst nach einer erteilten Genehmigung im Rahmen der Ausschreibung der Bundesnetzagentur ermittelt“, heißt es weiter.
Wie hoch wird Rendite?
Eine genaue Rendite könne heute noch nicht vorhergesagt werden. Nur so viel heißt es auf Nachfrage: „Der Zins wird aber über dem Marktzins liegen, damit das Modell auch attraktiv ist.“ Das Internetportal „Klimavest“, hinter dem die Commerzbank steht, informiert unabhängig vom Projekt in Grosselfingen und Rangendingen über eine jährliche Verzinsung von vier bis sechs Prozent. Die Autoren räumen jedoch ein, dass pauschale Aussagen mit Vorsicht zu betrachten sind.
Bürger werden bevorzugt
Was hingegen schon feststeht: „Wenn wir ein Nachrangdarlehen aufsetzen, werden wir sicherlich den Rangendingern und Grosselfingern ein Vorgriffsrecht einräumen, sodass diese bei Interesse in jedem Fall profitieren.“ Das Ziel sei, dass sich möglichst viele an dem Windpark beteiligen können.
Beteiligung ab 500 Euro
Typischerweise werden die Beiträge daher ab 500 Euro ermöglicht und nach oben gedeckelt, zum Beispiel bei maximal 10 000 Euro. Die Beteiligung würde sehr niedrigschwellig über eine professionelle Internetplattform ermöglicht. Die Stadtwerke wollen das Angebot „natürlich aktiv bewerben“, sobald es feststeht. Möglicherweise können sich Interessenten bereits während eines Info-Abends in Grosselfingen am 29. April informieren.
Was geplant ist
Sieben Anlagen
Das Unternehmen Uhl Windkraft will auf Gemarkung Grosselfingen vier und die Stadtwerke Stuttgart ein Windrad bauen (im Bereich des Steinbruchs). Hinzu kommen zwei weitere Anlage auf der Gemarkung Rangendingen (im Bereich Schlechtenhart). Die Stadtwerke wollen die Bürger beteiligen. Derzeit laufen noch Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit der künftigen Windräder. Der Regionalverband Neckar-Alb will die Teilfortschreibung des Regionalplans Windkraft noch dieses Jahr zur Rechtskraft führen – dann stehen die Flächen für Windräder fest.