Für fiese Fragen wappnen Wie man beim Vorstellungsgespräch überzeugt

Imelda Flaig
Wie bereitet man sich auf ein Vorstellungsgespräch vor? Foto: KI/Midjourney/Montage: Sebastian Ruckaberle

Im Vorstellungsgespräch beeindrucken – aber wie? Bewerbungstrainerin Christina Raith verrät, wie Bewerber punkten können und was absolute Killerphrasen sind.

Die Frage nach dem Kinderwunsch ist zwar nicht erlaubt, wird aber häufig gestellt, weiß Christina Raith. Sie hat jahrelange Erfahrung im Bewerbungscoaching in der Region Stuttgart und gibt Bewerbern und Bewerberinnen Tipps, um mögliche Klippen im Vorstellungsgespräch zu umschiffen.

 

„Meine Lebensplanung sieht das nicht mehr vor“, könnte beispielsweise eine Bewerberin um die 40 kontern. „Wichtig ist, dass man auf solche Fragen souverän und nicht eingeschnappt antwortet“, sagt Raith. In Vorstellungsgesprächen würden immer mal wieder Fragen gestellt, auf die Bewerber gar nicht antworten müssten, sagt sie. Viele kennen die Regeln nicht.

Fragen nach ethnischer Herkunft, Religion, sexueller Identität und nach der Familienplanung, nach Vorstrafen oder Vermögen sind grundsätzlich unzulässig – es sei denn, der Beruf erfordert es. Ausnahmen sind beispielsweise, wenn eine Schwangere mit gefährlichen Stoffen zu tun hat, oder es um einen Job im Sicherheitsdienst geht.

„Der Tonfall macht die Musik“

Raith erinnert sich gar an eine Frau, die „ganz verstört“ zu ihr kam, weil sie im Bewerbungsgespräch gefragt wurde, was ihr Mann beruflich mache und verdiene. „Das ist nicht nur unzulässig, sondern unverschämt“, sagt Raith. Sie hätte gleich zwei Antworten parat. „Ich gebe Ihnen die Telefonnummer, dann können Sie direkt mit ihm reden“ oder „Wenn Sie mir sagen, was Ihre Frau beruflich macht und verdient, verrate ich Ihnen auch, was mein Mann macht und verdient“.

Mit solchen Antworten könne man seinem Gegenüber die Schranken aufzeigen und höflich bleiben. „Der Tonfall macht die Musik“, sagt die Bewerbungscoachin. So signalisiere man dem Gegenüber, „da ist jemand, der kann sich wehren“. Damit verschaffe man sich Respekt und zeige auch, dass man mit schwierigen Geschäftspartnern zurecht komme, mit denen nicht gut Kirschen essen sei. Doch nicht jeder ist so schlagfertig.

Bewerbungstrainerin Christina Raith Foto: bewerbungscoach-stuttgart.de

Sie rät, sich für bestimmte Standardfragen zu wappnen. Wie sind Sie auf uns gekommen? Warum glauben Sie, dass Sie der Richtige für den Job sind und zu uns passen? Was wissen Sie über uns? Oft gibt es ein Ersttelefonat, ein Onlinegespräch, manchmal ist auch ein Recruiter eingeschaltet. Punkten könne man auch mit Infos über das Unternehmen, die nicht gleich auf der ersten Seite der Homepage stünden – nach dem Motto, „Sie haben ja kürzlich einen Innovationspreis bekommen“, nennt sie ein Beispiel.

„Früher lag der Schwerpunkt auf der Kernkompetenz, heute wiegen andere Punkte mehr“, sagt Raith. Es gehe um Motivation, Teamfähigkeit und wie gut der Bewerber oder die Bewerberin vom Auftreten und der Einstellung her zum Unternehmen passe – Raith spricht von „corporate fit“.

Punkte notieren, die über das Anforderungsprofil hinausgehen

„Was an Können fehlt, kann man erlernen, corporate fit, Motivation und Teamfähigkeit nicht – die hat man oder nicht“, sagt die Betriebswirtin, die auch Seminare bei der Industrie- und Handelskammer gibt und an einer Hochschule unterrichtet hat. „Wer schon wie eine Schlaftablette redet, bekommt den Job nicht, weil er nicht dynamisch rüberkommt“, nennt sie ein Beispiel. „Wenn jemand sehr konservativ ist und sich bei einem Start-up bewirbt, passt das nicht, egal wie kompetent er ist.“

Schon im Vorfeld des Bewerbungsgesprächs sollte man sich Punkte zum persönlichen Eignungsprofil notieren, die über das Anforderungsprofil in der Stellenbeschreibung hinausgehen. Oft stehe da ja noch „gewünscht“. „Was kann ich richtig gut und womit kann ich mich gegenüber anderen Bewerbern abheben?“ Bei Älteren könne das die Berufserfahrung sein, nach dem Motto: „Mir kann keiner mehr ein X für ein U vormachen.“ Wer etwa schon im Einkauf und im Qualitätsmanagement gearbeitet habe, könne mit Kompetenzen aus zwei Abteilungen und Schnittstellenwissen punkten.

Warum man den Job unbedingt haben will? „Ich würde nicht zu Ihnen kommen, weil sie eine von vielen Firmen sind, sondern für mich die Firma sind, zu der ich schon lange wollte. Ich bin überzeugt, dass ich jetzt das Rüstzeug habe, um bei Ihnen einzusteigen“, nennt sie ein Beispiel.

Illoyalität und Lästern sind ein No-go

Illoyalität, Negatives oder gar Lästern über den bisherigen Arbeitgeber sind ein No-go, selbst wenn man seinen früheren Chef nicht ausstehen konnte oder von Kollegen gemobbt wurde. Ein Jobwechsel lässt sich auch positiv begründen, etwa weil man sich weiterentwickeln will und es im aktuellen Job im Moment keine weiterführende Perspektive gibt.

Bei Fragen zu Stärken und Schwächen rät sie, zuerst die Schwächen zu nennen und diese positiv zu formulieren – egal ob es um Englisch- oder etwa IT-Kenntnisse geht. Sätze wie „Das kann ich ziemlich gut, aber da ist noch etwas Luft nach oben“ oder „Da bin ich mittlerweile nicht mehr so fit, lerne aber schnell“, nennt Raith als Antwortbeispiele. Sie können, wenn Sie ein, zwei Beispiele hatten, je nach Gegenüber aber auch so enden: „Wenn ich es mir recht überlege, sind Maultaschen meine größte Schwäche“, sagt die Coachin.

Das signalisiere, dass man das Thema beenden wolle und den Fokus auf die Stärken lege, nach dem Motto: „Die Anforderungen in der Stellenbeschreibung bringe ich mit, sogar die wünschenswerten Punkte, darüber hinaus bin ich als Troubleshooter bekannt und lass mich nicht aus der Ruhe bringen“, sagt sie beispielhaft. Bei einem anderen könnte der Fokus etwa auf dem Auslandsaufenthalt liegen. Wer die Stelle unbedingt wolle, solle das auch klar kommunizieren, sagt Raith: „Ich will den Job unbedingt, ich weiß, dass ich gut bin und würde meine Kompetenzen liebend gern bei Ihnen unter Beweis stellen. Sie wissen selber, wenn jemand unbedingt will und Bock drauf hat, ist er immer viel besser als jemand, der vielleicht etwas kann, aber keine Lust darauf hat.“

Im Gespräch lassen sich auch Lücken im Lebenslauf in ein positives Licht rücken – selbst eine Kündigung oder Auszeit. „Aktiv lügen soll keiner“, sagt Raith, bestimmte Dinge zu verschweigen, hält sie für legitim. „Wenn Sie sagen, sie waren ein Jahr in einer psychosomatischen Klinik, wird es schwer.“ Anders sehe es aus mit einer Auszeit, um sich neu zu orientieren, wegen eines Pflegefalls in der Familie oder weil man ein Haus gebaut oder sich ehrenamtlich engagiert habe. Eine Weltreise etwa werde als Neugier und Wissensdurst gewertet. „Der Lebenslauf muss stimmig und plausibel sein“, so Raith.

„Es wird nirgends mehr gelogen als in den Personalabteilungen“

Apropos lügen. Die Bewerbungstrainerin sieht das Thema weniger bei den Bewerbern als bei den Firmen, da die Jobversprechen der Unternehmen nicht immer der Realität beziehungsweise dem Arbeitsvertrag standhalten. „Es wird nirgends mehr gelogen als in den Personalabteilungen“, sagt sie. Da werden nach der Probezeit 500 Euro Gehaltserhöhung versprochen, weil es nicht im Arbeitsvertrag steht, gibt es sie aber nicht.

Jugendlichen, die in der Schule plötzlich schlecht sind, weil sich die Eltern getrennt haben, rät sie im Bewerbungsgespräch in die Offensive zu gehen. „Die Trennung hat mich aus der Bahn geworfen. Jetzt hab ich wieder Tritt gefasst und bin überzeugt, noch einen guten Abschluss zu bekommen“, sagt Raith. Die Erfahrungen sind positiv, meist hat es mit dem Job geklappt, weil die Jugendlichen motiviert waren. Authentisch sein, selbstbewusst und souverän auftreten sei entscheidend, sagt sie.

Tipps fürs Auftreten und Outfit

Körpersprache
Im Vorstellungsgespräch kommt es nicht nur auf die Worte, sondern auch auf Gestik, Mimik und Körperhaltung an. Aufrecht sitzen, nicht in Duckmäuserhaltung mit gebogenem Rücken, rät Bewerbungstrainerin Christina Raith. Man redet anders – selbstbewusst und nicht unterwürfig. Sie rät, vor dem Spiegel zu üben und auch die Hände zu benutzen – ohne wild zu gestikulieren.

Augenkontakt
Direkt in die Augen zu schauen, falle schwer. Am besten man schaue auf die Nasenwurzel. Bei mehreren Gesprächspartnern solle man den Blick zu den Gesprächspartnern schweifen lassen, sonst werde man als unsouverän wahrgenommen.

Kleidung
Anzug und Krawatte sind bei Männern out. Sie rät zu einer schicken Jeans, Hemd und Sakko. Man solle darauf achten, dass das Hemd keine Falten schlage und nur der oberste Knopf offen sei, damit keine Brusthaare sichtbar sind. Sie spricht von einem „gepflegten Äußeren“, dazu gehören auch gepflegte Fingernägel.

Flaschenhals
Solche Basics bezeichnet Raith als Flaschenhals, den man erst einmal schaffen müsse. In den ersten drei Sekunden entscheide sich, ob man einen Menschen sympathisch oder unsympathisch, kompetent oder nicht kompetent finde. Daher sei das persönliche Auftreten wichtig.