Eine Stadt kauft: Grundstücke, Feuerwehrautos, Parkpflanzen und tausenderlei Kleinigkeiten. Aber gleich eine ganze Tiefbaufirma für einen Millionenbetrag? Dieser Umkehrfall von Privatisierung scheint ungewöhnlich. Warum kauft Horb die Firma Sickler GmbH?
Früher hieß das Unternehmen Tiefbau Sickeler. Jetzt heißt es Städtische Straßen- und Tiefbau GmbH Horb. Sickeler führte für die Stadt seit Jahren Arbeiten aus, für die kein anderes Unternehmen ein Angebot eingereicht hatte. Um dieses Fachwissen nicht zu verlieren, hat die Stadt das Unternehmen jetzt gekauft.
Arbeiten am Wassernetz
Sickeler hat in den vergangenen Jahren vor allem für die Stadtwerke und die Stadtentwässerung gearbeitet: Rohrbrüche, eingebrochene Schächte, defekte Sperrvorrichtungen im Wassernetz. Die Kleinaufträge summierten sich auf rund 400 000 Euro jährlich.
Als die Firma aus Altersgründen aufgegeben werden sollte, entschied sich der Gemeinderat, prüfen zu lassen, ob der Betrieb weiterbestehen kann: als Tiefbauunternehmen mit der Stadt als Gesellschafterin.Was aber macht eine Firma so besonders, die laut Stadt nur „kleinere Sanierungs-/Baumaßnahmen“ ausführt? Rathaussprecherin Inge Weber teilt mit: „Diese Leistungen konnten kaum mehr über die Methodik der Ausschreibungen am Markt vergeben werden.“ Deshalb war die Stadt gezwungen, „ein eigenständiges Leistungsportfolio“ aufzubauen.
Für Oberbürgermeister Peter Rosenberger sei es wichtig gewesen, dass die Stadt sich „die Expertise der Firma sichert“. Diese Situation gebe es nicht nur bei der Stadt Horb, sondern auch bei zahlreichen weitere Städten und Gemeinden.
Vielzahl von Aufgaben
Im Klartext: Bei Kommunen fällt offenbar immer mehr Arbeit an, die nicht bei Firmen in Auftrag gegeben werden kann. Weil keine Firma es machen will oder kann.
Sind Auftrage aus „öffentlicher Hand“ plötzlich unattraktiv? Laut Stadt stecken andere Faktoren dahinter.
Inge Weber schildert: „Die städtischen Aufgaben sind in den unterschiedlichsten Bereichen mannigfaltig. Insbesondere in Bereichen, die eine technische Qualifikation voraussetzen, befindet sich die Stadt in Konkurrenz zu anderen Städten, aber vor allem zu der Privatwirtschaft.“
Viele Stellen, gerade auch im technischen Umfeld, können nicht besetzt werden – trotzdem steht die Stadt unter Druck, die Arbeiten auszuführen. Inge Weber präzisiert: „Wünschenswert und notwendig ist aber die Besetzung der derzeit freien Stellen, so dass die seitens unserer Bürgerschaft erwarteten Leistungen von der Stadt erbracht werden und wir die zahlreichen Aufträgen, die wir aus dem Gemeinderat erhalten, zeitnah bearbeiten können.“
Manch einer fragt sich: Geht es, dass die Stadt einfach Firmen kauft? Es geht, aber das Regierungspräsidium redet ein Wörtchen mit. Weber: „Die Gründung der Städtischen Straßen und Tiefbau Horb GmbH wurde seitens des Regierungspräsidiums Karlsruhe und unter Beteiligung der einschlägigen Organisationen (unter andrem Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer) begleitet. Der Stadt liegt die Genehmigung seitens des Regierungspräsidiums zur Gründung und zum Betrieb des Unternehmens vor.“
Die Pressesprecherin fügt an: „Die Übernahme der Vermögensgegenstände der Firma Sickeler ist auch für die Stadt in dieser Form neu.“ Darüber hinaus ist die Stadt Horb (nicht die Stadtwerke) unter anderem an Unternehmen wie dem Technologiezentrum Horb, der Baugesellschaft Horb, der Energieagentur in Horb, der Energie Horb beteiligt.
Daten und Fakten
Im November 2022 gab der Gemeinderat grünes Licht für den Kauf von Sickeler. Den Beschäftigten machte die neu gegründete GmbH Übernahmeangebote. Der Übergang erfolgte zum 2. Januar, der Geschäftsführer behielt seine Stelle.
Rund 1,63 Millionen Euro investiert die Stadt. Gekauft wurde ein Großteil der Vermögensgegenstände des Unternehmens. Hierzu zählen insbesondere die Immobilien des Unternehmens sowie dessen Maschinenpark. Neben dem Geschäftsführer sowie der kaufmännischen Leitung des Unternehmens sind acht Personen für die „Städtische Straßen- und Tiefbau Horb GmbH“ tätig.