Das Alte Rathaus mit der historischen Turmspitze ist ein markantes Ruster Gebäude. Foto: Göpfert

Es hatte sich gezeigt: Mit kleineren Baustellen ist es nicht getan. Die Gemeinde plant daher eine millionenschwere Sanierung des Gebäudes. Bei der Ratssitzung wurden detaillierte Pläne vorgestellt – und es wurde deutlich: Der Umbau ist kompliziert.

Das Alte Rathaus in Rust steht vor einem massiven Umbau. Bei seiner Sitzung bekräftigte der Gemeinderat die Pläne, das Gebäude umfänglich zu sanieren. Drei Millionen Euro sollen investiert werden. Neben der umfassenden energetischen Sanierung – dem Löwenanteil – gibt es weitere Baustellen im und um das Gebäude.

 

„Größer als gedacht“, brach Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare das Bauprojekt herunter. Frühere Überlegungen, das Gebäude mit kleineren Sanierungen fit zu machen, hatten sich zerschlagen. Zu Beginn des Jahres stellte die Gemeinde 450 000 Euro für die Sanierung in den Haushalt ein. Die Liste der Baumaßnahmen war jedoch immer länger geworden, die umfangreiche Sanierung die Konsequenz. So sahen es auch die Räte, die dem vorgestellten Entwurfsplan und der Kostenschätzung geschlossen zustimmten. Der Startschuss für das Umbauprojekt könnte laut Bürgermeister Klare noch in diesem Spätjahr fallen – mit den ersten Rückbaumaßnahmen im Gebäudeinneren. Entscheiden wird darüber der neu gewählte Gemeinderat.

Das Alte Rathaus ist trotz des historischen Erscheinungsbild kein historisches Gebäude. In den 1980er-Jahren wurde es als Neubau errichtet, nachdem der frühere Bau aus dem Jahr 1844 aus Altersgründen abgerissen wurde. Lediglich der markante Turm aus dem Jahr 1892 auf dem Dach des Gebäudes blieb erhalten.

Rückbau bis auf den Rohbau

Ein detaillierter Entwurf wurde bei der vergangenen Ratssitzung vom Architekturbüro Bernd Billharz und dem Ingenieurbüro Vertec vorgestellt. „Es braucht ein komplett neues Update“, so der Architekt Billharz. Das „Update“ bedeutet, dass im Inneren des Gebäudes große Umbaumaßnahmen geplant sind. Die Räume sollen bis auf den Rohbau zurückgebaut werden. Die Konsequenz: Wände werden teilweise entfernt, neue Räume geschaffen und Decken neu eingezogen. So soll das Gebäude technisch auf den neuesten Stand gebracht werden.

Bei der Heizung sollen künftig Wasser-Wärmepumpen zum Einsatz kommen. Sie würden die veralteten Nachtspeicheröfen ersetzen. Ein Vorteil laut den Planern: Im Sommer lässt das Gebäude sich mit dieser Technik auch kühlen. Eine Temperatur von sechs Grad unter der Außentemperatur sei möglich. Aktuell ist das Gebäude nicht mit einer Klimaanlage ausgestattet. Die Räume sollen über eine Fußbodenheizung beheizt werden.

Strom aus eigener Produktion

Das Gebäude, da waren sich Gemeindeverwaltung und Architekten einig, ist anspruchsvoll zu sanieren. Das Haus soll seinen Charakter behalten. Im Außenbereich ist lediglich eine Fläche für Technik eingeplant. Zwei Technikräume für die EDV etwa. Die benötigen eine besondere Kühlung – rund um die Uhr.

Der benötigte Strom für die Haustechnik soll teilweise von einer geplanten Photovoltaikanlage kommen. Dem Entwurf zu Folge ist sie Teil einer Überdachung um das Gebäude herum. Ein Teil der modernen Technik würde auch den Sitzungssaal verändern. Er sei, so Billharz, schwierig zu erschließen. Die Wand hinter dem jetzigen Ratstisch müsste dafür entfernt werden. Teil der neuen Technikanlage wäre neben einer Konferenzanlage eine sogenannte Hörschleife. Sie ermöglicht Menschen mit einer Hörbehinderung, die Sitzung zu verfolgen.

Nicht nur das Alte Rathaus selbst, auch die direkte Umgebung wird wohl umgestaltet werden. Geplant ist, die Flächen attraktiver zu machen. Eine Überdachung, mehr Begrünung, und Sitzgelegenheiten im Schatten sollen zum Verweilen einladen. Auch bei Veranstaltungen, zum Beispiel Hochzeiten, könnten die Flächen genutzt werden.

Außenfläche für Veranstaltungen

Insgesamt 21 Auto-Parkplätze sieht der aktuelle Entwurf vor. Jetzt sind es noch 25. Durch die benötigte Außenfläche für einen Teil der Technik fallen Plätze weg. Einige der Parkgelegenheiten sollen mit E-Ladestationen ausgestattet werden. Auch Anschlüsse für E-Bikes sind angedacht. Insgesamt 24 Fahrradstellplätze sieht der Plan künftig vor.

Das Ausmaß der Sanierung hatte zunächst durchaus für Überraschung gesorgt. „Anfangs bin ich erschrocken“, erinnerte sich Ratsmitglied Karl-Heinz Debacher (SPD). Die Pläne und deren Notwendigkeit hätten ihn jedoch überzeugt. Ähnlich sah das auch Ewald Scherer von den Freien Wählern. Ihm sei es genau so gegangen, gerade mit Bezug auf die Kosten. Der Nachhaltigkeitsaspekt des Projekts sei ihm sehr wichtig, betonte er im Rat.

Förderung vom Land

Von den kalkulierten drei Millionen Euro muss die Gemeinde Rust zwei Millionen Euro stemmen. Der Rest der Summe kommt vom Land. Die Sanierung kann durch das Landessanierungsprogramm gefördert werden.