Sie ist auf Bundesebene sehr aktiv, beeinflusst das landespolitische Wahlprogramm und schreibt sogar am Wahlprogramm für die Bundestagswahl mit. Die Rede ist von Landesvorstand Verena Föttinger (ÖDP). Sie kandidiert im Wahlkreis Rottweil.
Kreis Rottweil - Mit Verena Föttinger hat die Ökologisch-Demokratische Partei/Familie und Umwelt (ÖDP) seit elf Jahren schon ein solides Mitglied im Landesvorstand, auf der Bundestagswahlliste steht sie momentan auf Platz zwei hinter Guido Klamt (aus dem Wahlkreis Vaihingen).
Die 64-Jährige aus Fluorn-Winzeln stammt aus einer CDU-Familie. Als sie 1986, zum fünften Mal schwanger, radioaktiv verseuchtem Regen nach dem Supergau des Atomkraftwerks in Tschernobyl ausgesetzt war, kam sie zum ersten Mal mit Politik in Berührung, erzählt die Diplom-Theologin.
Viele politische Entscheidungen, wie das Verbot, Gemüse aus dem heimischen Garten zu essen und die Erde zu entsorgen, warfen Fragen bei ihr auf und die ÖDP schrieb einen Brief an die Haushalte. Dieser Brief sprach Familie Föttinger an. Schnell nach dem Beitritt war Verena Föttinger mit Leib und Seele dabei. Wichtige Themen, für die sie bis heute einsteht, sind eine ökologischere Landwirtschaft und Landwirtschaftspflege, bei der (Klein-)Bauern besser gestellt werden, die Verringerung des Pestizideinsatzes, Klimaneutralität bis 2030 und erneuerbare Energien, die Mobilfunkstrahlenbelastung – und ihr wichtigstes Thema: die Stärkung der Familien in ihrer Entscheidungsgewalt, ihrer finanziellen Lage und ihren Rechten.
"Ich lese viel Literatur und Dichtung und interessiere mich für Kunst", sagt sie. Ihre Familie hat zwei denkmalgeschützte Bauernhöfe in Loßburg-Betzweiler erworben und renovierte diese in mühevoller Arbeit. "Dort finden auch Kunstausstellungen statt", erklärt sie. Föttingers Ehemann Ernst engagiert sich im Deutschen Roten Kreuz, sie selbst war zehn Jahre lang Vorsitzende ihrer Kirchengemeinde und übernahm verschiedene Aufgaben. Nun besucht sie häufig ihre zehn erwachsenen Kinder und Enkel. Die meisten haben studiert, eine Tochter schreibt Kinderbücher, eine andere ist Begründerin des "KulTierhofes" in Betzweiler und bietet Ziegenwanderungen an.
Momentan ist Verena Föttinger mit Vorträgen und ihrem politischen Engagement ausgelastet, ihr "Hauptberuf" zudem ist Oma. "Großeltern müssen viel Zeit ausfüllen", kommt Föttinger auf ihr Wahlanliegen zu sprechen.
Durch die "Care-Arbeit" (zum Beispiel Notbetreuung oder Pflege pflegebedürftiger Verwandter zu Hause) seien Kindertagesstätten – vor allem für die unter Drei-Jährigen – überlastet. Dabei würden Mütter, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren zu Hause erziehen und die überfüllten Kitas dadurch entlasten, im Vergleich zu Erzieherinnen (die dieselbe Arbeit machen) schlechter gestellt. Auch der Begriff Erziehungsurlaub sei irreführend, denn es sei Arbeit, nicht Urlaub. Gehalt und Rente als Würdigung von Erziehungsarbeit und Pflege Älterer zu Hause sei notwendig, auch um das Gesundheitswesen zu entlasten.
"Denn wenn Kinder als künftige Steuerzahler nicht mehr da sind, kollabiere das System Rente", mahnt die Landtagskandidatin – und sie ist sicher: "Mütter bekommen jetzt schon eine deutlich geringere Rente – was nicht gerechtfertigt ist – weil sie schlechter dastehen als Kinderlose."
Ihren Wahlkampf möchte Föttinger, soweit es die Corona-Verordnung zulässt, beispielsweise auch persönlich in der Rottweiler Innenstadt voranbringen.