„Nagold steht auf!“ heißt es am Sonntag, 4. Februar. Gerd Hufschmidt, OB Jürgen Großmann und Thomas Eisseler (von links) präsentieren das erste Plakat zur Kundgebung. Foto: Heiko Hofmann

In Nagold gibt es am Sonntag, 4. Februar eine Demo. „Nagold steht auf!“ heißt es dann. Demonstriert wird für „Demokratie und Toleranz“. Die Organisatoren stehen jetzt fest. Erste Rückmeldungen lassen auf viel Unterstützung schließen.

„Das Geheimnis ist gelüftet“, sagt Nagolds OB im Pressegespräch am Montag. Er hatte in den Ausschusssitzungen vergangener Woche erstmals die Gründung eines Aktionsbündnisses ins Spiel gebracht. Und die Räte signalisierten begeistert ihre Zustimmung.

 

Damit war klar, dass die Bürger sich auch in Nagold gegen Rechtsextremismus positionieren können – öffentlich, in einer Demo, wie derzeit in so vielen deutschen Städten, am vergangenen Sonntag zum Beispiel auch wieder in Calw.

Was bis jetzt noch fehlte waren Ross und Reiter zu nennen – also, wer die organisatorischen Fäden in der Hand hält, und wie das genaue Kundgebungs-Motto lauten soll. Beides geschah nun beim Pressegespräch im Nagolder Rathaus.

Mit Urschelstiftung und Youz

Die Urschelstiftung wurde mit ins Boot geholt. Und auch das Jugendhaus Youz gehört zu den drei Säulen, auf denen der Protest aufgebaut werden soll. Die dritte Säule ist die Stadt Nagold selbst.

Nach ersten Besprechungen der Organisatoren steht das Motto fest: „Nagold steht auf! Für Demokratie und Toleranz“. In bunten Farben erstrahlt das Logo, das unter anderem Nagolds Burgruine zeigt. Als einen „ersten Schritt“ bezeichnet Nagolds OB die geplante Kundgebung an diesem Sonntag, 4. Februar. Der Rahmen steht: Um 13.30 Uhr versammeln sich alle Teilnehmer auf dem Europaplatz. Dann geht es gemeinsam zum Vorstadtplatz, wo eine Kundgebung mit Reden und Live-Musik geplant ist.

Nagolds OB zeigte sich den beiden Partnern gegenüber dankbar, dass sie sofort bereit waren, die Veranstaltung mitzutragen. Er habe die Hoffnung, dass in dieser Partnerschaft weitere Aktionen entwickelt werden. Großmann: „Wir müssen das Thema auch inhaltlich bearbeiten.“ Und: „Mit einer Demo ist es nicht getan!“ Ein Dauerthema habe man hier, und dem wolle man sich auch stellen. Denn: „Wir tragen alle Verantwortung.“

Integration und Völkerverständigung

Dem kann der Vorsitzende der Urschelstiftung, Thomas Eisseler nur zustimmen. Die Bürgerstiftung sehe sich als Zentrum des gesellschaftlichen und ehrenamtlichen Miteinanders, den Austausch untereinander wolle man fördern und somit zu Integration und Völkerverständigung beitragen. „Die Entwicklungen in den vergangenen Monaten haben uns als Vorstand der Urschelstiftung schon sehr bewegt“, macht Eisseler deutlich. Und so will die Urschelstiftung dazu beitragen, die Demokratie und das Grundgesetz sichtbar zu verteidigen und zu stärken.

Das Plus der Urschelstiftung ist ihre Vernetzung. Und so gingen bereits viele Einladungen an Organisationen und Vereine raus, die sich noch an dem Aktionsbündnis beteiligen können. Eisseler dazu: „Rund 70 Organisationen haben wir angeschrieben – aber bei weitem nicht alle. Wer noch Interesse hat mitzumachen, kann sich ganz unkompliziert bei uns melden.“ Der Rücklauf sei gut. Der größte Teil sei bereit, dabei zu sein. „Das Interesse ist sehr, sehr groß“, freut sich der Vertreter der Urschelstiftung.

Junge Menschen im Visier

“Wir müssen die jungen Leute mehr in die Diskussion einbringen“, sagt Youz-Geschäftsführer Gerd Hufschmidt. Er berichtet von jungen Migranten, die sich hier etwas aufgebaut hätten, und deren Verunsicherung durch wachsenden Rassismus. „Denen ein Stimme zu geben, ist uns wichtig“, verdeutlicht Hufschmidt. Um mit Jüngeren ins Gespräch zu kommen, müssten auch neue Wege gegangen werden. „Uns kommt da sicher zugute, dass wir mit der Schulsozialarbeit ja schon in den Schulen drin sind.“

„Wir müssen Lebensgeschichten erkennbar machen“, fügt auch Nagolds OB hinzu. Er verdeutlichte zudem, dass das Aktionsbündnis möglichst breit aufgestellt werden soll. „Klar, es geht gegen rechts, aber auch gegen links. Gegen jede Form des Extremismus.“ Wenn das Wetter mitspielt, ist sich Großmann sicher, dass die Veranstaltung gelingen wird. Danach könne man zusammensitzen und ein Jahresprogramm planen. Großmann: „Das ist nur der Auftakt!“