Am Max Picard-Platz und in der Stadthalle protestieren Hunderte von Bürgern gegen den AfD-Bürgerdialog. Redner verurteilten die Ziele der Partei.
Laut Polizeiangaben haben am Dienstagabend 300 Männer, Frauen und Kinder lautstark gegen den AfD-Bürgerdialog in der Stadthalle protestiert. Am Max-Picard-Platz veranstalteten „Schopfheim bleibt bunt“ und die „Omas gegen Rechts“ eine Kundgebung. Einige Demokratiefreunde hielten selbst gestaltete Plakate in die Höhe. Auf einem rechteckigen Plakat bildete die Aussage „Der Nationalsozialismus gehört nicht zu Deutschland“ in Längsstrichform mit einem darunter liegenden weißen Punkt ein Ausrufezeichen.
Axel Zangenberg vom Bündnis für Demokratie aus Weil am Rhein warb auf seinem Plakat nicht nur für „Respekt, Menschlichkeit und Zusammenhalt“, sondern forderte die CDU auch auf, bei der Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf für das Amt der Richterin am Bundesverfassungsgericht Rückgrat zu zeigen. „Blockiert ihr die Richterin bedient ihr die AfD“, stand mit blauer Schrift auf seinem Plakat. Zangenberg sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, es sei nicht möglich, mit der AfD ins Gespräch zu kommen.
Die Stadthalle war von der Polizei weiträumig abgesperrt worden. An den Barrikaden an der Hauptstraße skandierte eine große Menge Sprüche wie „Alle zusammen gegen den Faschismus“ und „Wehrt Euch, leistet Widerstand gegen den Faschismus hier in diesem Land“. An der Kundgebung beteiligten sich neben zahlreichen Bürgern, Vertretern des Arbeitskreises Integration (AKI), der Parteien, der Antifa und des Kinderschutzbundes auch eine große Delegation der „Omas gegen Rechts“, die am Ende der Versammlung Seifenblasen in die Luft bliesen.
Die Altersspanne der Demonstranten reichte vom Kind bis hin zu den Senioren. Zahlreiche Bürger schwenkten Regenbogenflaggen. Zwei Frauen und ein Mann trommelten in den Redepausen, außerdem erklang Musik vom Band.
Lucy aus Schopfheim sagte gegenüber unserer Zeitung „Wenn man anfängt, Menschen zu verachten, weil sie Menschen sind, dann ist man ein Nazi.“ Ihre Freundin Finch begründete ihr Kommen mit dem Hinweis: „Ich bin für Inklusion, gleiche Rechte für alle und gegen das Ausschließen von Menschen, die anders sind.“
Kein Dialog mit Faktenleugnern
Joachim Schweizer, Bezirksvorstand der GEW Südbaden, riet dazu, die Demokratiebildung in den Schulen zu verstärken, Ulla Linz (Omas gegen rechts) sprach über Gesundheit, Delia Kuhnert verurteilte die Umweltpolitik der AfD.
„Physikalische Fakten sind nicht verhandelbar“, stellte sie fest. „Wir stehen für eine Zukunft, in der Wissenschaft zählt. Mit denen, die Fakten leugnen, ist kein Dialog möglich.“
„AfD gefährlich für die Demokratie“
Kundgebungsleiterin Birgit Kanngießer war glücklich über die große Resonanz auf den Aufruf, zur Protestaktion zu kommen. „300, 350 oder 400 Teilnehmer – für Schopfheim ist das ein große Zahl. Es freut mich, dass so viele gekommen und mit der AfD nicht einverstanden sind und die AfD als gefährlich für die Demokratie halten.“
Tandempartner für Geflüchtete finden
Im Bündnis „Schopfheim bleibt bunt“ sind laut seiner Sprecherin Sonja Steiger inzwischen 30 Vereine und 113 private Unterstützer Mitglied. Sie wies auf den „Markt der Vielfalt“ am 20. September auf dem Picard-Platz hin. Dann geht es auch darum, Tandempartner für geflüchtete Menschen zu finden.
Diskussion mit Jakob Springfeld geplant
An einer großen Tafel soll gepicknickt werden. Im Januar oder Februar will „Schopfheim bleibt bunt“ eine Diskussionsveranstaltung mit Jakob Springfeld veranstalten. Der 23-jährige Zwickauer hat für sein vielfältiges Engagement zahlreiche Preise bekommen. Letztes Jahr zeichnete ihn die EWS bei ihrem Stromseminar als „Stromrebell des Jahres“ aus.