Das Ballett-Institut Leandra Hagendorn veranstaltet am 15. und 16. Februar seine inzwischen sechste Ballettgala im Theater im Kurhaus in Freudenstadt. Für die Aufführungen wird aktuell an bis zu sechs Tagen pro Woche fleißig geprobt.
Als Zuschauer während einer Übungsstunde könnte man den Eindruck gewinnen, dass Proben für diese Gala eigentlich gar nicht mehr nötig sind. Die Schrittfolgen der von Leandra Hagendorn großteils selbst entworfenen Choreographien sitzen, und die Synchronität stimmt im Grunde auch.
In den kommenden Wochen bis zur Gala geht es Leandra Hagendorn deshalb vor allem darum, den Auftritten ihrer Schülerinnen den letzten „Feinschliff“ zu verpassen. Dem geschulten Auge der ehemaligen Profi-Tänzerin, die selbst schon mit 13 Jahren ihren ersten internationalen Ballettwettbewerb gewonnen hatte, entgeht dabei nichts. „Ferse vor, Knie höher, Reihe bitte halten und freundlich schauen“, sind nur einige der Aufforderungen, mit denen sie die Leistung ihrer Schülerinnen perfektioniert. Deren erstaunliches Niveau kommt schließlich nicht von ungefähr.
Und trotz des Anspruchs – oder gerade deshalb – macht die Probe den Mädchen sichtlich Spaß. Gelungene Drehungen und Sprünge Einzelner werden von allen anderen motivierend beklatscht, und nach einem Tanz in der Gruppe spenden sich alle gemeinsam und gegenseitig Applaus. Hagendorns Korrekturen an der Haltung und an den Bewegungen werden dankbar aufgenommen, die Stimmung ist gut.
In zweijährigem Rhythmus
An der inzwischen schon sechsten Ballettgala des Instituts im normalerweise zweijährigen Rhythmus werden – mit wenigen Ausnahmen – fast alle ihrer 200 Schülerinnen aus über 20 Nationen teilnehmen. Rund 500 Kostüme, die Hagendorn vor jeder Gala selbst anschafft, kommen dabei zum Einsatz und erfreuen das Auge der Zuschauer.
Lange Vorbereitungszeit
Die Vorbereitung auf das Ereignis dauert normalerweise zwei Jahre, sagt Hagendorn. Zunächst macht sie sich dabei Gedanken über die Musik, die die Inspirationsquelle und der Boden sei, auf dem getanzt wird, danach entsteht die Choreographie in ihrem Kopf.
„Das ist wie eine Art Kino“, beschreibt sie den Vorgang, in den sie sehr viel Zeit und Energie investiert. Die meisten der Tänze auf der Bühne wurden von Hagendorn selbst choreographiert und während der Proben manchmal auch mehrfach angepasst.
Im ersten Teil des Balletts werden ihre eigenen Choreographien um berühmte Originalwerke des klassischen Ballettrepertoires ergänzt. Auch die jüngsten Schülerinnen der Schule bekommen gleich am Anfang der Gala die Gelegenheit, sich erstmals vor einem großen Publikum zu präsentieren – als Wichtel, Elfen, Blumen oder Feen beispielsweise.
Im zweiten Teil der Gala stehen dann der Moderndance, der Charakter- und der Jazztanz im Mittelpunkt. Auch internationale Tänze aus anderen Ländern wie Spanien, Großbritannien und Moldawien stehen auf dem Programm.
Im dritten Teil präsentieren die Schülerinnen die glamouröse Welt der Neoklassik. „Das wird pfiffig“, verspricht Hagendorn, ohne vorab schon zu viel zu verraten. Wichtig ist ihr zu betonen, dass das Programm keineswegs so ausgelegt ist, dass es nur die Eltern und Großeltern der Schülerinnen erfreut. „Es ist ein sehr professionelles Programm, mit dem wir die Kultur vor Ort bereichern“, sagt Hagendorn. Auch erfahrene Ballettkenner kämen dabei auf ihre Kosten.
Für die Aufführung wird auf der Theaterbühne ein Spezialboden verlegt. Gerade in der aktuell von Krisen und Konflikten geprägten Welt sollten Kunst und Kultur ein Hoffnungsschimmer sein, sagt Hagendorn.
Info: Die Karten im Online-Vorverkauf für die Ballettgala sind bereits so gut wie ausverkauft. Eventuell gibt es noch Karten bei den örtlichen Vorverkaufsstellen oder an der Tageskasse. Die Aufführung am Samstag, 15. Februar, beginnt um 17 Uhr, die Zweitaufführung am Sonntag, 16. Februar, startet bereits um 15 Uhr. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.ballett-institut.de.
Das Institut und der Kopf dahinter
Das Institut
Das Ballett-Institut Leandra Hagendorn wurde im Jahr 2011 in Freudenstadt gegründet und ist 2021 in den 374 Quadratmeter großen Neubau in der Bahnhofstraße 43/1 umgezogen. Das Institut ist unter anderem Mitglied im Deutschen Berufsverband für Tanzpädagogik.
Zur Person
Leandra Hagendorn durchlief ihre Ausbildung zur staatlich geprüften Bühnentänzerin an der berühmten John Cranko-Schule in Stuttgart, an der Ballettschule an der Oper in Leipzig und an der Nationalen Ballettakademie in Amsterdam. Parallel dazu absolvierte sie Fortbildungen an renommierten Instituten und Akademien in Wolfsegg, Cannes, Sankt Pölten, Edinburgh und Monaco. 2006 startete Hagendorn ihr mit der Note „sehr gut“ abgeschlossenes Aufbaustudium für Bühnentanzpädagogik an der Hochschule für Musik in Köln. Einen Lehrauftrag erhielt sie für die staatliche Ballettausbildung in Maastricht. Ab 2007 war Hagendorn für den „Förderkreis Künstlerischer Tanz“ in Kirchberg als Pädagogin für klassischen Tanz sowie Variationen in den Leistungs- und Vorbereitungsklassen tätig – unter anderem.