Seit acht Jahren ruft Desiree Henninger mit Ehemann Jan zu Spendensammlungen für Tierheime auf. Seit fünf Jahren gibt es ihre Initiative „Für alle Felle“. Jetzt ziehen sie Bilanz
Im Jahr 2017 stand die Frage im Raum: „Schatz, was schenken wir uns zu Weihnachten?“ Recht schnell war beiden klar, statt sich zu beschenken, soll es eine Spende an das Tierheim sein – und daran haben sie seither festgehalten. Bis heute sind damit 45 000 Euro zusammengekommen. Hinzugekommen ist 2020 die Gründung der Initiative „Für alle Felle“. Henninger hat sich auf die Fahne geschrieben, verunglückte Katzen und Hunde zu identifizieren und ihnen die letzte Ehre zu erweisen. Auf ihrem Logo präsentiert sie Katze und Hund, aber nicht nur um Felltiere kümmert und sorgt sie sich.
Kaum ist Feierabend von der Arbeit, machen sich Desiree und Jan Henninger schon wieder auf die Socken. Füße hochlegen – das ist nicht ihr Ding. Vielmehr schenken sie ihr Ehrenamt mit jeder Faser ihres Herzens den Tieren. Weniger Katzen, die ausgebüxt sind und schmerzlich vermisst werden, als vielmehr jenen, die am Straßenrand liegen und nur noch eine Nummer im Ohr oder einen Chip zum Ablesen haben. Die beiden recherchieren mithilfe der Nummer, um am Ende das Tier dem Besitzer zurückzubringen, der von ihnen gern Abschied nehmen möchte. „Tiere sind in der Regel Familienmitglieder“, weiß Henninger aus eigener Erfahrung.
Nahezu täglich erhalten die zwei Anrufe von Haltern, die ihre Tiere vermissen
Nahezu täglich kommen Anrufe wie: „Meine Katze ist schon so lange weg, hoffentlich ist ihr nichts passiert.“ Sofort beginnt die Abfrage: Ist sie ein Freigänger, kastriert, registriert? „Unkastrierte Katzen wandern bis zu 30 Kilometer. Da schlagen die Hormone durch“, weiß Henninger. Im Umkreis von 20 Kilometern fragt sie bei Bauhöfen nach, weil diese in der Regel Totfunde aufsammeln und entsorgen. Straßenmeistereien holen tote Tiere von den Straßen.
570 Totfunde hat Henninger bislang in fünf Jahren gezählt. 183 waren es im vergangenen Jahr. „Leider haben wir nur 65 wieder an ihre Halter zum Abschied nehmen überbracht“, bedauert Henninger. Alle anderen waren nicht registriert. Für die Tiere legen die beiden zig Kilometer zurück. Anrufe und Meldungen über Totfunde erreichen sie über Smartphone, Facebook und Instagram. Eng sind sie mit der Welt draußen und den Tierfreunden vernetzt. Für die toten Tiere kennt Henninger keine Scheu oder Ekel vor wirklich schrecklichen Bildern. Sie wäscht die toten Tiere zuhause, bereitet sie für den Halter auf, schmückt sie mit frischen Blumen, die sie gespendet bekommt und bettet sie auf alte Decken und Handtücher in einem Karton.
Jede Woche fallen durch das Ehrenamt knapp 60 Euro Spritkosten an
Spenden bekommen sie und ihr Mann für dieses Ehrenamt nicht. Alles wird aus der eigenen Tasche finanziert. Jede Woche fallen knapp 60 Euro Spritkosten an. „Einige halten mich für gestört oder krank“, gibt Henninger offen zu und ergänzt: „Aber ich muss das machen.“ Sie könne nicht anders. Eine Dame nähe ihr Hauben für die Köpfe der Tiere. Etwas wehmütig wird sie dann doch, wenn sie verletzte Katzen zum Tierarzt bringe und den Halter glücklicherweise ausmache und am Ende 300 Euro für den Tierarzt an ihr hängen blieben. „Aber ich kann das Tier doch nicht verenden lassen“, betont sie. Die Arbeitsteilung ist bei den beiden klar definiert: Jan übernimmt den Internetauftritt und die Fahrzeugpflege. Sie sorgt sich um die Tiere. „Kein Tier soll im blauen Müllsack überbracht werden. Es tut gut, wenn ich sagen kann: Ich habe Ihre Luna gefunden.“ Schön sei, wenn das Tiere in der Familie einen würdigen Abschied erfahre.
Wenn die Friesenheimerin über ihr Ehrenamt spricht, kennt sie kein Halten. Frei erzählt sie von ihren Erlebnissen und skurrilen Funden. Viele Tierärzte greifen mittlerweile auf sie zurück, wenn sie fremde Fundtiere auf dem Tisch haben und diese gern an ihre Halter zurückgeben möchten. Jüngst habe eine Frau zu ihr gesagt: „Wenn du mal in den Himmel kommst, warten sicher alle Kätzchen auf dich, die du aufgebahrt hast.“ Aber die dürfen natürlich noch lange warten.
Kontaktmöglichkeit
Die Tierhilfe „Für alle Felle“ hilft bei vermissten, streunenden und zugelaufenen Tieren, bei Totfundbergungen, beim Chip auslesen oder mit Spendenaktionen für Tierhilfsorganisation. Erreichbar ist Desiree Henninger auf Facebook und Instagram oder unter Telefon 0176/83 0146 22.