Ortsschild in der Nähe des Tatorts in St. Johann – der Tatverdächtige soll unter anderem hier seine Familie umgebracht haben. Foto: Michael Bosch

Nach den Tötungsdelikten in Reutlingen stand die Frage im Raum, ob der Tatverdächtige in legalem Waffenbesitz war. Der Landesjagdverband drückt den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus.

Nach den Tötungsdelikten im Kreis Reutlingen, bei denen ein 63-Jähriger im Verdacht steht, mehrere Familienmitglieder und sich selbst erschossen zu haben, blieb zunächst die Frage offen, ob der Tatverdächtige in legalem Waffenbesitz war. Dies wurde von der Polizei am Mittag bejaht. „Die mutmaßlich verwendete Schusswaffe war legal im Besitz des 63 Jahre alten Mannes“, sagte ein Polizeisprecher. Die Waffe sei ordnungsgemäß registriert gewesen.

 

Der der Landesjagdverband (LJV) hoffte noch am Morgen auf eine schnelle Aufklärung der Hintergründe. „Wir sind zutiefst erschüttert über die schreckliche Tragödie. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen.“

Keine Auskünfte über Art der Waffe

Bei der zuständigen Waffenbehörde war zunächst nichts darüber zu erfahren, wie der Tatverdächtige zu der mutmaßlichen Tatwaffe kam. Ausgestellt werden Waffenscheine für in Pfullingen gemeldete Personen vom Landratsamt Reutlingen, zuständig ist die dortige Waffen- und Sprengstoffbehörde. Die Stadt Pfullingen selbst hat keine eigene Waffenbehörde.

Blick auf das Gebäude in St. Johann, wo der Tatverdächtige seine Söhne getötet haben soll. Foto: SWP

Auskünfte darüber, ob der mutmaßliche Täter im Besitz eines Waffenscheins ist und welche Art von Waffen er besessen hat, wollte die Behörde am Donnerstag nicht machen. Grund seien die laufenden Ermittlungen, Auskünfte werden Polizei und Staatsanwaltschaft geben, sobald es gesicherte Informationen gebe, hieß es.

Derweil sitzt der Schock in den Gemeinden der Tatorte in Reutlingen, Pfullingen und St. Johann tief auch zwei Tage nach den Leichenfunden noch tief. „Viele Bürger sind wie ich auch sehr betroffen, dass so etwas Schockierendes bei uns in der Nachbarschaft passiert“, sagte Florian Bauer, der parteilose Bürgermeister von St. Johann am Donnerstagmorgen. Reutlingens OB Michael Keck (SPD) hatte bereits am Mittwoch seine Anteilnahme zum Ausdruck gebracht. „Die Ereignisse haben mich tief erschüttert. In unserer Stadt wurde ein Mensch Opfer dieser schrecklichen Tragödie, die im gesamten Landkreis fünf Leben gefordert hat“, sagte Keck.

Der 63-Jährige steht im Verdacht, seine 60 Jahre alte Schwester, seine 57-jährige Ehefrau sowie die eigenen beiden Söhne im Alter von 27 und 29 Jahren umgebracht zu haben, bevor er sich selbst gerichtet haben soll. Bei der 57-Jährigen handelt es sich laut Polizei nicht um die leibliche Mutter der jungen Männer. Außer der 60-jährigen Schwester starben laut Polizei alle Opfer durch Schüsse.

Viele Hinweise aus der Bevölkerung

Der Tatverdächtige soll eine Firma in St. Johann besessen haben. Im Ort galt der mutmaßliche Täter dem Vernehmen nach nicht unbedingt als stadtbekannt. Ein großes Fragezeichen schwebt immer noch über dem Motiv. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft konnten auch hierzu am Donnerstagmorgen Angaben machen, man ermittle allerdings auf „Hochtouren“.

Nach der Gewalttat sind nach Polizeiangaben bereits zahlreiche Hinweise bei den Ermittlern eingegangen. Es gebe „viele Hinweise“ als Folge der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei, teilte ein Sprecher auf Nachfrage mit. Um wie viele es sich konkret handelt, konnte er nicht sagen. Den Hinweisen müsse man nun nachgehen. Zudem könne es sein, dass an den drei Tatorten im Laufe des Tages noch Nacharbeiten für die Spurensicherung anstehen würden. Außerdem würden weitere Zeugen vernommen.