Sebastian Eisenhardt steht auf dem Hof des Balinger Polizeireviers. Im Gemeinderat berichtete er von einer ruhigen Kriminalitätslage im vergangenen Jahr. Foto: Maier

Wenigstens ein guter Aspekt: Die Corona-Pandemie hat die Kriminalitätslage in Balingen im vergangenen Jahr deutlich beruhigt. Die Polizei registrierte deutlich weniger Straftaten, zugleich ist die Aufklärungsquote leicht gestiegen, wie Revierleiter Sebastian Eisenhardt sagt.

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Balingen - So wurden 2020 ausweislich der Statistik 1325 Straftaten in Balingen angezeigt – so wenige wie in den vergangenen fünf Jahren nicht. 2019 etwa waren es noch 1606. Dementsprechend deutlich gesunken ist auch die Kriminalitätsbelastung, die in der sogenannten Häufigkeitszahl zum Ausdruck kommt, also der Anzahl der Straftaten je 100 000 Menschen. Diese lag für Balingen im vergangenen Jahr bei 3859 – und damit erstmals in den vergangenen fünf Jahren unterhalb derjenigen, die für das gesamte Polizeipräsidium Reutlingen ausgewiesen ist (2020: 4021). Etwas besser als der Landesdurchschnitt (64 Prozent) ist in Balingen zudem die Aufklärungsquote – sie lag 2020 bei 64,8 Prozent.

Der Rückgang der erfassten Straftaten ist laut Eisenhardt in fast allen Bereichen bemerkbar. So ist etwa die Zahl der Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum auf 78 gesunken (2010: 99), diejenige der Gewaltkriminalität auf 45 (70), ebenso Körperverletzungen (von 51 auf 37), die der sogenannten Straßenkriminalität (von 247 auf 179) und die der Raube sowie der räuberischen Erpressungen (von 13 auf vier Fälle). Das sei, sagte Eisenhardt, eine Folge davon, dass wegen Corona zum einen weniger Menschen unterwegs gewesen seien. Zudem mache sich bemerkbar, dass Gastronomie und Diskotheken lange Zeit geschlossen waren. Salopp gesagt: Wer sich nicht betrinkt, prügelt auch nicht auf andere ein.

Häusliche Gewalt nimmt zu

Um wenige Fälle, prozentual aber deutlich haben Taten von häuslicher Gewalt zugenommen: 24 Vorkommnisse wurden 2020 registriert (21 Körperverletzungen, drei Bedrohungen). Das sind sechs mehr als im Vorjahr. Auf diesen Bereich habe man ein besonderes Auge gehabt, so Eisenhardt. Allgemein sei erwartet worden, dass es wegen Corona zu mehr Fällen kommen werde – etwa innerhalb von Familien, die infolge von Kita-Schließungen, Homeschooling und Homeoffice verstärkt eng zuhause aufeinander sitzen und sich dabei zunehmend auf die Nerven gehen. Zumindest in Balingen sei der Anstieg nicht so stark ausgefallen wie befürchtet.

Dass die Menschen deutlich öfter zuhause waren dürfte derweil mit ein Grund dafür sein, dass sich die Zahl der Wohnungseinbrüche im Vergleich zum Vorjahr halbiert hat (acht Fälle 2020). Auch die Zahl der Diebstähle ging zurück – in geschlossenen Geschäften kann man eben keine langen Finger machen.

Zur Frage der aktuellen Personalsituation sagte Eisenhardt im Gespräch mit unserer Zeitung, diese sei weiterhin angespannt; sein Vorgänger hatte noch im Vorjahr wortwörtlich gesagt, sie sei "beschissen". Langsam seien Verbesserungen und Verstärkungen in Sicht, so Eisenhardt jetzt. Stark gefordert seien die Balinger Kollegen Ende des vergangenen Jahres etwa gerade wegen Corona und den gegen die Maßnahmen gerichteteten Demonstrationen sowie den Auto-Korsos, die seit Anfang 2021 rollen. Ohne Unterstützung des Göppinger Polizeipräsidiums Einsatz seien diese Einsätze nicht zu stemmen.

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