Etwa 30 Tapfere haben sich bei nur fünf Grad Wassertemperatur im Nachtwächterbad Höfen ins Becken gewagt – ein ganz besonderes Erlebnis.
Der Trend des Eisbadens oder des Kältebads erfreut sich immer größerer Beliebtheit – auch in Höfen. Der Betreiberverein des Nachtwächterbad im Förtelbachtal hat diese moderne Form des Sportbadens nun bereits zum dritten Mal veranstaltet.
Deutschlandweit genießt das Eisbaden eine lange Tradition. Berühmte Persönlichkeiten wie Karl der Große oder Johann Wolfgang von Goethe sollen im Winter in Gewässer gebadet haben. Im 19. Jahrhundert nutzte Sebastian Kneipp Kälteanwendungen – Wassertreten und Güsse – für therapeutische Zwecke.
Ist das kontrollierte Baden im kalten Wasser wie es gerade im Trend liegt nur eine Modeerscheinung oder aber sogar für die Gesundheit förderlich?
Eisbaden gilt als gesund und liegt wieder im Trend
Tatsächlich gilt kaltes Baden als gesund, weil es das Herz-Kreislauf-System trainiert, das Immunsystem stärkt, die Durchblutung fördert, den Stoffwechsel anregt, den Stress reduziert und die mentale Gesundheit verbessert, indem es Hormone wie Endorphine freisetzt und die Regeneration fördert. Allerdings ist es wichtig, sich langsam heranzutasten und bei diversen Erkrankungen im Voraus ärztlichen Rat einzuholen.
In Höfen nahm am Samstag als eine der Ersten Britta Ehrke ein kühles Bad. Bei einer Wassertemperatur von fünf Grad Celsius im Massagebecken (1,25 Meter Tiefe) verbrachte die Co-Vorsitzende des Betreibervereins Nachtwächterbad ein paar Minuten im eisigen Nass. „Ich bin Wiederholungstäterin. Letztes Jahr war ich auch schon drin“, sagte die Höfenerin. Sie wolle ihren Körper abhärten und das Herz-Kreislauf-System stärken, denn „danach wird einem so richtig schön warm“, berichtete Ehrke.
Ihr Co-Vorsitzender Michael Zinke gab sich ebenfalls keine Blöße und stieg wie in den beiden Jahren zuvor ins Becken ein. „Da muss ich einfach durch“, beschreibt Zinke die Situation mit einem Augenzwinkern. Selbstverständlich steht das Thema Sicherheit bei den Veranstaltern des Höfener Nachtwächterbades an oberster Stelle.
Die Rettungsschwimmer vor Ort mit Sanitäterausbildung, darunter Ulrich Eberle, der vor wenigen Wochen das goldene Rettungsschwimmerabzeichen absolvierte, hatten in jeder Sekunde ein Auge auf die rund 30 Eisbader. Jeder der Wagemutigen musste zudem im Vorfeld einen Haftungsverzicht unterzeichnen. Marion Leininger aus Höfen war vor ihrem ersten Kaltbaden etwas aufgeregt. Zwar habe sie mit Kaltduschen kein Problem, aber das sei jetzt eine etwas größere Herausforderung. Martin Kern verließ das Becken mit den Worten „schweinekalt ist das“. Doch nach wenigen Sekunden überwog bei dem Enztäler aus Höfen das starke Glücksgefühl: „Nur die harten kommen in den Garten.“
Als Belohnung stand für die Eisbader der 36 Grad warme Hot Tub, eine Art Whirlpool im Holzfass, zur Verfügung, den Technik-Chef Martin Kappler auf Temperatur brachte.
Duo an der Spitze freut sich über Firmenspende
Riesengroß war die Freude des Vorsitzenden-Tandems Ehrke/Zinke, als Hans Brunner von der Neuenbürger Firma Sonosys mit einem Spendenscheck von 1000 Euro aufkreuzte. „Wir können jeden Cent sehr gut gebrauchen“, erklärte Michael Zinke.
Für ihn und die Führungsmannschaft des Betreibervereins sei das Ehrenamt etwas ganz Besonderes. Deshalb wurde bewusst der 23. Mai als Termin für die Freibaderöffnung geplant.
Aufgrund des Grundgesetz-Geburtstags hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier exakt diesen Tag als bundesweiten „Mitmachtag“ ausgerufen.