Im Feuerwehrmagazin von Schömberg ist bei der Übung eine fiktive Leitstelle aufgebaut. Foto: Thomas Fritsch

Nach der Flut im Ahrtal wurde der Bevölkerung bewusst, wie wichtig koordinierte Hilfe bei Katastrophen ist. Das Feuerwehrmagazin in Schömberg hat dabei eine besondere Funktion.

An diesem Donnerstagabend brennt im Feuerwehrhaus in Schömberg noch Licht. Im Innenraum herrscht reges Treiben. Feuerwehrleute nehmen fernmündlich Gespräche entgegen, andere blicken angespannt auf eine digitale Karte, wieder andere blicken auf eine Landkarte aus Papier, auf der Fähnchen aus Plastik stecken.

 

Kommandozentrale So geht es im Feuerwehrhaus in Schömberg zu, wenn es in der Region auf großen Flächen Sturm, Hochwasser oder einen Stromausfall gibt. An diesem Abend üben die Feuerwehrleute ein solches Szenario. Das Feuerwehrhaus in Schömberg wird zur Kommandozentrale.

Warum laufen dann in Schömberg die Fäden zusammen? Bei großen Katastrophen würden in der Leitstelle für die Feuerwehr und den Rettungsdienst in Calw so viele Anrufe gleichzeitig eintreffen, dass sie überlastet wäre und die Einsätze nicht mehr koordinieren könnte.

Um dies zu vermeiden gibt es im Kreis Feuerwehrführungshäuser. Sie sind dazu da, um die Einsätze dezentral zu steuern. Im Kreis gibt es acht solcher Führungshäuser. Sie sind in Bad Wildbad, Bad Herrenalb, Schömberg, Calw, Althengstett, Wildberg, Altensteig und Nagold.

Für welches Gebiet zuständig? Das Führungshaus in Schömberg ist zuständig für Schömberg selbst, Bad Liebenzell und Unterreichenbach, erläutert Rainer Zillinger, Gesamtkommandant der Feuerwehr Schömberg, im Gespräch mit unserer Redaktion. An diesem Donnerstagabend üben Feuerwehrleute die Abläufe, wenn ein Sturm, eine Flut oder eine andere Katastrophe die Region heimsucht.

Fiktive Leitstelle An jenem Donnerstagabend üben die Feuerwehrleute ein solches Katastrophenszenario. Dabei hat die Feuerwehr im Unterstellraum der Fahrzeuge eine fiktive Leitstelle eingerichtet. Sie gibt die entsprechenden Meldungen an die Meldestelle im Feuerwehrmagazin weiter.

Meldekette Aufgrund einer eingehenden Meldung fertigen Feuerwehrleute einen rosa Einsatzzettel an. Auf ihm steht wo, was und wann passiert ist, wie viele verletzte Personen es gibt und welche Verletzungen sie haben. Weitere Feuerwehrleute protokollieren den Einsatz und vergeben eine Nummer.

Prioritäten setzen

Ein gelber Zettel wird in den Lagerraum weitergegeben. Dort ist unter anderem Holger Rössler, stellvertretender Leiter der Abteilung Schömberg der Feuerwehr, im Einsatz. Dort haben die Feuerwehrleute den Überblick über die Lage. Sie setzen die Prioritäten, entscheiden, wann und wohin welches Fahrzeug fährt, macht Rössler im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich.

Um den Überblick behalten stehen Magnetreiter mit den Bezeichnungen der jeweiligen Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Diese Magnetreiter werden auf eine Tafel gesetzt. „Wir wissen, wo welches Fahrzeug im Einsatz ist“, so Rössler.

Schneller Überblick

Um einen schnellen Überblick über das Katastrophengebiet zu behalten, stehen den Feuerwehrleuten eine digitale Karte und die althergebrachte Landkarte aus Papier zu Verfügung. Auf dieser Karte stecken Plastikfähnchen in roter und gelber Farbe.

Oliver Maisenbacher von der Feuerwehr Bieselsberg schaut auf diese Karte und sieht, wie die Lage ist. Rot bedeutet, dass die Einteilung noch offen ist. Gelb heißt, dass die Feuerwehr gerade dabei ist, das Problem zu lösen. Grün bedeutet, dass die Feuerwehrleute eine Aufgabe erledigt haben. Grüne Fähnchen stecken noch nicht auf der Karte, weil die Feuerwehrleute noch mitten in der Übung steckten.

Auf Karten sehen die Feuerwehrleute auf den ersten Blick, wie die Lage ist. Foto: Thomas Fritsch

Die Feuerwehrleute wissen auch schnell, ob es um einen medizinischen Notfall geht, ein Feuer zu löschen ist oder es um eine technische Hilfeleistung geht.

Ist ein Fall abgearbeitet, verläuft die Meldekette wieder zurück. Auf einem Zettel wird der abgearbeitete Vorfall mit einem Kreuzchen gekennzeichnet. „Wichtig ist, dass die Meldekette eingehalten wird“, so Zillinger. Es geht darum, auf der Höhe des Geschehens zu sein, so Zillinger. Noch besser ist es, einen Vorsprung zu bekommen.

Autarkie Diese „Zettelwirtschaft“ hat nichts mit fehlendem Willen zur Digitalisierung zu tun. Mit der analogen Struktur will die Feuerwehr sicherstellen, dass jeder im Katastrophenfall weiß, was er wo, wie, wann und warum zu erledigen hat, auch wenn das Internet zusammenbrechen sollte.

Notstromaggregat für Stromausfälle

Der Autarkie dient auch ein Notstromaggregat mit dem entsprechenden Treibstoffvorrat für mehrere Tage. Damit hat die Feuerwehr unabhängig von Stromausfällen auch bei Katastrophen stets genügend elektrische Energie zur Verfügung.

Die Feuerwehrleute arbeiten in einem abgeschirmten Bereich, den außer ihnen niemand betreten darf. Schließlich erfordert die Arbeit volle Konzentration.

Wer gehört zur Mannschaft? Zwölf bis 14 Feuerwehrleute arbeiten im Katastrophenfall im Schömberger Feuerwehrhaus. Der Kreis besteht aus 28 Feuerwehrleuten.

Diese Anzahl erklärt Zillinger folgendermaßen: Bad Liebenzell, Schömberg und Unterreichenbach bestehen aus insgesamt 28 Teilorten. Jeder Teilort stellt ein Mitglied und ein Ersatzmitglied. Das sind Leute mit Erfahrung als Trupp-, Gruppen- und Zugführer, berichtet Zillinger. „Sie müssen ein gewisses Wissen mitbringen“, fügt er hinzu. Über ihre Einsätze sind sie zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Zusammenarbeit klappt hervorragend

Bei der Übung am Donnerstagabend waren etliche Neueinsteiger dabei, die mit erfahrenen Feuerwehrleuten übten. Die Zusammenarbeit habe hervorragend geklappt, freute sich Zillinger: „Ich bin voll zufrieden.“ Im Katastrophenfall fehlen diese Feuerwehrleute freilich in ihren jeweiligen Orten. Doch diese müsse vor Ort kompensiert werden, so Zillinger: „Das ist nicht verhandelbar.“

Reale Einsätze und Übungen Diese Struktur gibt es nach Zillingers Worten seit etwa 15 Jahren. Bislang gab es drei Einsätze: zwei mal Hochwasser in Bad Liebenzell und Unterreichenbach, einmal ein Sturm im gesamten Bereich von Schömberg, Bad Liebenzell und Unterreichenbach. Drei mal im Jahr üben die Feuerwehrleute das Szenario – im Frühjahr, kurz vor den Sommerferien und im Herbst.