Die Geländeführung mit Christian Wulfmeier und mehreren prominenten Gästen begann und endete am 1975 bis 79 rekonstruierten Südturm des einstigen Römerkastells. Foto: Baumgartner

Das Waldmössinger Römerkastell ist vielen Menschen hier bekannt. Und doch gibt es noch reichlich viele Dinge, die den meisten Besuchern noch recht unbekannt sind. Mit dem Beitritt zur Römerstraße Neckar-Alb-Aare soll sich das zunehmend ändern.

Dass beim Römerkastell in Waldmössingen „unbedingt eine Eliteeinheit stationiert war“, stand für Ortsvorsteher Reiner Ullrich außer Frage. So jedenfalls kommentierte er mit humorvollem Lokalkolorit die Ausführungen Christian Wulfmeiers vom Landesamt für Denkmalpflege in Rottweil, als der von einem noch zu lösenden Rätsel um die tatsächlichen Bewohner des Römerkastells sprach.

 

Im Auftrag der Stadt Schramberg, die mit Archiv- und Museumsleiter Carsten Kohlmann vertreten war, und Christiane Frank, Geschäftsführerin des Vereins Römerstraße Neckar-Alb-Aare, informierte Wulfmeier bei einer Geländeführung zum Forschungsstand der historischen Anlage.

Gemeinsam mit rund 20 Besuchern umrundete er das damalige Militärlager, das etwa zwischen 75 und 107 nach Christus bewohnt und baulich von einer Zivilsiedlung begleitet wurde, die etwas länger Bestand hatte. Wo heute das Waldmössinger Freizeitgelände mit Erlebnisbauernhof seinen Platz gefunden hat, lagerten einst Soldaten, zunächst in einer Holz- und später in einer Steinbebauung, wie unterschiedliche Funde belegen.

Sie wurden vermutlich wegen Grenzverlegungen von dort abgezogen. Wulfmeier erinnerte an erste historische Entdeckungen im Jahr 1868 und bis heute. „Hier besteht Grabungsschutz. Wir und Sie dürfen nicht gezielt suchen. Sollte sich allerdings mal ein Zufallsfund ergeben, bitten wir, ihn und die Fundstelle zu melden um eine Einordnung in die Forschung vornehmen zu können“, erklärte er und dass es noch viele historische Geheimnisse zu lüften gebe.

Untersuchung mit Bodenradar

Neben einer geophysikalischen Untersuchung mit Bodenradar und elektronischen Widerstandsmessungen in den Jahren 2016/17 gaben auch Baustellen, wie beispielsweise die der Kläranlage oder der Seniorenwohnanlage, archäologische Schätze preis, die auf das Leben dort im ersten Jahrhundert n.Chr. schließen lassen. „Doch auch ein Dachs lieferte Funde, weil er die alten Scherben offenbar nicht in seinem Bau haben wollte und an die Erdoberfläche räumte“, berichtete Wulfmeier.

Die Besucher interessierten sich auch für eine damals notwendige allerdings noch nicht entdeckte Wasserversorgung oder Begräbnisstätten sowie Straßenverbindungsabschnitte, die es mit viel Glück noch zu entdecken gelte, so der Mitarbeiter des Landesdenkmalamts in Rottweil. Sie ließen sich von ihm auch gerne ein Stück entlang der alten Römerstraße nach Straßburg führen und bekamen durch die Ausführungen des Fachmanns ein Gespür für das Ausmaß der Kastell- und Siedlungsanlage sowie deren Bedeutung als zu sichernder Kreuzungspunkt mehrerer Römerstraßen in ihrer Zeit.

Ende am Eckturm

Die Geländeführung endete am südlichen Eckturm des Kastells, der von 1975 bis 79 rekonstruiert wurde und heute während der Sommermonate eine kleine Ausstellung beherbergt. Dort zeigten Wulfmeier sowie Bernd und Klara Piper abschließend einige bisherig gefundene Objekte aus Glas, Ton oder Keramik.

Die Eheleute Piper sind vom Landesamt für Denkmalpflege als ehrenamtliche Mitarbeiter mit der Dokumentation von Baustellen und Funden beauftragt.