Auf reges Interesse stieß die Wanderung zu Geheimnissen am Wegesrand mit "Reiseführer" Thomas Demattio. Foto: Ketterer

Welche großen und kleinen Geheimnisse Hammereisenbach am Wegesrand bietet, erfuhren die Teilnehmer einer heimatgeschichtlichen Wanderung. Thomas Demattio hatte sich erneut als Reiseführer durch die Geschichte angeboten.

Vöhrenbach-Hammereisenbach - Das Angebot im Zuge des Sommerprogramms der Stadt Vöhrenbach stieß auf reges Interesse. 20 interessierte Wanderer folgten der Einladung. Doch bevor Demattio tiefer in die Vergangenheit schaute, machte er deutlich, dass jahrelange Normalitäten von heute auf morgen zur Vergangenheit gehören. Die letzte Wanderung dieser Art fand aufgrund von Corona 2019 statt. "Vor drei Jahren hatten wir noch einen Bürgermeister Strumberger und einen Ortsvorsteher Hummel und noch keine Ortschronik", sagte Demattio. Diese erschien erst 2020. Die Zeit verrinne offensichtlich immer schneller, meine man.

17 Haltepunkte

17 Haltepunkte in etwa drei Stunden standen danach im Mittelpunkt. Da war von einem Bahnhofsweiher die Rede und großes Achselzucken in der Runde, wo der wohl sei. Fotos belegten die Erklärungen, und so zeigte eine vergrößerte Postkarte den Weiher beim ehemaligen Haus Rinker. Mit dem Bau des Hauses verschwand der Weiher. Auch eine ehemalige Skirennstrecke vom Winterberg bis zur hinteren Bahnhofstraße mit immer vielen Zuschauern gehörte zu den Attraktionen im Ort.

Relikte aus dem Dritten Reich

Ganz in Vergessenheit geraten ist ein Schießstand oberhalb des Schloßhaldeweges, den die Hitlerjugend nutzte. Bilder gibt es allerdings nicht. Lediglich Grundsteinmauern sind noch unter Gras zu finden.

Ein weiteres Relikt aus dem Dritten Reich war das Arbeitslager Blaumeise. Kriegsgefangene sowie ungarische und ukrainische Waldarbeiter mussten in Notbaracken im Übertal oberhalb des Hauses Kaltenbach wohnen. Materialbeschaffungen und Grabungen nach Bodenschätzen zählten zum Tagesablauf.

Geschichtsträchtige Brücke

Zuvor waren die Geschichtswanderer zum immer mehr zugewachsenen Fürstenbergkreuz gekommen. Den Begriff Wertstoffhof musste Demattio anschließend im Müllloch relativieren. Dieses existierte in der Nähe der Fürstenbergbrücke, wo die Gemeinde bis in die 1960er-Jahre ihren Müll entsorgte. Die genannte Brücke ist ebenfalls geschichtsträchtig. Das Alter ist unbekannt; die schöne Bogenbrücke, mittlerweile mit Gebüsch zugewachsen, diente seit jeher zur Holzabfuhr.

Begriff "Suigel" lässt staunen

Fragende Gesichter gab es in der Runde, als der Begriff "Suigel" genannt wurde. Dies war eine Eisenschale beim Kromer-Weiher und diente zur Absaugung von Wasser, wenn die Stromturbine abgeschaltet wurde. Das dabei entstandene Geräusch glich einem Saugrunzen, weshalb der Name Suigel entstand. Beim ehemaligen Sägewerk Kromer musste Demattio tief ausholen. Ursprünglich war dort das untere Hammerwerk, genannt Fürstlich Fürstenbergische Eisenwerk. Im Jahr 1867 stellte das Hammerwerk seinen Betrieb ein. Zwei Produkte aus dem Hammereisenbacher Eisen sind noch zu bewundern. Das sind das Treppengeländer beim Gasthaus Hammer sowie zwei Brunnentröge aus einem Stück gegossen. Auf dem Gelände des Hammerwerks erfolgte ein Umbau zum Sägewerk und sorgte wieder für viele Arbeitsplätze.

Pferdestall im Untergeschoss

Beim Anhaltepunkt Schmutzenhaus griff Demattio noch einmal auf Bildmaterial zurück. Der Name stammt seinen Angaben zufolge von der Großfamilie Schmutz; Hüttenverwalter Ferdinand von Steinbeis errichtete dieses Gebäude. Zuerst waren sechs Pferde im Erdgeschoss untergebracht und zur Zeit des Sägenbetriebes gar 17 Pferde, die man für Transporte einsetzte.

Postkutsche bis 1892

Angekommen bei der ehemaligen Uhrgehäusefabrik Ehmann vernahm die Wanderrunde, dass dort zu guten Zeiten bis zu 40 Personen bis zur Produktionseinstellung im Jahr 1982 beschäftigt waren. Als das erste Haus im Bregenbach stellte Demattio das Haus Scherzinger vor. Der Hammerbach bildete die Grenze. Nach einem Brand im Jahr 1885 wurde das Haus unterhalb der Ruine Neufürstenberg sechs Jahre später wieder aufgebaut.

Bis ins Jahr 1750 blätterte Demattio zurück, um den Bau des ehemaligen Gasthauses Felsen zu erläutern. Anfangs war dort eine Schusterwerkstatt untergebracht, ehe 1869 die Gastwirtschaft eingerichtet wurde. Bis 1953 war dort auch die Post- und Telefonvermittlungsstelle. Die Kaiserliche Postkutsche verkehrte bis 1892 und wurde danach von der Bregtalbahn abgelöst.

Hof weicht Straße

Neben dem Felsen stand der stattliche Elsässerhof, der vielen älteren Einwohnern noch als Bäckerei und Mühle in Erinnerung ist. 1972 wurde der Hof aufgrund einer besseren Straßenführung abgebrochen.

Die letzte Etappe war auf der Pulvermatte. Dort war einst ein Pulverwerkhäuschen, in dem Pulver für die Sprengarbeiten im Bergwerk entstand. Als Zugabe präsentierte Demattio die älteste Zeichnung der Burg Neufürstenberg aus dem Jahr 1845. Archäologe Heiko Wagner aus Kirchzarten stellte die Zeichnung zur Verfügung.

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