Experten zeigten Besuchern in der Hochbehälteranlage, wo das Wasser der Stadt herkommt. Foto: Hiller

Woher kommt das Trinkwasser, bevor es aus dem Hahn läuft? Dieser Frage ging die Mahlberger Verwaltung beim ersten „Tag des Wassers“ nach.

Bürgermeister Dietmar Benz skizzierte vor rund zwei Dutzend Bürgern die wechselhafte und teils recht teure Geschichte der Mahlberger Wasserversorgung. Erst 1907 wurde ein zentrales Wasserversorgungsnetz gelegt, dessen korrosionsanfällige Eisenrohre zum Teil sogar heute noch in Betrieb sind – entsprechend mit häufigen Lecks und Rohrbrücken. Deshalb werden die alten Leitungen nach und nach mit hohem Kostenaufwand durch modernere Materialien ersetzt. Benz: „Da geht uns die Arbeit leider nicht aus.“ Orschweier kam erst 1971, also zwei Jahre vor seiner Eingemeindung, mit einem zentralen Trinkwassernetz dran. Bis dahin behalfen sich die Einwohner mit eigenen Hausbrunnenpumpen.

 

Nachdem auch ein 1966 erbauter zweiter Hochbehälter weiter oben im Berggelände sanierungsbedürftig geworden war, fasste der Gemeinderat dann die Entscheidung, ihn stillzulegen und einen neuen, dritten zu bauen. Nach Baustart im November 2020 konnte dann nach dreijähriger Bauzeit des überwiegend im Hangboden versenkten Bauwerks der neue Hochbehälter feierlich in Betrieb genommen werden. Die Kosten dafür hatten entgegen einer ersten Schätzung von „nur“ 1,6 Millionen später mehr als satte drei Millionen Euro betragen – samt neugelegter 1,6 Kilometer langer Förderleitung vom Darsbach herauf. Dort hatte die fällige Erneuerung der Maschinen- und Steuerungstechnik des stadteigenen Tiefbrunnens eine weitere halbe Million Euro gekostet.

Damals war das Wasser extrem kalkhaltig

Der eigene Darsbach-Brunnen hatte früher das komplette Trinkwasser geliefert. Dies war jedoch derart kalkhaltig, dass massive Beschwerden über kaputt gegangene Küchengeräte und Leitungen nie abrissen. Deshalb wurde vorab und über den Wasserversorgungsverband Südliche Ortenau im interkommunalen Zusammenspiel wesentlich kalkärmeres Trinkwasser aus mehreren Tiefbrunnen im Ruster Feinschießen bezogen. Seitdem dürften Mahlberger Kaffeemaschinen und Wasserboiler wesentlich länger durchhalten.

Nachteil der millionenschweren Investitionen war, räumt der Bürgermeister ein, eine damit verbundene Erhöhung der Wassergebühren von 1,65 auf jetzt 2,59 Euro pro Kubikmeter.

Für die Besucher wurde die historische Lutterquelle geöffnet. Foto: Hiller

Unter dem Erdhügel des neuen Hochbehälters verbergen sich zwei Wasserbassins mit je 500 Kubikmeter Fassungsvermögen. Deren Inhalt ließ sich durch dicke Glasscheiben unter UV-Blaulicht besichtigen, geführt und näher erläutert von zwei Mitarbeitern des Ettenheimer Wasserwerkes. Das hat nämlich seit einiger Zeit die Betreuung und Vertriebsführung der Mahlberger Wasserversorgung komplett übernommen. Von ihnen erfuhren die interessierten Bürger Näheres über die Pump- und Steuertechnik samt Grunddaten. Etwa, dass in den beiden Becken mit zwei Entnahmeleitungen auch eine besondere Brandreserve für die Feuerwehr von 200 Kubikmetern vorgehalten wird. Ansonsten verbrauchen die Mahlberger derzeit maximal bis zu 500 und die Orschweierer bis zu 300 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag. Beruhigend: Selbst wenn jeder einzelne Einwohner gleichzeitig auf die Idee käme, eine Badewanne zu füllen, könnten sie damit die beiden Trinkwasserbassins bei weitem nicht leer bekommen. Unten am Darsbach-Brunnen wird ohnehin stets bei Bedarf nachgepumpt. Zwei weitere Mitarbeiter des Ettenheimer Wasserwerkes erläuterten auch dort den Interessenten, dass der eigene „Kalk“-Brunnen nach wie vor im Reservebetrieb gehalten wird und deshalb auch fünf Prozent des städtischen Trinkwassers noch von hier zugemischt werden.

Info – Auf den Spuren der Römer

Der Stadthistoriker Holger Otto informierte über die eigentlich geschlossenen Fassungen des Kindlebrunnens. Einst verfügte Mahlberg nämlich über mindestens neun nachgewiesene Wasserquellen, spätestens seit dem Mittelalter über fünf offene städtische Brunnen. Der Kindlebrunnen gab Otto Anlass, hier in die Vergangenheit auszuholen. Offensichtlich war unmittelbar neben der heutigen Bundesstraße 3 eine alte Quelle zu Römerzeiten als Laufbrunnen mit einem Gewölbe eingefasst. Das könnte schon zu Vespasians Kaiserzeiten geschehen sein, als eine Römerstraße der damaligen Militärbesatzer angelegt worden war. Sofern ist klar: Die Invasionsarmee der Römer hat auch noch nach 2000 Jahren deutliche Spuren hinterlassen. Ihr erster „steinüberdachter“ Brunnen war laut Steinmetzzeichen um 1250 mit spätgotischem Gewölbe quasi modernisiert worden, mit erweitertem Wasserreservoir der Brunnenstube. Auch das sieht man jetzt unter der Erde nicht mehr, sondern nur noch eine 1731 vorgenommene rechteckige Beckenerweiterung mit Tonnengewölbe. 1972 wurden bei weiteren Bauarbeiten unweit der alten Quelle auch Fundamente des dazugehörigen Lutterbades wieder entdeckt, einem 1560 erstmals urkundlich erwähntem Heilbad. Darum wird der Brunnen auch Lutterquelle genannt. 1973 wurde der wiederentdeckte Brunnen mit einem Betonaufsatz bis auf eine Luke komplett verschlossen.