Unweit des Kaisersteins befanden sich vor rund 2000 Jahren ein römisches Kastell und eine Siedlung. Foto: Schnurr

Beim Veranstaltungsprogramm "Auf der Römerstraße durchs Jahr 2021" wird auch dieses Jahr wieder Geschichte lebendig. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 12. September, bietet das Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Römerstraße Neckar-Alb-Aare ab 14.30 Uhr eine spannende Führung zu den Römern am Kleinen Heuberg an. Die Referenten sind Klaus Kortüm und Christoph Wulfmeier.

Geislingen - Auf dem Kleinen Heuberg beim Häsenbühlhof zwischen Geislingen und Isingen lag in römischer Zeit ein römischer Militärstützpunkt. Da das Gelände bis heute nicht bebaut ist, kann man dort wie eigentlich nirgendwo sonst im Land die gesamte Siedlungstopographie eines antiken Ortes nacherleben. Dazu gehörte neben dem Platz des Kastells eine ausgedehnte, zivile Siedlung, die sich neben dem Truppenlager entwickelt hat. Insgesamt umfasst das Areal mehr als 20 Hektar.

Eine wichtige Funktion hatte die Hochfläche des Häsenbühl als Kreuzungspunkt römischer Fernstraßen, deren Verlauf sich zum Teil bis heute im Gelände verfolgen lässt. Eine Verbindung ging vom Hochrhein über Rottweil und den Häsenbühl nach Rottenburg und von dort aus den Neckar entlang. Dieser Streckenverlauf ist sogar auf der einzigen aus der Antike überlieferten Weltkarte eingezeichnet, der sogenannten Tabula Peutingeriana, und ist Grundlage der heutigen Touristikstraße "Römerstraße Neckar-Alb-Aare".

Besonders an diesem Standort zwischen Geislingen und Isingen ist der sogenannte Kaiserstein. Dabei handelt es sich um die in den 1950er-Jahren ergrabenen Überreste eines monumentalen Staatsdenkmals aus der Zeit der römischen Eroberung Südwestdeutschlands.

Es stand an einer der Fernstraßen, seine genaue Bedeutung ist aber bis heute umstritten: War es ein Siegesdenkmal oder aber ein überdimensionierter Grenzstein zwischen zwei römischen Provinzen? Welche Erklärung könnte es sonst für dieses im Lande beispiellose Denkmal geben?

Das Kastell, das zwischen 70 und 100 nach Christus genutzt wurde, und die Siedlung, die bis ins dritte Jahrhundert weiterbestanden hat, sind bisher nur aus Luftbildern und kleinen Grabungen erschlossen. Ganz wichtig sind daher Oberflächenfunde, die in den vergangenen Jahrzehnten bei systematischen Begehungen der Felder durch Ehrenamtliche gesammelt wurden. Diese sind die wichtigste Quelle für die Lage und Ausdehnung der antiken Ortschaft. Die Landesdenkmalpflege plant zerstörungsfreie geophysikalische Messungen, um mehr über dieses interessante archäologische Denkmal zu erfahren.

Treffpunkt zur Führung ist die Gedenktafel am Kaiserstein, beim Häsenbühlhof an der Kreisstraße 7128 zwischen Geislingen und Isingen. Die Führung ist kostenlos.