Die Ampel-Koalition plant laut Koalitionsvertrag den Führerschein ab 16 Jahre. Wann jedoch grünes Licht dafür kommt, ist unklar. Die Fahrlehrer im Städtedreieck sehen den Plan mit gemischten Gefühlen.
Donaueschingen/Hüfingen/Bräunlingen/Blumberg - Schulterblick, Einparken oder Rechts-vor-links beachten: Wer die Führerscheinprüfung bestehen will, braucht nicht nur Glück in der Prüfung, sondern auch ausreichend Fahrpraxis. Früh übt sich, wer ein Meister am Lenkrad werden will. So denken auch die Ampelkoalitionäre der neuen Bundesregierung. Denn laut Koalitionsvertrag soll in dieser Legislaturperiode der Führerschein ab 16 Jahren kommen. Wann? Das ist noch unklar. Doch die Verkehrsminister der Länder planen laut Medienberichten aus der vergangenen Woche offenbar eine Reform für das kommende Frühjahr. Wie sehen Fahrschullehrer aus der Region die Pläne der Politik? Befürchten sie durch junge Verkehrsteilnehmer mehr Unsicherheit im Straßenverkehr? Oder könnte man durch früheres Fahren für mehr Fahrsicherheit sorgen?
Mehr Fahrpraxis schadet nicht
Werner Dunzweiler, Fahrlehrer und Geschäftsführer der Fahrschule Top Drive in Donaueschingen, blickt der möglichen Regeländerung positiv entgegen. "Mehr Fahrpraxis zu sammeln und früher mit dem Auto fahren zu beginnen, ist grundsätzlich eine gute Idee, das kann nicht schaden", sagt er. "Wir kriegen damit keine schlechteren, sondern eher bessere Autofahrer." Bei der Frage, ob 16-Jährige in Begleitung bereits im Autoverkehr unterwegs sein dürften, sieht er nicht die Alters-, sondern die Charakterfrage im Vordergrund. "Es gibt Jugendliche in dem Alter, die sind bereit für den Straßenverkehr", sagt Dunzweiler, "es gibt aber auch 16-, 18- oder 20-Jährige, die gehören einfach nicht hinters Steuer."
Motivation wichtig
Das Wichtigste sei die Motivation der Schüler. Oft seien es aber gar nicht die Jugendlichen, die selbstständig die Verkehrsausbildung starteten. "Stattdessen wollen die Eltern bereits, dass ihre Kinder den Führerschein machen", sagt der Fahrlehrer. Bei einem Führerschein mit 16 Jahren käme aber auch noch ein weiteres Problem auf die Fahrschulen zu: "Dann hätten wir einen doppelten Jahrgang. Coronabedingt habe man bereits viele Fahrstunden im Laufe der vergangenen Monate verschieben und Ausbildungen pausieren müssen. Er sagt daher: "Wir hätten gar nicht die Kapazitäten, um einen zusätzlichen Jahrgang abzuarbeiten." Selbst aktuell habe man bereits drei bis sechs Monate lange Wartezeiten. Sollte die Änderung kommen, werde das "dann eine heiße Nummer", so Gunzweiler.
Skeptische Stimme
Andreas Weißenberger, Fahrlehrer und Geschäftsführer mehrerer Fahrschulen im Städtedreieck, steht der Altersabsenkung eher skeptisch gegenüber. "Für mich müsste das nicht kommen", gibt er zu. "Das würde bedeuten, dass Fahrschüler mit 15,5 Jahren im Auto sitzen. Das ist bei vielen ein schwieriges Alter." Auto zu fahren, sei eine hohe Verantwortung für einen selbst und für die Mitmenschen, so Weißenberger. "Ich kann mir vorstellen, dass da einige überfordert sind. Das ist aber auch typabhängig." Der Fahrlehrer merkt jedoch an, dass er auch bei der Umstellung des Fahralters von 18 auf 17 Jahren im Jahr 2008 skeptisch war. Gemäß seiner Erfahrung hätte die Regelung aber nur dann Sinn gemacht, wenn Jugendliche und Eltern nach bestandener Fahrprüfung regelmäßig gemeinsam im Auto gefahren seien. "Bei diesen Fahrschülern hat sich das in puncto Fahrsicherheit sicherlich rentiert", sagt er. "Viele haben aber mit 17 Jahren den Führerschein gemacht und hatten dann bis zum 18. Lebensjahr kaum Fahrpraxis." Dieses Szenario führe aber langfristig nicht zu mehr Fahrsicherheit bei Jugendlichen, so Weißenberger.
Zwei Jahrgänge auf einmal
Ähnlich wie Werner Dunzweiler von der Fahrschule Top Drive, befürchtet auch Weißenberger, dass es für ihn und seine Fahrschulkollegen durch eine Altersabsenkung zumindest anfangs erheblich mehr zu tun geben würde. "Die Fahrschulen sind bereits am Anschlag", sagt er. "Wir haben viele verschobene Fahrstunden durch die Pandemie und zudem einen massiven Fahrlehrermangel." Wenn noch ein Jahrgang hinzukäme, würde die Nachfrage noch weiter steigen. "Ich weiß nicht, ob wir das schaffen", so Weißenberger.
Auswirkung schwer vorauszusagen
Reinhold Weiniger, Fahrlehrer und Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Blumberg, ist beim Thema Altersabsenkung für Fahranfänger grundsätzlich offen. Die Auswirkungen auf den Autoverkehr seien "ganz schwer vorauszusagen", sagt er. "Die Altersabsenkung auf 17 Jahre hat sich aber bewährt", sagt er. In dieser Zeit habe er Fahrschüler erlebt, die er zu verantwortungsbewussten Autofahrern ausbilden konnte. Andere hätten lieber "noch mal in den Kindergarten" gehen sollen, erzählt er. "Das wird es beim Mindestalter 16 Jahre auch geben." Ob man nun mit 15, 16 oder 17 Jahren mit der Fahrausbildung beginne, der Erfolg der Ausbildung hänge von der jeweiligen Reife ab, sagt Weininger. "Da muss man im Kopf weit genug sein und während der Fahrt nicht aufs Handy gucken oder im Straßenverkehr Autorennen spielen wollen." Grundsätzlich habe die Absenkung des Fahralters aber etwas Positives. Wie sich die Altersabsenkung künftig auf die Abläufe in seiner Fahrschule auswirken würden? Das weiß der Blumberger noch nicht. "Wir lassen es auf uns zukommen", sagt Weininger.