"Die Jagd darf nur ausgeübt werden, sofern präventive Maßnahmen keinen Erfolg versprechen", sagt Björn Gruner. Foto: Gruner

Tierschützer und Jäger Björn Gruner wurde wegen der Füchse in Bisingen um Hilfe gebeten. Die Frage: "Wessen Leben ist mehr wert, dass das Fuchses oder des Huhnes?"

Bisingen - Gruner hat vor drei Jahren den Wildlife Service Zollernalb in Balingen gegründet, ließ sich außerdem zum Stadtjäger ausbilden. Das bedeutet: Er kann in Fragen des Wildtiermanagements im Sinne des Jagdrechts sogar in besiedelten Gebieten beraten und unterstützen. Zur Zeit unterstützt er nach eigenen Angaben regelmäßig die Polizei bei Problemen mit Wildtieren, die von der Jägerschaft nicht übernommen werden können.

 

Warum sind Füchse in Bisingen ein Thema?

Derzeit sind offenbar mehrere Füchse in Bisingen unterwegs, beim Landratsamt sind Meldungen aus der gesamten Gemeinde eingegangen. Vor allem Hühnerhalter sorgen sich um ihre Tiere.

Wie kommt Björn Gruner ins Spiel?

"Ich wurde von Privatleuten aus Bisingen um Hilfe gebeten", berichtet Gruner unserer Redaktion. Doch daraus wird vorerst nichts. Der Stadtjäger-Ausweis, den er bei der unteren Jagdbehörde des Landratsamts angefordert hat, lässt auf sich warten – und damit ein möglicher Einsatz in Bisingen. Zudem wäre eine Einigung mit der Gemeinde über Einsätze im befriedeten Bezirk nötig.

Was sagt das Landratsamt zum Thema Stadtjäger?

"Unserer Behörde liegen aktuell zwei Teilnahmebescheinigungen von Jagdscheininhabern vor, die den Kurs zum Stadtjäger erfolgreich absolviert haben", berichtet Marisa Hahn, Sprecherin des Landratsamts, unserer Redaktion. In Kürze müssten die Ausweise vorliegen.

Welche Aufgaben hat Gruner?

Gruner hat den Wildlife Service gegründet, "um Menschen und Tieren zu helfen". Er unterstützt unter anderem bei Wildunfällen, bei Fundtieren, verletzten Wildtieren, Jungtieren, Greifvögeln und Eulen, bietet Seminare zu Wildtieren und Exoten an, absolvierte die Ausbildung zum Stadtjäger. "Die Jagd darf nur ausgeübt werden, sofern präventive Maßnahmen keinen Erfolg versprechen oder soweit dies aus Gründen der Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder zur Abwehr von Gefahren durch Tierseuchen erforderlich ist", heißt es aus dem Landratsamt.

Füchse in Bisingen werden also nicht unbedingt sofort geschossen, wenn ein Stadtjäger zum Einsatz kommt?

Ob ein Tier gleich geschossen wird, ob es zunächst beobachtet wird, das entscheide der Stadtjäger, erklärt Gruner. "Bei mir steht der Tierschutzgedanke sehr weit oben. Das Tier darf nicht leiden, der Abschuss muss zwingend erforderlich sein." Es müssten Fragen gestellt werden wie: "Wie geht das Tier vor? Wie viele Fälle gibt es? Ist es vielleicht nur eine kurze Phase, in der Fuchs im Ort unterwegs ist?" Füchse lernen Gruner zufolge jedoch schnell, dass es innerorts viel zu fressen gebe. "Also kehren sie immer wieder zurück." Für Hühnerhalter ein Graus. Mehrere Tiere haben Füchse in Bisingen bereits getötet oder verletzt.

Wie wird entschieden?

"Wenn ein Fuchs sich auf einen Hühnerstall spezialisiert, ist die Frage: Wessen Leben ist mehr wert, dass das Fuchses oder des Huhnes?", fragt Gruner. "Eine sehr schwierige Frage." Er betont, dass das Ziel nicht die Tötung sei. Wenn es andere Möglichkeiten gebe, müsse man diese vorziehen, erklärt Gruner.

Können Hühnerhalter Füchse vertreiben?

Doch Füchsen zu vergrämen, sei nicht gerade einfach. Gruners Tipps: "Hühnerhalter sollten den Stall fuchssicher machen, es empfiehlt sich eine geschlossene Voliere, einen Untergrabschutz, ein geschlossener Stall." Füchse lediglich einzufangen und wegzubringen, sei wenig erfolgversprechend. "Wenn man ihn im Umkreis von 50 Kilometern entfernt aussetzt, wird er dort wohl wieder auf Hühnerställe losgehen."