In zwei Gruppen ritten die Teilnehmer des Herbstritts durch die Landschaft rund um Münchweier. Foto: Hiller

In einen regelrechten Reiterhof hatte sich die Münchweierer Winzergenossenschaft am Sonntag verwandelt. Dort trafen sich 54 Reiter auf ihren Pferden zum „Herbstritt“ – einer modernen Form der Fuchsjagd ohne Blutvergießen.

Die letzte Fuchsjagd hatte es in Münchweier vor mehr als 20 Jahren gegeben– auch damals nur noch dem Namen nach. Meister Reineke wurde dabei längst nicht mehr brutal zu Tode gehetzt. Am Sonntag wurde die dörfliche Tradition wiederbelebt, mit einem Ritt in die offene Landschaft. Die Reiter mit ihren Pferden lockte dabei kein sportlicher Wettkampf mit Stoppuhr, sondern der reine Spaß am gemeinsamen Reiten.

 

Eine Jagdhornbläsergruppe der Lahrer Jägervereinigung blies unter den Augen zahlreicher Zuschauer zum standesgemäßen „Sammeln der Jäger“, „Begrüßung“ und „Anblasen der Treiber“. Alle 14 Tage proben sie diese Tradition in Reichenbach, erklärte deren musikalischer Leiter Hans-Peter Matthiss .

In zwei Gruppen begaben sich die Reiter dann auf zwölf und 14 Kilometer lange Strecken durch die idyllische Felder- und Rebenlandschaft der Vorbergzone. Eine Gruppe schlug dabei ein moderateres Tempo mit Schritt und Trab an, die andere hingegen schon mal auch im Galopp – und das mit vorbereiteten kleinen Hindernissen wie Büschen oder Strohballen.

Halbzeit war für alle auf einer Wiese der Brogginger Familie Scheidel. Die Pferde durften gemächlich grasen und für die Reiterschar gab es einen „Bügeltrunk“ samt kleinem Vesper. Dank der Münchweierer Bulldogfreunde warteten dort als besondere Hingucker gleich neun historische Traktoren vom „Fend“ über „Eicher Tiger“ bis zum „Hanomag Brillant“ mit angekoppelten Sitz-Hängerle plus Getränke- und Pferdedeckenwagen auf die Reiter. Auch eine alte Pferdekutsche, in der Münchweiers Ortsvorsteherin Charlotte Götz einen Ehrenplatz gefunden hatte, war vor Ort.

Vorbereitungen hatten ein Jahr gedauert

Begleitet wurde das Reitspektakel von strahlendem Herbstsonnenschein unter blauem Himmel – wie bestellt vom siebenköpfigen Vorbereitungsteam der Münchweierer Pferdefreunde mit ihrem Organisationschef Andreas Lemke. Die hatten schon vor einem Jahr mit den umfangreichen Vorbereitungen für den Herbstritt begonnen: vom Festlegen der Reiterstrecken bis zur Verpflegungslogistik, Versicherungs- und Verwaltungsfragen- und auch der erfolgreichen Anwerbung von insgesamt 45 Sponsoren.

Schirmherr der Veranstaltung war der Kenzinger Reit- und Fahrverein. Sämtliche Herbstreiter erhielten später ausgeloste Geschenke rund um den Reitsport als Dank für ihre Teilnahme, ob Futtermittel oder Gutscheine.

Die Bläser der Lahrer Jägervereinigung Foto: Hiller

Nicht nur die Reiter, auch die an der Winzergenossenschaft verbliebenen rund 400 Gäste plagte beim gemütlichen Hock in der warmen Sonne keine Langeweile. Sie verputzten den dort angebotenen Rollbraten restlos. S päter gab es eine Kuchentheke zum Kaffee. Die Trachtengruppe des Latschary-Clubs war mit in Tracht gekleideten Herren und drei Bollenhutdamen vertreten.

Jüngere Gäste nutzten die Gelegenheit, auf Ponys von der Grafenhausener Lobo-Ranch einige Runden über den Winzerhof zu drehen oder zum „Hobby-Horsing“ mit hölzernen Steckenpferden zweibeinig über einige aufgebaute Hürden zu hüpfen.

Die Kinder konnten auf Ponys oder Steckenpferden reiten. Foto: Hiller

Nachdem die 50 Reiterinnen und vier Reiter mit ihren Vierbeinern wieder wohlbehalten zurückgekehrt waren, erklangen stilgerecht auf den Jagdhörnern noch „Fuchs tot“, „Jagd vorbei“ und „Halali“.

Der Latschary-Club kam in Tracht. Foto: Hiller

Ortsvorsteherin Götz lobte mit Stolz die Wiederbelebung der früheren unblutigen Münchweierer Fuchsjagden als überörtliches Ereignis des Pferde- und Traktorendorfes Münchweier.

Neuauflage ist möglich

Der Initiator des Herbstritts Andreas Lemke war schon vor 40 Jahren bei der Gründung der ersten früheren Münchweierer „Reiterfreunde“ dabei gewesen. Hinsichtlich einer Wiederholung der Veranstaltung zeigte er sich am Sonntag vorsichtig optimistisch: Eine Neuauflage des Herbstrittes nächstes Jahr sei nicht auszuschließen.