Stadtjäger Hauger berichtet über seine Arbeit in Brigachtal und Villingen-Schwenningen. Er erklärt, warum er kürzlich Waschbären erschießen musste.
Wenn der Fuchs sich an gefüllten Futternäpfen, die für die Haustiere im Freien stehen, satt frisst und „ausgefuchst“ wie er ist, sich im Hühner- und Kaninchenstall bedient, hat der Mensch ein Problem. Wenn der Steinmarder sich auf Dachböden einquartiert, dort fleißig hin- und hertrappelt, Dämmmaterial herausreißt und auch noch eine Familie gründet, hat der Hausbesitzer auch ein Problem.
Der Steinmarder liebt auch Autos und ihre Gummischläuche und mehr im Motorraum, dann ist das für den Pkw-Besitzer auch nicht lustig.
„Was tun?“ fragte unsere Redaktion im Gespräch mit Stadtjäger Hauger, und hatte damit den richtigen Gesprächspartner und Fachmann für vierbeinige Störenfriede und Randalierer im häuslichen Bereich.
Eigenes Revier gepachtet
Hauger ist Jäger und hat auch ein eigenes Revier gepachtet, aber damit ist er noch kein Stadtjäger. „Ich hatte mich dafür interessiert, auch als Stadtjäger tätig zu werden und absolvierte ein Jahr lang eine Zusatzausbildung, wie man zum Beispiel Marder jagt oder vergrämt“ erklärt er.
Er ist seit 2022 als Stadtjäger für die Stadt Villingen-Schwenningen und ihre Teilorte tätig, seit Dezember 2025 ist er auch für die Gemeinde Brigachtal tätig und seit Januar 2026 auch zuständig für Bad Dürrheim. Seine Ausbildung umfasst den Erwerb von Kenntnissen zur Beratung von Bürgern sowie Behörden und weiteren relevanten Gruppen, Präventions- und Konfliktmanagement im Siedlungsraum, Kenntnissen zu Wildtierökologie, Wildtierkrankheiten und Konfliktpotenzialen durch städtische Wildtiere.
Durch Gemeinde eingesetzt
Die höchste Kompetenz und die weitestgehenden rechtlichen Befugnisse besitzt der Stadtjäger, wenn er durch die Gemeinde eingesetzt wird. Dies bietet sich vor allem dort an, wo gehäufte Mensch-Wildtier-Konflikte auftreten, erläutert Hauger.
„Wenn ich von der Stadt oder der Kommune eingesetzt werde, rufe ich auf dem Weg zum Grundstück die Polizei an und erkläre, dass ich schießen werde. Im Anschluss rufe ich sie wieder an“, so Hauger. „Wenn ich Fallen aufstelle, muss ich das nicht bei der Stadt anmelden.“
Auf die Frage, ob ein Hausbesitzer, auf dessen Dachboden Betrieb durch Marder herrscht, eine Lebendfalle aufstellen darf, um den Kamerad irgendwo weit weg auszusetzen, antwortet der Stadtjäger: „Auf keinen Fall, das ist Jagdwilderei.“
Das Tier zu fangen und zu töten oder Gift auszulegen, sei sowieso eine Straftat, betont er und ergänzt, dass es doch immer wieder Fälle gibt, wo gerade das passiert.
In Brigachtal habe er einen „Fehlalarm“ gehabt, in Bad Dürrheim sei er noch nicht eingesetzt worden, in Villingen-Schwenningen und Ortsteilen erhalte er rund zwei Aufträge im Monat.
Besuch auf dem Dachboden
Manche Leute merken erst, dass sie Besuch auf dem Dachboden haben, wenn der Marder viel Lärm macht und sogar schon Nachwuchs hat. Dann werde Hauger angerufen und eingesetzt. Wenn er eine Falle aufstelle, dürfe er nur Kastenfallen, die dunkel sind, einsetzen. „Ich muss das Tier dann erschießen. Das macht keinen Spaß und tut mir sehr leid“, so Hauger.
Füchse habe er auch schon auf privaten Grundstücken gefangen, leider seien so gut wie alle Füchse krank und hätten die Räude, so der Stadtjäger. Auf den Einwand, dass zur Zeit Schonzeit sei, was er denn dann mache, antwortet Stadtjäger Hauger: „Man darf sie nur vergrämen und vertreiben mit Licht und Lärm, aber daran können sich die Marder gewöhnen. Sie sind, genauso wie Wildschweine und Füchse, Kulturfolger.“
Auf die Frage, was er dann mache, antwortet er: „Nichts.“ Marder und Füchse haben seit dem 16. Februar bis zum 1. Oktober Schonzeit.
Auf sein Revier und Wildschäden darin, zum Beispiel Verbiss von Rehwild und von Wildschweinen umgepflügten Acker befragt, antwortet er: „Diese Schäden muss ich bezahlen.“
Sechs Waschbären
Nun kommt noch das Thema „Waschbär“, den es ja hier noch nicht gibt, zur Sprache. Hier erklärt Hauger trocken: „Die kommen vermehrt und sind schon hier. Ich wurde nach Obereschach zu einem Haus, in dem eine Frau allein lebt, gerufen, da tummelten sich sechs Waschbären. Das ist Invasivwild, die muss ich erschießen“, berichtet er.
Abschließend liegt ihm noch etwas am Herzen: „Wenn ich den Auftrag zu jagen oder vergrämen erhalte, ist das kostenpflichtig, das ist eine Dienstleistung“, betont er.