Feiern ja, abheben nein: Die Mannschaft des VfB vor der Fankurve in Mainz Foto: Baumann

Trotz der Gala von Serhou Guirassy mit drei Toren beim FSV Mainz und dem Sprung auf Platz vier der Tabelle will der VfB Stuttgart auf dem Boden bleiben.

Der gefeierte Mann lief mit dem Spielball durch die Katakomben des Mainzer Stadions, während von draußen immer noch die Sprechchöre des Stuttgarter Anhangs zu hören waren. Für einen Auftritt wie jenen von Serhou Guirassy beim 3:1 (0:0-Auswärtssieg des VfB Stuttgart beim FSV Mainz 05 ist irgendwann die Auszeichnung „Spieler des Spiels“ ins Leben gerufen worden.

 

Guirassy war der Man of the match. Wer auch sonst? Sechs Torschüsse benötigte der Guineer, um seine Mannschaft mit drei Toren auf den vierten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga zu schießen. Eine schöne Momentaufnahme, wie die Verantwortlichen des VfB hinterher nicht müde wurden zu betonen. „Wir werden schön auf dem Boden bleiben“, mahnte Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, der zugleich tunlichst vermied, seinen Dreifachtorschützen in den Himmel zu loben. „Er hat heute ein sehr gutes Spiel gemacht.“ Punkt.

Nach dem Ausgleich drohte das Spiel zu kippen

Wohlgemuth wie auch Hoeneß unterstrichen die geschlossene Mannschaftsleistung der Stuttgarter, denen nach den bisherigen Torfestivals (5:0, 1:5, 5:0) dieses Mal ein solider Auftritt genügte, um die Mainzer in die Schranken zu weisen. Vor allem in der Phase nach dem Mainzer Ausgleichstreffer durch Barreiro, als das Spiel auf der Kippe stand und in Richtung der Hausherren auszuschlagen drohte. „Da haben wir hochkonzentriert verteidigt und unterm Strich wenig zugelassen. Es war wichtig, diese kritische Phase zu überstehen. Das macht mich stolz“, sagte Hoeneß.

Doch der Reihe nach. Eine Halbzeit lang sahen die 30 500 Fans eine höchst mittelmäßige Bundesligapartie mit nur wenigen Höhepunkten. Wohgemuth führte den fehlenden Rhythmus auf die zurückliegende Länderspielpause zurück, der Mainzer Coach Bo Svensson auf die vorangegangenen Klatschen, die sein Team in der Liga kassiert hatte. Die Nullfünfer zogen sich weit zurück und überließen dem VfB das Feld. Der aber mit seiner Überlegenheit in der ersten Hälfte außer einer Chance von Guirassy (38.) aber wenig anzufangen wusste.

„Unglaublich, mit welcher Lässigkeit er die Dinger reinmacht“

Erst nach der Pause wandelte sich das Bild. Mainz agierte nun offensiver – der VfB schlug zu. Nach einem Fehler von Stefan Bell tauchte Guirassy frei vor Robin Zentner auf und überwand den Mainzer Torhüter gekonnt mit einem Lupfer (56.). „Wenn du frei vor dem Torhüter auftauchst, musst du schauen, wie er reagiert. Und dann cool bleiben“, rekapitulierte Guirassy den Moment vor der Stuttgart Führung.

Die nicht lange Bestand haben sollte. Aus dem Nichts kamen die Mainzer zum Ausgleich (70.) – und anschließend noch einmal in Schwung. Ehe der VfB-Torjäger wieder zur Stelle war. Wieder mit einem Lupfer über Zentner. „Unglaublich, mit welcher Lässigkeit er die Dinger reinmacht“, staunte Sturmkollege Deniz Undav, der zu seinem Debüt im VfB-Trikot kam. „Besser kann man es nicht machen.“

Guirassys historische Bestmarke

Auch beim 3:1, dem Schlusspunkt, stellte der Angreifer sein fußballerisches Können unter Beweis. Erst hob er den Ball über seinen Gegenspieler, um ihn dann per Kopf über Zentner ins Tor zu lupfen. Guirassys achtes Tor nach vier Spieltagen brachte zugleich eine 56 Jahre alte Bundesliga-Bestmarke zu Fall. Lediglich ein Spieler war in der Bundesliga-Historie nach vier Spieltagen noch erfolgreicher: Borussia Mönchengladbachs Peter Meyer hatte in der Saison 1967/68 zu diesem Zeitpunkt der Saison bereits neun Treffer auf dem Konto.

„Er ist in der Form seines Lebens, denke ich. Er ist unglaublich gut drauf. Wir hoffen, dass das anhält“, sagte Sebastian Hoeneß. Der Rest war Jubel – und ein auf dem Boden gebliebener Dreifachtorschütze. Artig hob er die gute Mannschaftsleistung und die Arbeit seiner Kollegen heraus. Wie er den Tag zu feiern gedenke, wurde er vor der Heimfahrt noch gefragt. Die Antwort fiel bescheiden aus. „Ein wenig mit meiner Familie feiern. Aber nicht zu lange. Am Sonntag um 10:30 Uhr ist Training.“