Dass der Freiwilligendienst nicht gekürzt wird, dafür machen sich Benjamin Geigl (Sozialdezernent Landratsamt, hinten, von links), Siegfried Kögel, Thomas Meier (F 23) und Kristin Schrägle (vorne, rechts) vom IB Nordschwarzwald sowie die derzeitigen und ehemaligen FSJler Tanja Leins (vorne, von links), Lucy Kupferschmid und Johanna Karus stark Foto: Internationaler Bund

Im Kreis Freudenstadt absolvieren derzeit 38 junge Menschen beim Internationalen Bund Nordschwarzwald ein Freiwilliges Soziales Jahr. Jetzt soll rund ein Drittel der bisherigen Förderung wegfallen.

Im Durchschnitt arbeiten junge Menschen im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) zwölf Monate lang in Kliniken, Kindergärten, Seniorenheimen, beim Sozialamt oder in Jugendhäusern. Bundesweit sind rund 100 000 Menschen im Freiwilligendienst tätig; im Kreis Freudenstadt absolvieren derzeit 38 junge Menschen beim Internationalen Bund Nordschwarzwald (IB) ein FSJ.

„Aber trotz des großen Bedarfs und trotz der vielen positiven Rückmeldungen aus den Einsatzstellen ist die Fortsetzung dieses Erfolgsmodells fraglich; rund ein Drittel der bisherigen Förderung soll im kommenden Jahr wegfallen“, schreibt der IB in einer Mitteilung.

Massiver Abbau der FSJ-Stellen befürchtet

„Geradezu entsetzt“ über die drohenden Kürzungen und den daraus resultierenden massiven Abbau der FSJ-Stellen ist die Leiterin des IB, Susanna Loewe-Schlaich. „Für die jungen Menschen bietet ein FSJ die Chance, sich gesellschaftlich zu engagieren, sich zu orientieren, auszuprobieren und erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Eine Kürzung der Zuschüsse wäre wirklich dramatisch, schon vorher haben die Mittel kaum gereicht“, wird sie in der Mitteilung zitiert.

Viele Einrichtungen brauchen die FSJler

Dass der Freiwilligendienst sowohl für viele Einrichtungen als auch für die FSJler unverzichtbar ist, verdeutlicht Kristin Schrägle, Teamleiterin Freiwilligendienst beim IB. Sie verweist auf Jugendliche, die mit schlechten Schulnoten kommen und erst im FSJ zeigen, was alles in ihnen steckt. „Zudem wissen viele Schulabgänger häufig noch nicht gleich, wo es hingeht, und entscheiden sich deshalb für ein FSJ“, so die Teamleiterin. Und, darüber freut sich Schrägle besonders: Viele FSJler wählen hinterher auch eine entsprechende Berufsausbildung.

FSJ hat Berufswunsch bekräftigt

Auch für Pauline Hauer und Jocy Weber, die mit 18 weiteren jungen Menschen derzeit ein FSJ am Klinikum Freudenstadt absolvieren, steht nun fest, dass sie einen Beruf im Gesundheitswesen erlernen wollen. Hauer arbeitet seit Juli 2023 in der Notaufnahme. „Manchmal ist es anstrengend, vor allem wenn wir schlecht besetzt sind. Dann sind alle froh, dass es uns FSJler gibt“, sagt sie. Doch das FSJ bringt ihr auch persönlich viel: „Hier sammle ich Erfahrungen im Gesundheitsbereich. Ich möchte Medizin studieren.“ Auch für Jocy Weber hat das FSJ ihren Berufswunsch bekräftigt: „Sofort nach meinem FSJ beginne ich eine Ausbildung zur Pflegefachfrau“. Was ihr gefällt: „Hier kann ich helfen. Ich unterstütze die examinierten Pflegekräfte bei ihrer Arbeit.“

Auch beim Jugendmigrationsdienst drastische Kürzungen

Dass diese Tätigkeiten einen großen Mehrwert für die Gesellschaft bedeuten, steht für Benjamin Geigl, Sozialdezernent Landkreis Freudenstadt, fest. Als Vertreter der kommunalen Einsatzstellen kennt er die positiven Auswirkungen der Arbeit der FSJler. Für die drohenden Kürzungen hat er wenig Verständnis: „Das Geld wäre da, man muss es nur effektiver verteilen.“ Siegfried Kögel vom Kinder- und Jugendreferat kann dem nur zustimmen. Ist er doch froh, dass im F23 derzeit mit Lucy Kupferschmid und Mads Ole von Sieg zwei FSJler engagiert mitarbeiten und die beiden ehemaligen FSJlerinnen Tanja Leins und Johanna Karus seiner Einrichtung in anderer Weise erhalten geblieben sind. Laut Kristin Schrägle wurden auch beim Jugendmigrationsdienst sowie bei den Respect-Coach-Programmen drastische Mittelkürzungen angekündigt.

Weitere Informationen zum Freiwilligen Sozialen Jahr

Das Freiwillige Soziale Jahr
 Das Freiwillige Soziale Jahr ist ein Freiwilligendienst, der bis zum Alter von 27 Jahren in gemeinwohlorientierten Einrichtungen geleistet werden kann. Ergänzend zur Arbeit vor Ort werden die FSJler pädagogisch betreut und begleitet. Die FSJler erhalten für ihren Freiwilligendienst mindestens 300 Euro netto monatlich.

Der Internationale Bund Nordschwarzwald (IB)
 Im Landkreis Freudenstadt betreut der Internationale Bund Nordschwarzwald (IB) derzeit 38 FSJler an zehn verschiedenen Einsatzstellen. Sollte die Bundesregierung wie angekündigt das Geld für den Freiwilligendienst um 25 Millionen Euro kürzen, wird dies erhebliche Stellenkürzungen nach sich ziehen. Der IB übernimmt die pädagogische Begleitung und verantwortet die vorgeschriebenen 25 Seminartage, die gleichzeitig auch die Berufsschulpflicht ersetzen. Die Seminartage finden im IB-Gebäude in festen Gruppen statt. Neben fachbezogenen, gesellschaftlichen und politischen Themen werden Wahlpflichtfächer angeboten.