Die Flüge für die Delegation aus Kamerun mussten storniert werden. Foto: Silas Stein/dpa/Silas Stein

Sechs Kameruner wollten in dieser Woche zwecks einer Kamerun-Partnerschaft in Rottenburg zu Besuch sein. Doch es scheitert an der Deutschen Botschaft. Ob in der Behörde aktuell jemand arbeitet, ist nicht ersichtlich.

Auf Abende der Begegnung mit einer Delegation aus Kamerun hatte man sich bei der Evangelischen Kirchengemeinde in Rottenburg gefreut. Auch Schüler in Tübingen hätten Besuch von den drei Männern und drei Frauen aus Kamerun bekommen, von denen vier als Lehrer in dem zentralafrikanischen Land arbeiten. Nach der Pandemie hätte der Besuch eine Wiederbelebung der Partnerschaft mit einem Kirchenbezirk in der Stadt Bafoussam sein sollen. Doch aus dem lange mit Vorfreude erwarteten Besuch wurde trotz monatelanger Bemühungen nichts. Dekanin Elisabeth Hege, zuständig für den Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen, ist sehr enttäuscht. Sie hatte sich um die Visa-Verfahren für die Kameruner bemüht – und dabei festgestellt, dass in der Deutschen Botschaft in Kameruns Hauptstadt Yaoundé überhaupt nichts voran geht.

 

Monate vergehen

Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet Hege: „Wir hatten einen Termin in der Deutschen Botschaft in Yaoundé gebucht und dafür auch eine Referenznummer erhalten. In einer automatisierten Mail hieß es, sie würden sich wegen eines Termins wieder melden.“ Danach sei aber absolut gar nichts mehr passiert. Die Anfrage für den Termin bei der Botschaft, ohne den kein Visa-Antrag bearbeitet werden kann, sei im März gestellt worden. Monate vergehen. Mitte Juni haben sie bei der Botschaft nachgehakt, sagt Hege, aber ohne Erfolg. Daraufhin haben sie das Auswärtige Amt in Berlin kontaktiert. Dort sei das Problem anscheinend bekannt. Es gebe einen Personalengpass in der Deutschen Botschaft, die außer für Kamerun noch für die Zentralafrikanische Republik und Äquatorialguinea zuständig ist, habe man ihr aus Berlin mitgeteilt. Ausrichten konnte das Auswärtige Amt jedoch in dem Anliegen nichts.

Die Flüge mussten abgesagt werden, berichtet Hege. „Dadurch haben wir mehrere Tausend Euro verloren.“

Auswärtiges Amt schweigt

Zu einer Anfrage unserer Redaktion hat sich das Auswärtige Amt bisher nicht geäußert. Auf der Internetseite der Deutschen Botschaft in Yaoundé lässt sich aber folgender Hinweis finden: „Die Visastelle der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Jaunde verfügt bis auf Weiteres nur über stark eingeschränkte Personalkapazitäten.“ Unter der Kategorie „Terminwartezeiten für Visaanträge“ ist aufgelistet, mit welchen Wartezeiten zu rechnen ist. Für ein Schengen-Visum betrage die Wartezeit „über drei Monate“. Für ein Au-pair-Visum oder ein Visum für Erwerbstätigkeit und Ausbildung müsse man „über ein Jahr“ warten.

Erneuter Anlauf

Mindestens bis nächstes Jahr möchte auch der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen nun warten, bis ein erneuter Anlauf für einen Partnerschaftsbesuch gestartet wird. Dann wolle man mit mindestens einem halben Jahr Vorlauf planen, sagt Dekanin Hege.