Von Breitbandausbau bis Glockengeläut: Gerät die Ortschaft Kappel gegenüber anderen in Niedereschach ins Hintertreffen?
Sei es bei weihnachtlichem Brauchtum wie Christmette oder Kirchengeläut an den Feiertagen oder bei der Breitbandversorgung – in Kappel fühlen sich manche Bürger gegenüber den anderen Ortsteilen benachteiligt, ja regelrecht abgehängt.
So wollte in der jüngsten Ortschaftsratssitzung Siegfried Riegel als Inhaber der Firma SR System-Elektronik GmbH von Bürgermeister Martin Ragg wissen, ob man mit der Entwicklung des neuen Wohnbaugebietes Hornausenacker II auch an die damit notwendige Versorgung mit Glasfaser gedacht habe. Er denke da aber nicht nur an das Neubaugebiet, sondern an die Versorgung der gesamten Ortschaft. Noch Ende des vergangenen Jahres sei in Fischbach und auch Schabenhausen der Spatenstich für einen dritten Bauabschnitt mit Glasfaser erfolgt, bei dem nun alle Grundstücke angeschlossen würden, die in den bisherigen Bauabschnitten noch nicht berücksichtigt wurden.
„Weitere 146 Gebäude erhalten dort jetzt einen Glasfaseranschluss für schnelles Internet und Telefon.“ Er frage insbesondere vor dem Hintergrund, eigentlich ein Kuriosum für den Kappeler Hersteller von Industriemonitoren und Panel-PCs, dass er sich in seinem Hightech-Betrieb immer noch mit einer Internetbandbreite von 16 MB herumschlagen müsse, was bei den heutigen Anforderungen bei weitem nicht mehr genüge, nicht mal für einen Privathaushalt, so Siegfried Riegel. Ragg verwies darauf, dass die großen Anbieter, deren Aufgabe eigentlich der Ausbau der Breitbandversorgung auch in ländlichen Gebieten wäre, sich auf die großen Ballungsräume zurückgezogen hätten, weshalb im Kreis bekanntlich der Zweckverband Breitbandversorgung diese Aufgabe übernommen habe.
Für den sei es nun mal eine „Herkulesaufgabe“, den gesamten ländlichen Raum mit Breitbandanschlüssen zu versorgen. Und da sich bei der Bezuschussung dieser Ausbaumaßnahmen immer wieder etwas verändert habe, brauche dies eben seine Zeit. Was den Ausbau im Fischbach und Schabenhausen betrifft, so sei dort erst einmal vorrangig angeschlossen worden, weil die Haushalte dort noch schlechter wie in Kappel versorgt waren. In Kappel gebe mit der Telekom und Vodafone immerhin zwei Anbieter.
„Wir sind auf dem Weg“
„Wir sind auf dem Weg, aber man muss sich eben noch gedulden“, so Ragg auf die Frage nach dem „Wann“ von Riegel. Er können nicht sagen, wann in Kappel der Anschluss komme, sondern nur auf die Reihenfolge des weiteren Ausbaus verweisen. Dies könne ihn jedoch nicht zufriedenstellen, so bohrte Riegel weiter, und ob das Glasfaser innerhalb seiner nächsten Amtszeit nach Kappel komme, wollte Riegel weiter wissen. Und verwies nochmals darauf, dass es in Kappel neben Gewerbe ja auch viele private Nutzer des Internet für Homeoffice nutzen, und man fühle sich da gegenüber den anderen Ortsteilen eben deutlich abgehängt.
Standort verlagern?
Bezüglich weiterer Investitionen für seine Firma überlege er, einen anderen Standort in Erwägung zu ziehen. „Wenn man keine Perspektive hat, dann muss man eben alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.“ Worauf ihm Ragg dann letztendlich doch noch ein zeitliches Ziel nannte: „Ein Zeitraum innerhalb der nächsten fünf Jahre“. Auch Andreas Maier fühlt sich in Kappel abgehängt. Nachdem die Feierlichkeiten über die Weihnachtstage, die in Kappel keine gewesen seien, nun vorbei seien, wollte er vom Ratsgremium wissen, wer für die Koordinierung der Feierlichkeiten über Weihnachten zuständig gewesen sei. Denn über die gesamten Festtage habe es kein Glockengeläut und keine kirchlichen Veranstaltungen gegeben. „Das hat mit einer christlichen Kultur und Tradition in einem Dorf, in dem seit Hunderten von Jahren Weihnachten gefeiert wurde, nichts mehr zu tun“, so Maier. Das müsse in 2026 besser laufen.