Der Sportplatz in der Mühlener Straße (links) muss wegen des Baus der Hochbrücke (rechts in der Mitte ist die Baustelle bei Nordstetten sichtbar) aufgegeben werden. Foto: Schülke

Gibt es einen Ersatz für die Sportplätze im Horber Neckartal? Diese Frage brennt zurzeit vielen Sportlern auf den Nägeln.

Horb - Der Sportplatz beim Neckarbad fällt wegen des Hochbrücken-Baus weg. Der FC Horb und die Stadtverwaltung Horb wissen das seit 2018. Bis heute ist das Problem nicht gelöst. Der FC möchte gern einen neuen Platz auf dem Hohenberg – doch die Stadt lehnt ab. Jetzt verschärft sich die Situation, weil auch der Sportplatz in der Stadionstraße wegfallen könnte – wegen einer Erweiterung von Bosch-Rexroth.

Gespräche ohne Ergebnisse

Wegen des Sportplatzes in der Mühlener Straße ist der Verein mit der Stadt in Kontakt, "leider sind diese Gespräche seit Jahren und bis heute ohne konkrete Ergebnisse verlaufen", teilt Stefan Mauz, Vorsitzender des FC Horb mit. "Der Verein hat hierbei alle seine Hausaufgaben erledigt und kann in ganz erheblichem Umfang Eigenmittel für den Bau eines neues Sportplatzes beisteuern. Dies ist der Stadt und dem Gemeinderat auch bekannt."

Der FC will mitbezahlen: Er habe in den vergangenen Jahren eine hohe Kooperationsbereitschaft gezeigt und unter anderem seine Bereitschaft erklärt, sich finanziell an einem Sportstättenkonzept zu beteiligen "und in Zusammenarbeit mit der Stadt Horb eine Sportstätte zu entwickeln, die nicht nur dem FC Horb sondern auch anderen Vereinen genutzt werden kann".

"Stadt würde profitieren"

Die Idee, dass der FC Horb einen eigenen Sportplatz nebst Funktionsgebäude baut und die Infrastruktur für einen angrenzenden städtischen Kunstrasenplatz zur Verfügung stellt, wurde sowohl der Stadtspitze als auch dem Gemeinderat präsentiert. Mauz ist sich sicher: "Dabei würde die Stadt Horb doppelt profitieren, zum einen durch Synergien und Fördermittel zum anderen durch die Realisierung eines Kunstrasenplatzes, der allen Fußballvereinen der Stadt Horb zu Gute kommen würde."

Einen neuen Platz auf dem Hohenberg wollte die Stadt aber bislang nicht. Bereits vor drei Jahren sagte Bürgermeister Ralph Zimmermann auf Anfrage unserer Zeitung: "Der vom FC gewünschte Standort ist Wohnbaufläche und als Grundstücksfläche zu wertvoll." Man könne auch nicht über eine halbe Million Euro in einen neuen Sportplatz inklusive Sportheim investieren. "Wir schätzen das Engagement des Vereins sehr und freuen uns über die positive Entwicklung. Dennoch müssen die Wünsche machbar sein", so der Bürgermeister.

Standortsuche ergebnislos

Trotzdem hat der Gemeinderat damals die Rathausspitze beauftragt, den Verein bei der Standortsuche zu unterstützen und eine zeitnahe Lösung zu erarbeiten. Die lässt aber bis heute auf sich warten. Seit Jahresbeginn habe das Engagement der Stadt nachgelassen; der Verein habe trotz Nachfrage keine konkrete Antwort erhalten, wie die Standortsuche verläuft.

Der FC warnt: "Mittlerweile hat sich die Situation noch weiter verschärft, nicht nur für den FC Horb sondern auch für einige andere Vereine und Schulen. Immer wieder wies der FC Horb in den gemeinsamen Gesprächen auf die Gefahr hin, dass Bosch Rexroth in Richtung Stadion erweitern könnte und hierdurch eine Zwangssituation entsteht. Hier sah die Stadt Horb ›keine Notwendigkeit, sich darüber Gedanken zu machen‹."

Warnung ist wahr geworden

Inzwischen ist aus den Warnungen Realität geworden, weil Bosch Rexroth eine Erweiterung in Richtung Stadion plant. Mauz meint dazu: "Dies ist auf der einen Seite eine tolle Nachricht für die Mitarbeiter des Unternehmens und auch für den Standort Horb, auf der anderen Seite haben sowohl der Gemeinderat als auch die Stadtspitze viel kostbare Zeit für ein durchdachtes Sportstättenkonzept verloren und stehen in Zukunft im schlimmsten Fall ohne einen einzigen Sportplatz in der Kernstadt da. Auch Sporthallen werden in Zukunft fehlen. Die daraus resultierenden Probleme des Freizeitsports und Vereinssports betreffen nicht nur den FC Horb, sondern zum Beispiel auch die Leichtathletik und den Schulsport. Das wäre eine Bankrotterklärung in Sachen Sport in Horb."

Der FC Horb kündigt einen Vorschlag zur Lösung des Problems an. Er hofft dennoch auf ein gemeinsames Sportstättenkonzept.

Kommentar

Von Christof Schülke

Zeit verspielt

Beim FC Horb sitzt der Frust tief. Seit Jahren ist bekannt, dass Horbs Sportplätze im Neckartal auf der Kippe stehen, aber ein neuer Sportplatz ist nicht in Sicht. Die Stadt tut sich schwer, ein Gelände auf dem Hohenberg zu opfern.

Beide Positionen sind verständlich. Schade, dass keine gemeinsame Lösung gefunden wird. Ein Sportstättenkonzept wäre vor allem wichtig, um klarzustellen, wie viele Sportplätze die Gesamtstadt eigentlich braucht, und wie viele Vereine auch in Zukunft bereit sind, diese Plätze zu unterhalten. Da müssen noch mehr Vereine mitreden. Aber gibt einen unheilvollen Trend: Ehrenamt und Privatleute ziehen sich zurück, und einspringen muss die Stadt. Bei den Ritterspielen klappt das, bei der Aufwertung des Marktplatzes dauert es (vom 2017 vorgestellten Pilotprojekt mit einem Gastroentwickler hört man nichts mehr), und das künftige Kulturmanagement kommt auch nicht von heute auf morgen.

Sicher ist: Es gibt auch gute Argumente für die Hilfe aus dem Rathaus. Der FC Horb ist ein Traditionsverein, tut viel für die Jugend und mobilisiert viel Ehrenamt. Warum nicht den Vorschlag eines Standorts beim Rauschbart noch mal auf den Tisch legen? So oder so, bei der Suche nach einer Lösung wurde Zeit verspielt.