Am Frühlingskonzert zeigten die Mitglieder des Musikvereins Fahrnau erneut ihre Leistungsstärke. Foto: Ines Bode

Beim Frühlingskonzert des Musikvereins Fahrnau in der Stadthalle Schopfheim gab es Blasmusik und die Akkordeonklänge des Harmonika-Orchesters Schopfheim zu hören.

Erstmals hatten die Mitglieder des Musikvereins Fahrnau und des „Harmonika Orchesters Schopfheim“ zum frühlingshaften Doppelkonzert eingeladen. Im Anschluss regte sich die Hoffnung, dass in dieser Konstellation künftig mehr zu hören ist.

 

Der erste Teil der gelungenen Vorstellung oblag den Fahrnauern. Dirigentin Céline Pellmont eröffnete mit dem „Arnhem March“, der den Londoner Komponist seine Kriegserlebnisse verarbeiten ließ. Trotz der Schwere wirkte das Stück nicht erdrückend. Im Gegenteil.

Weiter ging es mit „The Seafarer Nautical Rhapsody“, ein facettenreiches Werk, ebenfalls aus der Kriegszeit 1940. Jeder Paukenschlag wurde von Pellmont sichtbar quittiert, wie die Leiterin ihre Passion ohnehin förmlich lebt. Der Seefahrer bot eine Fülle verschiedener Sätze, kein Wunder, denn der Schöpfer ist Bewohner der „Isle of Man“.

Gar der betrunkene Matrose namens „Drunken Sailor“ ließ von sich hören. Die Rhapsodie bot folkloristische wie sinfonische Aspekte, und kam in der rappelvollen Stadthalle bestens an.

„Breeze in the Forest“ hieß der Nachfolger, ein Stück, das Flötist Thomas Hoyer Gelegenheit zu einem ausführlichen wie brillanten Solo gab. Geschrieben wurde die Brise im Wald von Satoshi Yagisawa anlässlich des 60. Geburtstags eines Professors. Hoyer führte sein Instrument bis in höchste Tonlagen, und spielte teils gegen das Orchester an, denn auch manch Sturm fegte durch den japanischen Forst.

Theo Schmitt widmete sich der „Résurrection“, in der Religion als Auferstehung an Ostern gewertet. Und hätte der Zuhörer den Flöten-Auftritt nicht schon als Höhepunkt eingestuft, wäre die Bezeichnung mehr als treffend gewesen.

Die Auferstehung entpuppte sich als Glanzstück in punkto Dynamik. Zwischendrin diente Notenpapier dem Geräuschemachen. Nach einer diffizilen Balance leiser und lauter Töne, und nach der Interpretation einer höchst anspruchsvollen Darbietung, feierte der Saal diese Leistung mit Jubel. Mit „High Voltage“ schwappte die Unterhaltung hinüber zum Bigband-Stil. Tempo hielt Einzug, das schmetterndes Blech sowie lebhaften Swing und Jazz der Bläser vereinte.

Hit von Linkin Park

Heiter fiel auch die Moderation durch Angelika Böhme aus. Nach der Pause übernahmen die Akkordeonisten. Benjamin Brenzinger aus der Chefetage des Musikvereins Fahrnau hatte bei der Begrüßung auf die Würdigung hingewiesen, die dem Akkordeon als „Instrument des Jahres 2026“ widerfahre.

Dirigentin Monika Müller machte es den Zuhörern leicht, und bot mit „Castle of Glass“ eine popartige Nummer von Linkin Park. Und was 630 Millionen Fans gefällt, verfehlte auch in Schopfheim nicht seine Wirkung. Erwähnte Dynamik kam zudem bei „Spirit of Life“ zum Tragen. Eine Partitur mit mitreißenden Zügen, die zu vorgerückter Stunde pure Fröhlichkeit hervorrief.

Bei „Tarantelia Arrabiata“, nicht zu verwechseln mit „Tagliatelle Arrabbiata“, handelt es sich um einen Tanz Italiens aus deutscher Feder, eines fürs Akkordeon. Scharf gewürzt, und mit Schmackes serviert, hätte das Publikum einen Nachschlag vertragen.

Nach dem Magen war das Herz dran: „Fields of Gold“ von Sting umgibt Tragik und Verbundenheit. Das Orchester spielte das Stück mit nostalgischem Schmelz. „Morricone Special“, hieß es dann. Der Maestro versteht es, aus grafischen Zeichen, die sich Noten nennen, weltberühmte Musik-Kunstwerke zu kreieren. Nicht fehlen durfte da „The Man with the Harmonica“. Kälter als Eis, ein Hit von „Foreigner“, gab dem Fahrnauer Duo am Schlagwerk als Gäste der zweiten Halbzeit Anlass, sich tonal durchzusetzen.

„Sofia“ als Zugabe

Und weil Álvaro Soler beim Sommersound 2023 wohl seine Noten vergessen hatte, erklang ein munteres „Sofia“ als Zugabe. Dann blieb kein Fleck mehr frei auf der Bühne: Beide Klangkörper brachten „Sympatria“ zu Gehör, und der Name war Programm. „Best of Blasmusik“ vereinte sich mit dem warmen Kinobass-Sound, den nur ein Tastenorchester hervorbringen kann.