Der Europa-Park und Rust sind eine Einheit – das machte Bürgermeister Kai-Achim Klare deutlich. Zusammen mit der Familie Mack und anderen Zeitzeugen beleuchtete er beim Frühlingsempfang die Anfänge der „Heimat der Emotionen“ und die Herausforderungen, denen man sich damals gestellt hatte.
Die Gemeinde Rust stellte ihren Frühlingsempfang „unter einen ganz besonderen Stern“, nämlich unter dem des 50-Jährigen des Europa-Park, wie Bürgermeister und Moderator Kai-Achim Klare vor der vollen Rheingießenhalle mit 350 Besuchern betonte. Denn am 12. Juli 1975, also vor 50 Jahren, öffnete der Park zum ersten Mal seine Tore. Im Laufe der Zeit haben er und sein Erfolg Rust zum „Mini-Meltingpot“ (Klare) – Mini-Schmelztiegel – werden lassen. „Es ist ein großes Glück, dass so viele weit blickende Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren“, betonte Klare.
Wie der Park nach Rust kam und warum die Ruster freien Eintritt haben: Europa-Park-Gründer Roland Mack und seine Frau Marianne, Europa-Park-Geschäftsführer Jürgen Mack und seine Frau Mauritia sowie Rusts Altbürgermeister und Ehrenbürger Günter Gorecky berichteten auf der Bühne von den Anfängen. Roland Mack schilderte die schwierige Standortsuche. Mit Rust hatte es nach Fehlschlägen in Breisach und Neuenburg auch deshalb geklappt, weil es dort schon zuvor einen kleinen Tierpark gab, der eine Sondernutzung ermöglichte. Das Schlossgelände war damals verwildert, weil kein Geld für die Pflege da war, aber es sah aber sehr idyllisch aus, erinnerte sich Roland Mack: „Es war mir sofort klar, dass das Gelände hervorragend geeignet war.“ Den Gemeinderat habe zum einen der gute Name der Familie Mack überzeugt und „dass wir deutlich gemacht haben, dass wir zu unserem Wort stehen und klare Visionen haben“. Die Gemeinde entschloss sich, den Macks das Gelände zu verkaufen – und der damalige Bürgermeister Erich Spoth handelte für die Bürger der Gemeinde freien Eintritt aus – und ließ diesen ins Grundbuch eintragen lassen. „Das war schon eine Herausforderung für uns, die wir damals jede Mark suchten“, so Roland Mack. Am Anfang versuchte man den Rustern zwar den Eintritt zum Gelände zu gewähren, sie aber für die Nutzung der Attraktionen einen verbilligten Eintrittspreis zahlen zu lassen. Nach zwei Jahren – und den Rauswürfen einiger Ruster aus dem Park – gab man das jedoch auf. „Am Ende des Tages war es eine gute Entscheidung, die wir nie bereut haben, denn sie hat dazu beigetragen, dass das Verhältnis zwischen Rust und Gemeinde so gut wurde“, so Roland Mack.
Was für den Park zur Herausforderung wurde: Weitere Herausforderungen am Anfang seien die Genehmigungen für die vielen Attraktionen gewesen, die Landratsamt und Gemeinderat vor ungewohnte Problem stellten, sowie der damals noch existierende Wehrbereich. „Aber wir haben es immer wieder hinbekommen“, so Roland Mack. Jürgen Mack war noch auf dem Gymnasium, als der Park gegründet wurde. Er erkannte ihn ihm die Chance, Teil des Familienunternehmens zu werden. Denn in dem Waldkircher Unternehmen war kein Platz für ihn. Er richtetet sein Studium auf den Park aus, wurde Wirtschaftsingenieur und übernahm die Bereiche Finanzen und Personal. Seine Herausforderung: „Mit dem Wachstum des Parks organisatorisch Schritt zu halten.“ Von den Fachkräften, dem Wasser, Abwasser, dem Strom, dem Verkehr mit den Parkplätzen bis hin zur Gastronomie, die der Park, nachdem ein Gastronom abgesprungen war, selbst in die Hand nehmen musste.
Ehefrauen waren das Rückgrat
Ohne Ehefrauen geht nichts: Wie viel die Frauen zum Erfolg beigetragen hatten, machte Marianne Mack deutlich. Sie hatte für den Park ihren Traumberuf als Stewardess aufgegeben. „Aber wenn man jung und verliebt ist, ist man zu allen Schandtaten bereit“, lachte sie. Früh stand sie im Eingangsbereich und empfing die Gäste, nachmittags fertigte sie im Büro Einsatzpläne, Statistiken und Bilanzen an. Auch fürs Essen der Mitarbeiter sorgte sie. Als sie nach vier Jahren um Haushälterin und Spülmaschine bat, löste das heftige Diskussionen im Familienrat aus, erinnert sie sich. Auch am Wochenende gab es keine Pause. „Wenn die Kinder krank waren, kam eine Matratze ins Büro und ich habe sie mitgenommen. Es war eine harte Zeit.“
Mauritia Mack dankt den Rustern: Architektin Mauritia Mack hat den Bereich Shopping mit mittlerweile 500 Mitarbeitern und 80 Filialen unter sich. Sie betonte die „Verpflichtung des Familienunternehmens zu helfen, wenn es uns wirtschaftlich gut geht“. Sowohl ihr Verein „Einfach helfen“ als auch „Santa Isabella“ von Marianne Mack seien in diesem Anliegen immer von den Rustern unterstützt worden. Erst jüngst mit vielen Helfern und Kuchen bei der Veranstaltung „Einfach Laufen“. „Dafür wollte ich Ihnen allen schon immer einmal danken, nun tue ich es heute Abend“, so Mauritia Mack emotional.
Der harte Kampf um die Anschlussstelle
Anschlussstelle wurde hart erkämpft: Günter Gorecky erinnerte an den Kampf um die Autobahnanschlussstelle Rust. Die Anschlussstelle Herbolzheim hatte die Verkehrsproblematik verschlimmert. Von allen Seiten strömten die Autos nun nach Rust, es gab kilometerlange Schlangen bis nach Ringsheim, Kappel-Grafenhausen, Niederhausen. „Das war ein unzumutbarer Zustand für die Anreisenden und die Bevölkerung der ganzen Raumschaft“, erklärte er. Nachdem das Verkehrsministerium nach einer Weigerung grünes Licht gegeben hatte, galt es heftige Kämpfe im Kreistag auszufechten. 37 Millionen sollten Anschlussstelle und die neue Straße zum Park kosten, das entsprach zwei Jahren Verkehrsbudget für den gesamten Ortenaukreis. Die Vertreter der Nordgemeinden und des Kinzigtals waren wenig begeistert, erinnert sich Gorecky.
Europa-Park kommt auch Gemeinde zugute
Gorecky erinnerte die Ruster auch daran, dass sie vom Europa-Park profitierten. Von „moderaten bis unvergleichbar günstigen“ Steuern und Abgaben, hohen Vereinszuschüssen bis hin zum kostenlosen Kitabeitritt: Er hoffe, die Bürgerschaft wisse da zu schätzen, denn wenn Dinge eingeführt werden, seien sie oft selbstverständlich.
Achte Generation zeigt Können: Ihr Wissen über den Park und Rust stellte die achte Generation des Unternehmens vertreten durch Frederick, Thomas und Ann-Kathrin Mack unter Beweis: Sie spielten mit zwölf Ruster Kindern bei „1,2, oder 3“. Siegerin: – von ungewöhnlichen Orten udn Entdeckungen im Europa-Park bis hin zu Gemälden in der Kirche St. Petri Ketten reichte das Spektrum der Fragen. Ann-Kathrin Mack mit ihrer Gruppe.
Besondere Dokumentation zum 50-Jährigen
Talent-Academy sorgt für Begeisterung: Stolz stellte Thomas Mack in Vertretung für seine erkrankte Frau, die Talent Academy vor. Vor elf Jahren von Katja Mack gegründet, belegen dort mehr als 400 Teilnehmer 100 Kurse pro Woche, die von 40 Trainern begleitet werden. Erste Künstler seien bereits auf der Europa-Park-Bühne zu sehen. Was sie alles zu leisten vermögen, zeigten die Sängerinnen Julia Buss und Finja Teufel mit dem Lied „This is me“.
Zeitzeugen blicken auf den Park:50 Jahre Europa-Park feiert die Gemeinde mit einer Dokumentation, in der viele Zeitzeugen zu Wort kommen. Darunter auch der 99-jährige Hans Wegmann, das letzte lebende Mitglied aus dem Gemeinderat, der die Verhandlungen mit den Macks noch miterlebt hatte. Weitere Mitwirkende waren Bernhard Schoch, Karl-Heinz Debacher, Ewald Scherer, Franz Gruninger, Hans Wegmann, Helene Metzger und Martin Spoth. Auch wenn die Dokumentation am Ende kritische Töne anschlug, zeigte sich Roland Mack begeistert und erklärte, sie auf der parkeigenen Plattform Veejoy und in den Hotels zeigen zu wollen. Klare betonte zum Schluss, dass für ihn Park und Rust eine Einheit seien: „Der Europa-Park gehört zu Rust“, machte er deutlich und erklärte: „Der Europa-Park ist das Kind der Familie Mack. Doch um ein Kind groß zu ziehen, braucht man ein ganzes Dorf.“ Das sei in Rust gelungen.
Bewegende Musik
Das Gala-Orchester der Ruster Musikkapelle unter Leitung von Andreas Vetter sorgte für eine schwungvolle Unterhaltung. Vier Mitglieder der Musikkapelle – Klaus Bellert, Herbert Herdrich, Wolfgang Peter und Pius Lang – hatten schon bei der Eröffnung des Europa-Parks gespielt. Für einen besonderen Abschluss und Höhepunkt des Empfangs sorgten die Sänger des MGV und des Kirchenchors mit dem Orchester: Sie sangen stimmgewaltig die Europa-Hymne „Freude schöner Götterfunken“.