Die St. Georgenerin Elisabeth Lehmann blickt auf 100 Lebensjahre zurück. Foto: Hans-Jürgen Kommert

Einen seltenen Jahrestag feiert die ehemalige St. Georgener Zahnärztin Elisabeth Lehmann – sie wird an diesem Montag 100 Jahre alt. Ein langes Leben, das nicht immer einfach war.

Geboren wurde sie in Deißlingen, als fünftes Kind des Schulleiters Josef Bettung und dessen Frau Rosa – das einzige Mädchen mit vier großen Brüdern.

 

Mit nicht einmal sechs Jahren verlor sie ihre Mutter. Eine Cousine unterstützte die große Familie zunächst – sie blieb auch noch einige Jahre nach der erneuten Heirat des Vaters.

Nach vier Jahren Grundschule wechselte Elisabeth an das Droste-Hülshoff-Gymnasium in Rottweil. Zwei ihrer Brüder erlernten den Beruf des Feinmechanikers an der Feintechnikschule in Schwenningen, einer wurde Berufssoldat.

Ausbildung als Dentistin

Bruder Erwin fand eine Ausbildungsstelle als „Dentist“, also Zahnheilkundiger, in Winzeln. Dieser wurde im Krieg schwer verletzt und als wehrunfähig entlassen. Er übernahm in Pfullendorf eine zahnärztliche Praxis, wo seine kleine Schwester dann eine Ausbildung als Dentistin begann. Später folgte sie ihm nach Berlin, bevor sie mit dem Fahrrad sowohl die amerikanische als auch die englische Besatzungszone durchquerte und nach Deißlingen zurückfuhr.

Bruder Erwin eröffnete dann in Straßberg im Zollernalbkreis erneut eine zahnärztliche Praxis, wo die Jubilarin ihre fehlende Assistenzzeit nachholte.

Dort lernte sie auch ihren ersten Mann kennen, den sie gegen den Willen der Schwiegereltern heiratete. Aus dieser kurzen Ehe stammt ihre 1946 geborene Tochter Charlotte.

Dank großer familiärer Unterstützung konnte Elisabeth in Hamburg Zahnmedizin studieren. Nach der Bestallung (Approbation) führte sie ihre erste Assistentenstelle nach Mössingen bei Tübingen, später kam sie nach Donaueschingen.

Ihre Praxen in St. Georgen

Ihre Praxis in St. Georgen konnte sie im „Süßen Eck“ eröffnen. Sie lernte Manfred Lehmann kennen, 1959 heirateten sie und bauten das Haus in der Johann-Sebastian-Bach-Straße, wo sie im Juli 1960 auch mit ihrer Zahnarztpraxis einzog. 1961 kam ihre Tochter Susanne zur Welt, lange Jahre liebevoll von Charlotte mit betreut.

Sogar ein Ururenkelkind

Ihre Praxis führte Elisabeth Lehmann bis in die frühen 1990er Jahre, mit vielen treuen Patienten. Seither war sie dann Großmutter für zwei Enkel. Mittlerweile gibt es dazu vier Urenkelkinder und seit Kurzem sogar ein Ururenkelkind „das hoffentlich heute zu mir gekrabbelt kommt“, schmunzelte sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Geistig ist sie noch ganz schön fit, allerdings braucht sie mittlerweile etwas Betreuung – der Körper will nicht mehr so Recht.

Gefeiert wird in Etappen – nicht alle können mitten in der Woche, für manche ist der Weg auch sehr weit.