Zieleinlauf auf dem Römer in Frankfurt. Die Zuschauer pushen auf den letzten Metern. Foto: © sportograf

Entspannt steigt Benedikt Geiger vom Rad, das er an der Stadtkirche abgestellt. Er setzt sich auf eine Bank, beginnt zu erzählen. Davon, wie er Ende Juni seinen ersten Ironman absolviert hat, in Frankfurt. Gegen 2500 Teilnehmer schwamm, fuhr und lief sich Geiger auf einen sagenhaften 59. Platz.

Balingen - Auch jetzt, zwei Wochen nach seinem sensationellen Ergebnis, ist der Frommerner noch ganz erfüllt von seinem Erfolg in Frankfurt. Er sprudelt förmlich über: "Cool" war es, "topzufrieden" ist er. Ins Ziel kam er zeitgleich mit den Profi-Frauen. Geiger hingegen ist kein Profi. Im "echten Leben" arbeitet er als Elektroingenieur beim Balinger Waagenhersteller Bizerba. Sein Training baut er in den Morgen vor Arbeitsbeginn, in die Mittagspause und in die Abendstunden ein.

4000 bis 5000 Kalorien müssen rein

Kolossale 4000 bis 5000 ausgewogene Kalorien muss er sich in trainingsintensiven Zeiten täglich einverleiben: Obst, Gemüse, Nüsse, Kohlenhydrate, Pseudogetreide, aber auch Bitterschokolade darf’s mal sein. "Da ist wenig industrieller Zucker drin", erklärt er. Auf den verzichtet er ansonsten komplett. "Als Naschkatze nicht immer ganz einfach", sagt er augenzwinkernd, während sich um die Stadtkirche herum zig Leute mit Eistüten tummeln.

Nicht eigentlich zu alt?

Bei aller Disziplin und bis zu 30 Stunden Training die Woche: Laien wundern sich schon über Geigers Leistung. Ist man mit 38 Jahren eigentlich schon "alt" für so ein Top-Ergebnis (09:12:23)? Mitnichten: "Triathleten erreichen den Höhepunkt ihrer Fitness zwischen 35 und 40 Jahren", sagt er. Denn das sei das Alter, in dem nicht nur die körperliche Verfassung sehr gut sei, sondern eben auch die mentale, die eine große Rolle dabei spielt, den inneren Schweinehund zu überwinden.

Mentale Herausforderung und Selbstzweifel

Auch, wenn der in Frankfurt Geigers erster Ironman war – geträumt hatte er davon schon lang. Bereits 2020 wollte er teilnehmen. Darauf vorbereitet hatte er sich Monate im Voraus: beim TV Weilstetten schwimmen und laufen, beim Velo Racing Team Albstadt radfahren. Er absolvierte ein Trainingslager auf Lanzarote, lief am 1. März 2020 noch einen Marathon, aber "schon unter düsteren Vorzeichen". Dann kam der harte Corona-Lockdown, Absage des Wettkampfs und Stillstand in allen Bereichen – für Geiger eine große mentale Herausforderung mit vielen Selbstzweifeln, die er mit Radtouren – zum Beispiel "einmal 500 Kilometer rund um den Schwarzwald" – überwand.

2022 wird es wahr

Ein schwerer Fahrradunfall im September 2020 warf ihn weit zurück, unter Corona-Bedingungen dauerte seine Genesung ein halbes Jahr. 2021 stand wieder im Zeichen der Absagen. 2022 sollte es dann sein. Endlich!

Wenn er weit zurückschaut, bis in die Schulzeit und das junge Erwachsenenalter, wird klar: Der Traum, an einem Ironman teilzunehmen, begann damals schon zu keimen. Nämlich nach der Teilnahme an einem Volkstriathlon "um die Ecke" – in Schömberg. Dabei sah es in der Schulzeit gar nicht so gut aus, zumindest nicht, wenn sich Geiger an seine Sportnote erinnert: "In der zehnten Klasse habe ich fast eine Vier in Sport kassiert", gesteht er freimütig.

Heute lacht er drüber

Heute kann er darüber lachen. "Nicht dass ich unsportlich gewesen wäre, aber das Schulsystem zwingt einen in eine Schiene, die nicht alle Talente abbilden kann", meint er. Im Basketball hagelte es sogar mal eine Sechs: "Ballsportarten sind nicht mein Ding." Dafür aber Leichtathletik und Schwimmen – beides spielte im Sportunterricht keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

Und heute, noch ganz im Frankfurt-Glück, gibt es da schon nächste Pläne, Wettkämpfe, an denen er teilnehmen will? "Viele", sagt Geiger. "Den ›Albstadt Bike Marathon‹, den ›Black Forest Ultra Bike Marathon‹ in Kirchzarten und den ›Ötztaler Radmarathon‹", zählt er auf. Sogar für den berühmtesten Ironman-Wettbewerb, nämlich den auf Hawaii Anfang Oktober, hat er die Qualifikation in der Tasche. Teilnehmen kann er allerdings nicht: "Wegen der Pandemie haben sich alle Qualifikationen seit 2019 aufgestaut." Heißt: Diesmal werden sehr viele Teilnehmer an den Start gehen. Dies und die derzeit explodierenden Preise treiben die Kosten für Flug und Hotel in die Höhe. "Für drei Wochen auf Hawaii ist man schätzungsweise 15 000 Euro los", rechnet er vor. Den Jetlag überwinden, sich akklimatisieren und trainieren, dafür brauche man Zeit vor Ort.

Die Quali für den Ironman Hawaii

"Vielleicht das nächste Mal, sollten die Preise wieder fallen. Und vielleicht findet sich ja auch ein Sponsor", meint er und steigt aufs Rad. Jetzt geht’s zurück nach Frommern. Von der Balinger City aus sind das etwa fünf Kilometer. "Das ist ja kein Weg", meint er lächelnd und düst los.

INFO: Ironman: 3,8+180+42 Kilometer

Auf Deutsch übersetzt heißt Ironman "eiserner Mann". Der erste Wettbewerb über die Langdistanz im Triathlon fand im Jahr 1978 auf Hawaii statt. Die Teilnehmer beginnen mit dem Schwimmen über eine Distanz von 3,8 Kilometern. Im Anschluss steigen die Männer und Frauen aufs Rennrad: 180 Kilometer sind zu bewältigen. Der drittel und letzte Teil ist ein Marathonlauf. Hier gilt es eine Distanz von 42 Kilometern durchzustehen.