Frittlingen verliert die Geduld mit ihrem dauerkranken Bürgermeister. Foto: dpa

Martin Leo Maier bleibt Rathaus weiter fern: Frittlingen verliert nach einem Jahr die Geduld.

Frittlingen - Frittlingen ist seit fast einem Jahr ohne Bürgermeister: Martin Leo Maier ist krank geschrieben – trotz anderer Signale auch weiterhin. Der Fall erinnert an den erkrankten Bürgermeister Stephan Kröger in Dunningen.

 

Frittlingens Bürgermeister Martin Leo Maier ist erneut krank geschrieben, nun bis 30. September. Eigentlich hatten alle Signale danach ausgesehen, dass Maier nach seiner letzten Krankschreibung bis Ende Juni wieder zum Dienst erscheinen würde. Jetzt kam am Montag eine weitere Krankschreibung im Rathaus an. Der stellvertretende Bürgermeister und die Gemeindemitarbeiter verlieren die Geduld.

Wie lange geht das noch?

Maier ist seit einem Jahr krank geschrieben. Was genau los ist, wie er sich zu seiner Gemeinde stellt, die nun kein Oberhaupt hat – es gab so gut wie keine Kommunikation. Wenn ein Bürgermeister länger krank ist, kann ein amtsärztliches Gutachten verlangt werden, das eine Prognose erstellen soll, ob der Amtsinhaber voraussichtlich wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren werde oder nicht.

Was in dem Gutachten stehe, wisse er nicht, sagt der stellvertretende Bürgermeister Raimund Bader. Das sei für ihn aber auch nicht relevant. Relevant sei, zu wissen, wie es langfristig weitergeht. Noch sechs Jahre der Amtszeit so weiter zu machen, das gehe nicht.

Offenbar hat das amtsärztliche Gutachten aber eine positive Prognose auf ein halbes Jahr ergeben. Nun ist Maier nach der anvisierten Frist aber wieder nicht gesund und alle sind ratlos.

Landratsamt am Zug

Frittlingen blickt nun immer öfter nach Tuttlingen. Das Landratsamt, genauer die Rechtsaufsicht, ist in Ermangelung eines direkten Vorgesetzten eines Bürgermeisters für diese Aufgabe zuständig. Für weitere beamtenrechtliche Schritte, etwa ein Zurruhesetzungsverfahren oder auch eine Entlassung, wäre das Landratsamt zuständig.

Man nehme Kontakt mit Maier auf und bitte ihn um Stellungnahme zu den weiteren Schritten, so der Erste Landesbeamte Stefan Helbig.

In Frittlingen sind sowohl der stellvertretende Bürgermeister Raimund Bader, der eigentlich in Altersteilzeit ist, wie auch die Mitarbeiter an der Grenze der Geduld und der Belastbarkeit angekommen. Dies vor allem, weil auch der Hauptamtsleiter im Februar die Gemeinde verlassen hat. Er wurde Bürgermeister von Durchhausen.

Bewerber ziehen zurück

Das operative Geschäft läuft reibungslos, Bader bekommt von überall her Zufriedenheit widergespiegelt. "Ich denke, die Bürger merken gar nicht, welche Probleme wir haben. Die Geschäfte laufen, das Rathausteam arbeitet sehr viel. Aber auch durch den Abgang von Herrn Axt sind alle an der Grenze." Bisher habe die Stelle nicht wiederbesetzt werden können. Es hätten sich zwar einige Bewerber gemeldet, als sie aber im persönlichen Gespräch hörten, in welcher Lage sich Frittlingen im Bezug auf den Bürgermeister befinde, hätten sie einen Rückzieher gemacht.

Nach der erneuten Krankschreibung glaubt kaum mehr jemand daran, dass Maier zurück kommt beziehungsweise, dass dies reibungslos vollzogen werden könne: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, als ob nichts gewesen wäre, da fehlt mir die Fantasie", sagt Bader. "Für uns ist die Situation unbefriedigend. Wir wollen endlich erkennen, in welche Richtung es geht."