Verschnaufpause im Friseur-Stuhl: Meister Mike Kroemer in Freudenstadt Foto: Hannes Kuhnert

Mike Kroemer war einst der jüngste Friseurmeister in Freudenstadt – jetzt, mit 77 Jahren, ist er der älteste.

„Alles was hier Rang und Namen hat, war schon mal auf meinem Stuhl gesessen. Da bin ich schon a bissle stolz drauf“, sagt Mike Kroemer mit leisem Schmunzeln. „Wenn sie vielleicht auch nur einmal da waren, aber da waren sie alle.“ Mit seinen 77 Lebensjahren ist Kroemer der sicherlich älteste noch voll aktive Friseurmeister in Freudenstadt, vielleicht sogar der gesamten Region.

 

Einst war er der jüngste Meister in Freudenstadt, doch das ist schon 47 Jahre her. Seitdem hat er viele Kollegen und viele Salons in der Stadt kommen und auch wieder gehen sehen. Sein Geschäft in der Reichsstraße 47 ist geblieben und bleibt es wohl noch eine Weile. Denn mit Veränderungen hat es Mike Kroemer nicht so, abgesehen davon, dass er seinen Salon alle Jahrzehnte grundlegend erneuert.

Oldtimer-Porsche als Urlaubersatz

Mike Kroemer ist einzigartig. Er war noch keinen Tag krank, hatte noch keinen Tag Urlaub, kennt seit Jahren keinen freien Tag und ist rundum glücklich damit. Und zufrieden: „Ich will einfach im G‘schäft sein, lebe fürs G‘schäft.“ Immerhin leistet er sich einen 30-jährigen Oldtimer-Porsche „als Urlaubersatz“ und kann sich wahrhaftig als ein Mann, der großen Wert auf Sauberkeit legt, an Samstagnachmittagen beim Werkeln zuhause auch mal die Hände schmutzig machen. Aber das war’s dann schon.

Ansonsten steht er in seinem Geschäft und schneidet Haare, schneidet und frisiert vorwiegend Männerschöpfe, stylt aber auch Frauenköpfe und bekennt sich als „Kurzhaar-Fan“. Er hat alle Launen der Frisurenmode im Lauf der Jahre freudig mitgemacht und nach eigenen Worten in seinen 50er-Jahren die beste Zeit gehabt.

Friseursalon in der „Traube Tonbach

Als Friseur erfährt er viel und weiß ohnehin fast alles, unterhält sich auch gern mit seinen Kunden, weiß aber auch, dass ein guter Figaro verschwiegen sein muss. Das hat er schon in jungen Jahren gelernt. An der Mosel geboren, mit 14 Jahren die Schule fertig, mit 17 die Lehre beendet, kam Michael – den alle nur Mike nennen – nach Baiersbronn, arbeitete im Friseursalon in der „Traube Tonbach“, dann zwei Jahre im „Brenners“ in Baden-Baden.

Seinerzeit lernte er die „speziellen Kunden“ kennen, wie er sie nennt. Promis aus Film, Fernsehen, Radio, Politik und Wirtschaft. Noch heute, da manch einer der „Speziellen“ längst das Zeitliche gesegnet hat, kommt ihm kein Name über die Lippen. Da ist Mike Kroemer eigen, lächelt mitunter versonnen nachsichtig und behält Namen für sich.

Salon in einer ehemaligen Fahrradwerkstatt

1977, im gleichen Jahr seiner Hochzeit mit Frau Sieglinde („die gute Seele im Betrieb“), eröffnete das Paar in einer gepachteten ehemaligen Fahrradwerkstatt in Freudenstadt seinen Friseursalon, der noch heute in Betrieb ist. Das Geschäft ließ sich gut an, bis zu einem Dutzend Mitarbeiter wurden beschäftigt, dazu regelmäßig junge Leute fachlich ausgebildet.

Mehr als 60 Jahre ist Mike Kroemer jetzt Friseur, schafft nach eigenen Worten „noch gern und voll mit“, auch wenn er inzwischen das Alter spürt und sich die Belegschaft verkleinert hat. Sein innigster Wunsch ist der gleiche wie am Anfang: „Dass ich jeden Tag den Laden aufmachen kann und dass es ein guter Tag wird.“