Parken in manchen Wohnstraßen – wie hier in der Predigerstraße – soll künftig kosten. Foto: Otto

Die Berichterstattung über die geplanten neuen Parktarife in Rottweil hat bei Anwohnern, Arbeitnehmern und Geschäftsleuten für ordentlich Aufruhr gesorgt. Nach der Beratung im Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss vergangene Woche stand das Thema am Mittwochabend im Gemeinderat zur Debatte. Die Stadträte berichteten von zahlreichen Bedenken, die an sie herangetragen worden seien.

Rottweil - Wie berichtet, soll im Zuge des neuen Mobilitätskonzepts das "Bewohnerparken" in einigen Wohnstraßen und -gebieten eingeführt werden. Mit dem freien Parken am Straßenrand ist es dort damit vorbei. Nicht nur für Dauerparker, die die Straßenzüge gerne nutzen, um stadtnah parken zu können, sondern auch für die Bewohner selbst, die dann einen Anwohnerausweis brauchen. Insgesamt soll damit dafür gesorgt werden, dass die "Parkierungsschwerpunkte" im Norden (Nägelesgraben) und Süden (neues Parkhaus) angenommen werden.

Auf Unverständnis stößt unter anderem die Frage, warum manche Straßen von dieser Veränderung betroffen sind, andere aber nicht. Wie Arved Sassnick (SPD+FFR) berichtete, hätten sich Anwohner bei ihm gemeldet mit dem Hinweis, dass auch im Turmweg und der Konrad-Witz-Straße viele Parkplätze von Dauerparkern belegt seien. Für Ira Hugger (Grüne) gehören auch Grundstraße und Kampitschstraße dringend in das Konzept aufgenommen. Ihrer Fraktionskollegin Ingeborg Gekle-Maier erschloss sich ebenfalls nicht, warum die Grundstraße zurückgestellt wurde.

"Zeitschiene" müsste überprüft werden

Günter Posselt (CDU) erhielt aus den Reihen von Gewerbetreibenden unter anderem den Hinweis, dass die "Zeitschiene" bei den Parktarifen überprüft werden müsste. So müsste es für eine Frau schon möglich sein, auch mal einen längeren Friseurtermin wahrnehmen zu können, ohne Gefahr zu laufen, ein Knöllchen zu kassieren.

Ulrike Stauss erinnerte an die Belange von Hotels und Ferienwohnungen. Wenn Gäste abends ankommen, müsse das am Abend gezogene Ticket auch am nächsten Morgen noch bis 10 Uhr gelten Schließlich wolle man Touristen nicht gleich mit einem Strafzettel begrüßen.

Ob man angesichts der vielen Dauerparker womöglich noch eine Etage auf das geplante Parkhaus draufsetzen könnte? Diese Frage von Peter Schellenberg (FWV) stieß bei Bürgermeister Christian Ruf auf nicht allzu viel Begeisterung. Möglich sei es, doch das Konzept stehe, der Bebauungsplan sei in der Mache und die Kosten schraube das natürlich deutlich nach oben.

"Wildwestverhalten" soll sich bessern

Pascal Schneider (CDU) warf ein, dass man auch den Freiraum außerhalb des Parkhauses zur Kaiserstraße hin nutzen könne. Und Monika Hugger (CDU) erinnert daran, dass man sich über die Parktarife am Wochenende Gedanken machen müsse. Damit ließe sich auch das aktuelle "Wildwestverhalten" in der Stadt bessern.

Oberbürgermeister Ralf Broß versicherte, dass man die einzelnen Aspekte auf dem Schirm habe. Was die betroffenen Straßen angehe, so wolle man zunächst dort aktiv werden, wo dringender Bedarf bestehe. Dann sehe man, wie sich das Parksuchverhalten verändert – und könne nachjustieren. Auch die Tarife am Wochenende habe man im Blick. Diese bekommen laut Broß spätestens mit der Hängebrücke noch einmal besondere Relevanz.

Der Gemeinderat stimmte dem Konzept einstimmig zu. Die Hinweise von vergangener Woche – unter anderem kein freies Parken für E-Autos und spezielle Dauerparker-Tarife – wurden in den Beschluss aufgenommen.

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