Immer gepflegt, immer in Schale: So kennt man Friseurmeister Mike Krömer seit mehr als 60 Jahren. Foto: Hannes Kuhnert

Friseur Mike Krömer war einst der jüngste Friseurmeister in der Stadt. Er hat vielen Promis den Kopf gewaschen. Nun gibt er sein „G‘schäft“ in der oberen Reichsstraße in neue Hände.

Am Vormittag des Silvestertages hat er noch ein paar Stunden ganz normal gearbeitet, hat Haare geschnitten. Dann den Schlüssel in seinem Frisiersalon rumgedreht und die Übergabe vorbereitet. Michael, Mike, Krömer macht Schluss. Der älteste aktive Friseur Freudenstadts geht in den Ruhestand, legt die Schere zur Seite, weiß sehr wohl, dass man ihn in Freudenstadt bereits eine „Friseurlegende“ nennt. Oder ist etwa doch noch nicht ganz Schluss?

 

Sein geliebtes „G‘schäft“ in der oberen Reichsstraße ist jedenfalls den ganzen Januar geschlossen. Im Februar soll es wieder öffnen mit einer neuen Friseurmeisterin und einem neu modellierten Salon. „Sie kommt von hier“, sagt Krömer über seine Nachfolgerin, der er gern seine Stammkundschaft anvertraut. Mehr will er nicht verraten. Und in der Anfangszeit will er ihr gern zur Seite stehen und noch „gewisse Zeiten im G’schäft“ sein, um Stammkunden die Haare zu schneiden. Aber nur zum Start, versteht sich.

Lange gesucht, endlich gefunden

Er ist glücklich, dass es jetzt zum Jahreswechsel mit der Übergabe so reibungslos geklappt hat, gesucht habe er schon lange. „Sonst hätte ich ja ganz gern ein bissle länger gemacht. Ich bin ja noch fit. Mir fehlt nix.“

Er war – er ist – seit mehr als 60 Jahren fit in seinem Beruf, war nie einen Tag krank, hat nie Urlaub gemacht, hatte seit Jahren keinen freien Tag mehr, war immer und gern in seinem „G’schäft“, hat dort vorwiegend an Männerköpfen die Haare frisiert und geschnitten, dabei alle Spielereien der Frisurenmode mitgemacht.

In Hotels in Baden-Baden und Baiersbronn-Tonbach

Mit 14 Jahren hatte er seine Lehre begonnen, hat in den besten Hotels in Baden-Baden und Baiersbronn-Tonbach auch „speziellen Kunden“, wie er sagt, aus Funk, Film und Fernsehen, aus Sport und Politik den Kopf gewaschen und wusste auch bei Kundschaft aus lokaler Prominenz, dass ein guter Figaro kleine Geheimnisse bei sich behalten muss. Heute ist er stolz darauf, dass er sich mit den Damen und Herren in seinem Frisierstuhl stets gut und gepflegt unterhalten konnte.

Seit 1977 mit Frau Sieglinde verheiratet, eröffnete er im gleichen Jahr in einer gepachteten, ehemaligen Fahrradwerkstatt in der Reichsstraße den Friseursalon, den er jetzt, 48 Jahre später, abgegeben hat. Seine Frau war immer die gute Seele im Betrieb, wie Krömer dankbar sagt. Bis zu einem Dutzend Mitarbeiterinnen wurden zeitweise beschäftigt, regelmäßig junge Leute ausgebildet.

Die großen Freudenstädter Hotels

Das alles ist lange her. Lang her auch die Zeiten, in denen die ganze Belegschaft selbstverständlich auch am 24. Dezember, erst recht an Silvester bis spät in die Nachmittags- und Abendstunden Festtagsfrisuren zauberten.

Da beginnt Krömer zu schwärmen in seligen Erinnerungen an die großen Freudenstädter Hotels wie Rappen, Steigenberger, Eden, Schwarzwaldhotel oder an den glanzvollen Silvesterball in allen Räumen des Kurhauses. „Das waren die besten Zeiten, damals waren noch viele Urlauber in der Stadt“, sagt er und lächelt verträumt.