Kristian Saeveras steht seit Beginn der Saison bei Frisch Auf Göppingen zwischen den Pfosten. Foto: Baumann

Kristian Saeveras bringt alle Anlagen für einen Weltklassekeeper mit, mit ihm will sich Frisch Auf Göppingen nach vorne orientieren. Nun geht es gegen seinen Ex-Club SC DHfK Leipzig.

Er kam beim Stand von 27:27 fünf Minuten vor Schluss. Dreimal brachten die Spieler des HC Erlangen den Ball frei vor Kristian Saeveras nicht am Torwart von Frisch Auf Göppingen vorbei. Am Ende triumphierte die Mannschaft von Trainer Ben Matschke mit 29:28 und der Matchwinner stellte mit einen Lächeln sachlich korrekt und vollkommen zufrieden fest: „Die Zahl meiner Paraden hat genau gereicht. Eine weniger und wir hätten nicht gewonnen.“ Der 29-Jährige hatte in der Arena in Nürnberg zunächst nicht seinen besten Tag erwischt, räumte zwischen Minute 26 und 56 den Platz zwischen den Pfosten für den 21-jährigen Julian Buchele. Doch als es in der Crunchtime drauf ankam, da war der Routinier voll da. Und genau das zeichnet die großen Torhüter aus.

 

Ruhiger Familienmensch

Ein großer Torwart, das ist der Norweger auf jeden Fall, zumindest was die Körperlänge betrifft: Er misst 1,97 Meter. Für Runar Sigtryggsson, drei Jahre lang sein Trainer beim SC DHfK Leipzig, bringt der außerhalb des Feldes ruhige Familienmensch alle Anlagen für einen Weltklassemann mit: Neben seiner Spannweite enorme Beweglichkeit, Explosivität, gutes Stellungsspiel und top Fitness. Er kann ein Spiel lesen. Hinzu kommt sein riesiger Ehrgeiz, der ihn regelmäßig zum Schieben von extra Schichten treibt. Warum es für ihn dann noch nicht in die absolute Elite der Toptorhüter gereicht hat? Sigtryggssons Erklärung: „Er hatte noch nie eine total stabile Abwehr von internationalem Format vor sich.“

FAG-Torwart-Duo Saeveras/Buchele Foto: IMAGO/Eibner

Das Zusammenspiel mit der Deckung ist für die Torhüter von elementarer Bedeutung. Bei Frisch Auf ist vor allem auf den Stamm-Innenblock Ymir Gislason/Victor Klöve Verlass. Überhaupt ist der Keeper von seinem Team überzeugt: „Ich habe großes Vertrauen in dieses Projekt. Es geht in die richtige Richtung mit dieser jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft“, sagt der vor dem Duell mit seinem Ex-Club SC DHfK Leipzig (Donnerstag, 19 Uhr/EWS-Arena), für den er von 2000 bis 2025 zwischen den Pfosten stand.

Warum er überhaupt einen Tapetenwechsel vornahm? „Ich wollte nach fünf Jahren eine neue Herausforderung annehmen“, erklärt Saeveras, für den der SC DHfK Tomas Mrkva vom THW Kiel als Gespannpartner von Domenico Ebner holte. Saeveras’ norwegischer Nationaltrainer Jonas Wille hätte es gerne gesehen, wenn er zu einem Club gewechselt wäre, der auf der europäischen Bühne am Ball ist. Dies kam nicht zustande. „Meine erste Priorität war es, viel Spielzeit zu bekommen. Das war mir wichtiger und lieber als bei einem international vertretenen Verein vielleicht nur 50 Prozent zu spielen“, erklärt Saeveras.

Starke Konkurrenz in Norwegen

Ob das der Verband auch so sieht, wird sich zeigen. Bei der vergangenen WM war Saeveras die Nummer drei. Mit Torbjoern Bergerud (Kolstad Handball), Andre Kristensen (Sporting Lissabon), Robin Haug (HSV Hamburg) und Sander Drange Heieren (TTH Holstebro) gibt’s starke Konkurrenz für den Neu-Göppinger, der 95 Länderspiele absolviert hat und 2020 bei der EM mit Norwegen Bronze holte.

Doch zunächst zählt nur die Bundesliga, zählt nur Frisch Auf, zählt nur die Partie gegen Leipzig. „Klar ist das ein besonderes Spiel für mich. Und klar wird es nicht einfach, denn Leipzig steht mit seinen 0:6 Punkten unter Druck, und sie haben danach einen hammerharten Spielplan.“ Und Frisch Auf hat nach drei Spielen – davon zwei Auswärtsspiele – immerhin 3:3 Punkte auf dem Konto. „Wenn wir Leipzig schlagen, können wir mit dem Start durchaus zufrieden sein“, sagt Saeveras. Sollten die Grün-Weißen danach beim TVB Stuttgart (18. September, 19 Uhr) gewinnen, dann hätte Frisch Auf nach fünf Spieltagen schon so viele Auswärtszähler gesammelt wie in der gesamten vergangenen Runde zusammen.

Und das Selbstvertrauen wäre weiter angewachsen. Auch mit Blick auf das übernächste Duell mit Leipzig. Bereits am 1. Oktober (19 Uhr) kommt der SC DHfK zum DHB-Pokal-Zweitrundenspiel schon wieder in die EWS-Arena.

Saison 2025/26

Ergebnisse und Termine
GWD Minden – FAG 28:28, FAG – Füchse Berlin 26:32, HC Erlangen – FAG 28:29, FAG – SC DHfK Leipzig (11. September, 19 Uhr), TVB – FAG (18. September, 19 Uhr), SG Flensburg-Handewitt – FAG (28. September, 15 Uhr), FAG – SC DHfK Leipzig (1. Oktober, 19 Uhr/DHB-Pokal, zweite Runde), FAG – TSV Hannover-Burgdorf (4. Oktober, 19 Uhr), Rhein-Neckar Löwen – FAG (9. Oktober, 19 Uhr), FAG – VfL Gummersbach (12. Oktober, 18 Uhr), FAG – Bergischer HC (17. Oktober, 19 Uhr), HSG Wetzlar – FAG (23. Oktober, 19 Uhr). (jüf)