Markus Baur erlebt hochemotionale Spiele, seit er Trainer von Frisch Auf Göppingen ist. Foto: Baumann/Julia Rahn

Markus Baur hat in seinen ersten 100 Tagen als Trainer von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen schon viel erlebt. Wie fällt seine Zwischenbilanz vor dem Heimspiel an diesem Samstag gegen die SG Flensburg-Handewitt aus? Was sind seine Ziele?

Er wirkt locker. Die Mundwinkel gehen oft nach oben. Markus Baur lacht viel, seit er das Traineramt bei Frisch Auf Göppingen am 30. November 2022 übernommen hat. Nach seiner über vierjährigen Pause war dem Weltmeister von 2007 die Lust auf Handball vom ersten Tag an anzumerken. Wie er seine ersten 100 Tage beschreiben würde? „Es war eine sehr intensive, sehr anstrengende, sehr emotionale, aber vor allem eine schöne Zeit“, sagt der Coach des Bundesligisten.

 

Anspruchsvolle Aufgaben

Vor und nach der WM-Pause ging es Schlag auf Schlag. 14 Pflichtspiele hat Frisch Auf unter seiner Regie bereits absolviert. Die Bilanz in nackten Zahlen: sieben Siege, zwei unentschieden, fünf Niederlagen. Wobei es in der Bundesliga unter Baur für den aktuellen Tabellen-14. (13:31 Punkte) lediglich 6:10 Zähler gab. „In der Liga waren schon sehr anspruchsvolle Gegner dabei, die in der Tabelle zum Teil weit vor uns stehen. Von daher kann ich mit den sechs Punkten gut leben“, sagt er vor der nächsten anspruchsvollen Aufgabe am kommenden Samstag (20.30 Uhr/EWS-Arena) gegen den Tabellenfünften SG Flensburg-Handewitt (32:10 Punkte).

Schon unter Baurs Vorgänger Hartmut Mayerhoffer war das allergrößte Problem die Chancenverwertung. An dieser fehlenden Effizienz im Abschluss hat sich wenig geändert, was der ehemalige Weltklasse-Spielmacher auch erst gar nicht versucht, anders darzustellen: „Unser Angriffsspiel ist auf jeden Fall verbesserungswürdig, dazu gehört auch die Wurfqualität.“ Stabilisiert hat sich Frisch Auf dagegen in der Abwehr. Auch das Zusammenspiel zwischen Deckung und Torhüter klappt um einiges besser.

Marin Segos großer Sprung

Den größten Sprung nach vorne machte Keeper Marin Sego. Trotz seiner großen Erfahrung wirkte der 37-Jährige bis zu Baurs Einstieg total verunsichert, wurde schon als Fehleinkauf tituliert – doch dann knüpfte der Kroate an alte Glanzzeiten an. „Ich habe ihm gesagt, dass er extrem wichtig für uns ist, dieses Vertrauen tut jedem gut – völlig egal, ob jung oder alt“, sagt Baur. Bei den Feldspielern legte Segos Landsmann Josip Sarac seit dem Trainerwechsel noch eine deutliche Schippe drauf, übernahm vorne und hinten viel Verantwortung. Die Folge: die Vertragsverlängerung mit dem auch bei anderen Clubs begehrten Rückraumspieler bis 2025. Damit steht der 16-Mann-Kader für die kommenden Saison schon sehr früh.

Doch Baur hat mit Frisch Auf auch in dieser – zumindest lange Zeit – total verkorksten Runde noch einiges vor. In der Liga ist ein Abstiegsrang nach wie vor näher als eine Platzierung, die eine erneute Teilnahme am internationalen Geschäft zur Folge hätte. „Die Zielsetzung lautet, in der Liga Schritt für Schritt so weit wie möglich nach oben zu kommen. Wir sind in der Lage, gegen fast jeden Gegner zu gewinnen, und ich bin generell kein Typ, der nach hinten schaut“, sagt Baur. Ob es dann am Ende Platz zwölf, zehn oder acht wird, ist letztlich nicht das alles Entscheidende.

Valur Reykjavík als Herausforderung

Gerettet werden kann die Runde ohnehin nur noch über das internationale Geschäft. Wenn, ja wenn über die European League das vielleicht Unmögliche möglich gemacht wird und mit einem Titelgewinn die erneute Qualifikation für Europa geschafft wird. Doch bis dahin ist es für den EHF-Pokal-Champion der Jahre 2011, 2012, 2016 und 2017 noch ein sehr weiter Weg. „Schon das Achtelfinale wird eine sehr hohe Hürde, Valur spielt mit seiner jungen Mannschaft einen äußerst temporeichen Handball“, warnt Baur vor Valur Reykjavík.

Final Four in Flensburg lockt

Am 21. März steht das Hinspiel in Island an, am 28. März (jeweils 20.45 Uhr) folgt das Rückspiel in Göppingen. Im Erfolgsfall muss noch das Viertelfinale (gegen Nexe Nasice/Kroatien oder HC Motor Zaporizhzhia/Ukraine) gemeistert werden, ehe die Final-Four-Teilnahme gesichert wäre. Das Endturnier am 27./28. Mai findet in Flensburg statt – und hochkarätige Konkurrenz aus der Bundesliga mit den Füchsen Berlin und der SG Flensburg-Handewitt ist dort zu erwarten.

Doch das ist Zukunftsmusik. Viel realer ist das Gastspiel der Flensburger am kommenden Samstag um Ligapunkte in der EWS-Arena. Gut möglich, dass dabei das Comeback von Sebastian Heymann über die Bühne geht. Der Nationalspieler hatte sich im Mai 2022 das zweite Mal nach 2019 das Kreuzband gerissen. Der 25-Jährige ist so etwas wie der erste Neuzugang unter der Regie von Markus Baur. Die Aussicht darauf lässt dessen Mundwinkel nach oben gehen. Wie so oft eben, seit er das Amt unterm Hohenstaufen übernommen hat.

So geht’s für Frisch Auf weiter

Bundesliga
Frisch Auf – SG Flensburg-Handewitt (18. März, 20.30 Uhr), GWD Minden – Frisch Auf (25. März, 17.30 Uhr), Frisch Auf – Bergischer HC (2. April, 16.05 Uhr), HSV Hamburg – Frisch Auf (20. April, 19.05 Uhr).

European League
Valur Reykjakvík – Frisch Auf (21. März, 20.45 Uhr/Achtelfinale, Hinspiel), Frisch Auf – Valur Reykjavík (28. März, 20.45 Uhr/Achtelfinale, Rückspiel). Viertelfinale: 11. April/18. April. Final Four: 27./28. Mai in Flensburg. (jüf)