Richard Kopf ist seit mehr als 50 Jahren Winzer und liebt seine Arbeit und den Friesenheimer Wein. Für die Zukunft sieht er allerdings schwarz. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Steigende Kosten, erhöhte Auflagen an den Pflanzenschutz, höhere Mindestlöhne und der Klimawandel setzen dem heimischen Winzer massiv zu. Ungewiss bleibt die Nachfolgeregelung.

"Wenn wir in diesem Jahr die 30 und 40 Prozent Pflanzenschutz eingespart hätten, die von der Politik künftig gefordert sind, dann hinge nicht eine einzige Beere am Weinstock", sagt Richard Kopf, Vorsitzender der Winzergenossenschaft Friesenheim, gegenüber der Lahrer Zeitung. Bei aller Liebe zum Weinbau, zum Erbe von Eltern und Großeltern: Wirkliche Zukunft bringe die Arbeit im Weinberg nicht mehr. Erspartes müsse oft genug für Verluste aus den Vorjahren herhalten. Wenn Friesenheimer Wein mit Weinen zum Preis unter zwei Euro konkurriere, dann brauche es keine großen Mathematiker, um die Konsequenz zu erkennen.

Sohn wurde nahegelegt, Weinberg erst einmal nicht zu übernehmen

Ob sich guten Gewissens der Weinbau in die nachfolgende Generation übergeben lässt: Kopf hat seine Zweifel. Sein Sohn Elias Kopf ist 19 Jahre alt. Seine Ausbildung als Winzer hat er erfolgreich abgeschlossen. "Eigentlich wollte er sofort mitarbeiten und ist Feuer und Flamme", weiß Vater Kopf.

So sei es auch damals bei ihm gewesen und so sei es bei seinem Vater gewesen. Aber diese Art von Generationenvertrag lasse sich nicht mehr eins zu eins ruhigen Gewissens weitergeben. "Ich hatte schon schlaflose Nächte und habe immer wieder meine Zweifel, ob der Weinbau noch eine gesicherte Zukunft garantiert", so Kopf. Ergo habe er seinem Sohn nach der Ausbildung zum Winzer eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechaniker nahegelegt. Nach der Ausbildung – in drei Jahren – ließe sich dann noch immer eine Entscheidung treffen.

Kosten für Maschinen, Pflanzenschutz und Saisonarbeitskräfte türmen sich über dem Winzer und Landwirt auf. Ein einfacher Rebschlepper koste von einem deutschen Hersteller 120 000 Euro. Mulcher seien für 10 000 Euro zu haben. "Und auch die Arbeitskräfte sind nicht zum Schnäppchenpreis zu bekommen", sagt Kopf. Wie lange sich diese Arbeitskräfte noch halten lassen, stehe in den Sternen. Aber eines sei klar: Ohne Saisonkräfte aus Rumänien oder Polen lasse sich der heimische Weinbau nicht bestreiten.

Die Zukunft des heimischen Weinbaus sieht Kopf eher unsicher. Zu viele offene Fragen berge die Selbstständigkeit als Winzer. Das Einkommen sei immer abhängig von der Vegetation, der Politik, vom Klima und letztlich auch vom Verbraucher. Viele Kollegen hätten bereits das Handtuch geworfen. Gab es in früheren Jahren noch eher ein Gerangel um die Pacht der besten Rebanlagen, wenn Kollegen in Rente gingen, so interessiere sich in Friesenheim kaum mehr ein Winzer für eine zusätzliche Pacht. Frustrierend sei die Situation.

Gute Arbeit kostet seinen Preis und sollte unterstützt werden

Bei gestiegenen Kosten und Auflagen, sehe sich der Winzer nicht mehr in der Lage, entfallene Gewinne zu kompensieren. "Auch in diesem Jahr hängen nur noch 50 Prozent der erwarteten Ernte im Weinberg", so Kopf. MIt großen Verlusten sei also zu rechnen, dabei sind noch nicht einmal die Verluste aus den Vorjahren verkraftet.

Viele Menschen lieben ihren Spaziergang durch die Friesenheimer Weinberge. Dass die Bewirtschaftung noch nie zum Schnäppchenpreis zu haben war, sollte einleuchten, so Kopf. Gute Arbeit brauche faire Preise beim Wein und die Unterstützung des Verbrauchers mit dem Griff ins Weinregal, wenn Friesenheimer Wein auf dem Etikett steht.

130 Hektar

Die Winzergenossenschaft Friesenheim bewirtschaftet 130 Hektar Weinberg mit 65 Winzern. 50 Prozent der Reben sind Spätburgundertrauben. Bei den restlichen 50 Prozent liegen Weißburgunder, Grauburgunder, Müller-Thurgau sowie Sauvignon Blanc vorne.