IT- und Funkspezialistin Theresa Thoma arbeitet für ein Jahr in der Forschungsstation "Neumayer-Station-III". Foto: Felix Riess

Wissenschaft: Derzeit herrschen dort Minus 20 Grad

Friesenheim - Die "Science Class" der Realschule und Werkrealschule Friesenheim hat einen Funkkontakt zur Antarktis hergestellt. Alle Schülerfragen wurden von Forscherin Theresa Thoma beantwortet.

Die neue "Science Class" (Wissenschaftsklasse) der Realschule und Werkrealschule hat die IT- und Funkspezialistin der deutschen Antarktis-Forschungsstation "Neumayer-Station-III", Theresa Thoma, mit Fragen überhäuft und so einen umfassenden Eindruck vom Leben und der Forschungsarbeit auf dem kältesten und trockensten Kontinent erhalten.

Erst möglich gemacht hat den Funkkontakt Lehrer Sascha Flum mit seinen Kollegen Peter Dreyer und Rolf Lehmann vom Amateurfunkverein in Lahr. So ließen sich über den geostationären Amateurfunksatelliten "QO-100" mit von den Funkamateuren selbst entwickelten und zusammengebauten Geräten störungsfreie Funkverbindungen ins ewige Eis herstellen. "Das klappt nicht aus jedem Land", erklärte Flum den Fünftklässlern. Von Amerika aus sei dies beispielsweise nicht möglich.

In der Antarktis ist gerade finstere Nacht, die Polarnacht dauert 63 Tage. "Erstmals nach langen Monaten sehe ich einen orangefarbenen Streifen von Sonne am Horizont", erzählt Thoma am andren Ende der Leitung. Die Verbindung war recht stabil und wird lediglich mit einer Sekunde Zeitverzögerung hergestellt.

Ein Jahr Aufenthalt auf der Forschungsstation

Während die Klasse bei gefühlten 30 Grad im Klassenzimmer saß, sprach die Forscherin von minus 20 Grad. "Die kälteste Temperatur war in diesem Winter bei minus 46,3 Grad", sagt Thoma. Ein Jahr wird die Forscherin im ewigen Eis auf der Forschungsstation verbringen und dabei 24 Stunden am Tag im Einsatz sein. Freunde und Familie vermisse sie kaum, weil Kollegen wie Geologen, Ärzte, Koch, IT-Leute, Techniker zu Freunden würden. Mit denen ließe sich in der Freizeit Verstecken spielen oder aus gekochten Spaghetti draußen vor der Tür die ulkigsten Gebilde gefrieren. "Einige stricken, machen Musik oder Sport", sagt Thoma.

Ein Jahr lang dauere ein Aufenthalt auf der Forschungsstation, dann werde die Arbeit an einen Nachfolger übergeben. Alle werden zuvor in der Brandbekämpfung ausgebildet. Denn Feuer und ein "Whiteout" zählten zu den gefährlichsten Ereignissen auf der Polarstation. "Whiteout" beschreibe ein meteorologisches Phänomen, das den Menschen nichts mehr in seinen Konturen erkennen lasse, weil alles gleich aussehe. Wenn es stürmt, würde niemand mehr ohne GPS auf die Station zurückfinden, so Thoma.

Der nächste Nachbar sei 20 Kilometer entfernt und nur mit einem Fahrzeug erreichbar, das maximal 13 Stundenkilometer zurücklege. Stromausfälle ließen sich über Akkus überbrücken. Selbst frisches Gemüse gibt es über ein Treibhaus auf der Station. "Tomaten, Salat und Gurken oder Basilikum ziehen wir selbst", erzählt die junge Forscherin. Langsam gingen die letzten Kartoffeln, Zwiebeln und Äpfel aus. Gelebt wird von haltbaren und tiefgekühlten Lebensmitteln. Die nächste neue Lieferung komme erst wieder mit dem Teamwechsel im kommenden Jahr.

Geforscht werde auch über die Auswirkungen auf den menschlichen Körper, wenn es keinen Tag-Nacht-Rhythmus gibt. Dass der Klimawandel auch in der Antarktis angekommen sei, wäre auf dem Festland noch nicht spürbar. "Aber dort, wo die Antarktis gegenüber von Südamerika liegt, werden deutliche Temperaturanstiege von 20 Grad gemessen. Große Eisberge brechen ab", erzählte Thoma den Schülern, die gespannt lauschten. Auf der Forschungsstation selbst werde auf jeden Fall ein CO2-Anstieg gemessen. Zu den Tieren, die immer wieder mal gesichtet werden, zählen Pinguine, Robben oder auch Vögel. Die Fünftklässler waren aufgeregt und vor allem platt von der Tatsache, dass sie mit einer Forschungsstation verbunden waren.

Neue Klasse

Seit dem Schuljahr 2020/2021 gibt es an der Realschule und Werkrealschule in Friesenheim die neue Profilklasse "Science Class". Schwerpunkt dieses Profils sind die Naturwissenschaften und Sprachen.