Die neuen Nutzungs- und Bestattungsgebühren auf den Haigerlocher Ruhestätten bewegen die Gemüter. Die ältere Bevölkerung reagiert zum Teil verärgert.
Mit zwölf zu sechs Stimmen bei einer Enthaltung (alle Ja-Stimmen kamen von den Freien Wählern) hat der Gemeinderat beschlossen, die „Friedhofsgebühren“ so anzuheben, dass die Stadt künftig bei den Kosten für den Unterhalt und den Betrieb ihrer Friedhöfe einen Deckungsgrad von 100 Prozent erreicht. Das ist von der Bevölkerung sehr unterschiedlich aufgenommen worden. Die Reaktionen reichen von Verärgerung über Verblüffung und stille Akzeptanz bis hin zur Ankündigung von organisiertem Protest.
Lebherz: Keine Anfeindungen
„Bei mir sind 15 Anrufe eingegangen“, berichtet Bürgermeister Heiko Lebherz auf Nachfrage unserer Redaktion. Etwas erstaunlich: Alle haben sich in ihrer Kritik ausschließlich auf die Preiserhöhung bei den Rasenwahlgräbern, doppelbreit, einfach tief, bezogen. Die Preise für diese, meist von Ehepaaren bevorzugte Bestattungsart fällt mit einer Steigerung um das 2,7-Fache natürlich am heftigsten aus.
Als er darauf hingewiesen habe, dass die Preise für Rasenreihen- oder Urnenreihengräber zwar auch steigen, aber sich in etwa mit den Grabkosten anderer Kommunen vergleichen ließen, hätten sich die Gesprächspartner beruhigt, so der Bürgermeister. Es gab wohl auch keine persönlichen Anfeindungen gegen ihn. Lebherz: „Mit allen konnte ich ein ordentliches Gespräch führen.“
Und in den Teilorten selbst? Dass dort die Ortsvorsteher als „Kummerkästen“ mit dem Thema Friedhofsgebühren konfrontiert wurden, bestätigt eine kleine Umfrage.
„Ich bin beim Kirchgang am Sonntag von einem Ehepaar angesprochen worden, ob die Stadt denn verrückt geworden sei“, berichtet der Harter Ortsvorsteher Thomas Bieger. Außerdem habe er den wütenden Anruf einer Harter Bürgerin bekommen, die sich „recht rustikal“ beschwert habe. Ähnlich wie in Rangendingen bei der Erhöhung der Hundesteuer habe sie die Sammlung von Protestunterschriften ins Spiel gebracht.
Fast gleichlautend äußert sich der Bad Imnauer Ortsvorsteher Robert Wenz: „Zu teuer, falsch kalkuliert und insgesamt komplett negative Reaktionen.“ Zudem sei darauf hingewiesen worden, dass der Imnauer Friedhofsparkplatz nicht komplett in die Kostenkalkulation eingerechnet werden könne, weil der ja auch als Wanderparkplatz genutzt werde. Dann gehe man halt woanders hin, das sei der Tenor gewesen. Auch der Bittelbronner Ortsvorsteher Gerd Klingler berichtet von „großen Reaktionen“ – besonders bei den Doppelrasengräbern.
„Nicht-Reaktion“ gibt es auch
Trillfingens Ortsvorsteher Horst Henle bekam nach eigenen Worten bislang keine Rückmeldungen aus dem eigenen Ort, musste sich offenbar aber von Stettener und Gruolern „einiges anhören“ – das überrascht nicht, er ist ein gebürtiger Stettener.
Währenddessen haben die Ortsvorsteher der beiden Haigerlocher Stadtteile Stetten und Gruol offenbar noch gar kein Feedback bekommen. „Bei mir ist es tatsächlich noch ruhig bezüglich der Friedhofsgebühren“, erklärt Julian Higi aus Stetten und sein Amtskollege Reiner Schullian aus Gruol vermeldet Ähnliches: „Bei mir gab es bisher noch keine Bürgerreaktionen.“