Das Ensemble „danzbar“ bezaubert sein Nusplinger Publikum mit schwäbischen Melodien und Versen.
In der alten Friedhofskirche Sankt Peter und Paul finden dank des Fördervereins immer wieder kulturelle Highlights statt – Ausstellungen, Lesungen und musikalische Abende. Das gut besuchte Konzert, das jüngst in dem kleinen Kirchlein stattfand, war ein Ohrenschmaus.
Es konzertierte die Gruppe „danzbar“, in schönstem Hochdeutsch „tanzbar“, und spielte Stücke, die ins Ohr und ins Bein gehen. Hümmelchen, Bock, Quetschle und andere rare Instrumente hat das Ensemble nicht nur mitgebracht, sondern sein Publikum damit auch verzaubert. Weil der Abend mit „gschbielt und gschwätzt“ überschrieben war, gab es neben der Musik die passende Mundart-Lyrik – augenzwinkernd und heiter, aber durchaus zum Nachdenken.
Jörg Neubert (Geige, Bock, Gesang), Dorothee Schmieg (Flöten, Hümmelchen, Gesang), Hanna Seiz (Oboe, Schalmei, Flöten, Gesang), Jürgen Schempp (Gitarre, Gesang), Anne Schmieg (Quetschle, Dudelsack, Gitarre, Gesang) und Jo Schmieg (Kontrabass, Flöten, Gschwätz) brachten Stimmung und Frohsinn ins Bäratal. Die muntere Gruppe hat ihre Wurzeln in der Frommerner Volkstanzszene – genauer gesagt dem Albvereins.
Seit vielen Jahren spielt das Ensemble zusammen. Seine gewachsene Harmonie, davon sind die Musikerinnen und Musiker überzeugt, spüren sie nicht nur selbst, sondern hören auch die Gäste im Publikum.
„Danzbar“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit authentischen Instrumenten traditionelle schwäbische Musik am Leben zu erhalten, weiterzuentwickeln und mit neuem Leben zu füllen: zum Beispiel Tänze, Märsche und Tanzlieder; Werke, einst bei ausgelassenen Festen und würdigen Feiern dargeboten; oder Stücke, in gemütlicher Runde gesungen und musikalisches „i-Dipfele“ eines bedeutsamen Ereignisses.
Das versierte Ensemble rettet dies alles behutsam in die hektische Zeit von Smartphone, Filterblasen und Co. – eine pittoreske Zeitreise. Die Herren tragen zum weißen Hemd schwarze Gehröcke und hohe Zylinderhüte. Die Damen ziehen mit langen, dunklen Rocken, kunstvoll gestrickten, historischen Umhängen, hohen Stiefeletten und kleinen Hüten die Blicke auf sich.
Darüber hinaus spielen die Musikerinnen und Musiker nicht nur, sondern erklären ihre Instrumente und die historischen Werke. „Danzbar-Chef“ Jörg Neubert hat nicht nur manches Geschichtle parat, sondern auch vielerlei Infos zu Taktgestaltung und Entstehung.
Der festlich-erhabene „Baura-Marsch Gruorn“ beispielsweise stammt aus einem Dorf, das es gar nicht mehr gibt: Gruorn musste Ende der 1930er-Jahre dem Truppenübungsplatz Münsingen weichen.
Der charaktervolle, flotte „Galopp No. 9“, hören die zahlreichen Besucher, sei um 1800 in Mode gekommen, und zwar als schneller Kehraus von Bällen. Der „Ländler“ aus Bergatreute hingegen ist nur „mäßig geschwind“, ein klassischer Tanz im wiegenden Dreiertakt, der einen summen und wippen lässt. Kein Wunder also, dass diese Werksgattung in Süddeutschland ebenso beliebt war wie in Österreich, Slowenien und der Schweiz.
Und ja: Auch schwäbische Ensembles konzertieren bis heute mit dem Dudelsack, den man gern ausschließlich in Schottland verortet.